Der 27-jährige Marco Huck boxt in der Linksauslage © getty

Mühevoll verteidigte Marco Huck seinen WBO-Titel gegen Firat Arslan. Ein Kampf gegen Wladimir Klitschko ist vorerst fern.

Halle/Westfalen - Eigentlich war die Schlacht von Halle zwischen Weltmeister Marco Huck und Firat Arslan perfekte Werbung für das Boxen: Endlich mal wieder zwölf Runden Hochspannung, zwei sich unermüdlich bekämpfende Kontrahenten und ein dramatisches Finale. ( 634440 DIASHOW: Huck gegen Arslan )

Doch der enge Cruisergewichts-Fight nach Version der WBO hatte bedauerlicherweise aber vor allem noch etwas: einen wegen des äußerst umstrittenen Urteils sehr bitteren Beigeschmack.

Arslan zweifelt am Urteil

"Ich bin der wahre Champion, das hat heute doch wirklich jeder gesehen. Solche Entscheidungen machen den Boxsport einfach nur kaputt", sagte der geschlagene Herausforderer Arslan.

Selbstverständlich nur im weitesten Sinne, denn gezeichnet war der 42-Jährige zumindest im Gesicht kaum.

Aber Arslan wirkte getroffen, fühlte sich betrogen und ließ mit Blick auf die teilweise fragwürdigen Entscheidungen der Kampfrichter mächtig Dampf ab. "Wo führt der Sport hin, wenn es solche Urteile gibt? Man braucht nur in unsere Gesichter zu schauen", sagte Arslan.

Huck gezeichnet

Auf der anderen Seite zeichnete sich dort die für Weltmeister Huck so typische "Kriegsbemalung" ab: Eine geschwollene Nase, ein lädiertes Ohr und bunte Veilchen unter den Augen.

Demnach überraschte der nach seiner zehnten erfolgreichen Titelverteidigung zum Superchampion ernannte Huck doch ein wenig, als er von "meinen präziseren Schlägen" und dem "daraus resultierenden verdienten Sieg" sprach.

Huck bleibt stecken

Man hatte in dieser Nacht zum Sonntag wahrhaftig kein Experte sein müssen, dies befand übrigens auch Arslan, um zumindest einen äußerst schmeichelhaften Punktsieg (115:113, 115:113, 117:111) des gebürtigen Jugoslawen verzeichnet zu haben.

Viel zu selten fand der für seinen spektakulären Boxstil bekannte Huck den Weg durch Arslans effektive Doppeldeckung.

Die meisten Schläge verpufften in selbiger, die wenigen Treffer nahm Arslan eher unbeeindruckt hin.

Haken bereiten Probleme

Er selbst hingegen marschierte von der ersten Runde an nach vorne. Mit einer äußerst offensiven Taktik setzte Arslan dem favorisierten Champion zu und zermürbte diesen mit zielsicheren Aufwärtshaken.

Es hatte sogar den Anschein, als könne er noch unzählige weitere Runden das extrem hohe Tempo gehen, doch das für ihn unerwartete Urteil kam nach einem Dutzend.

Arslan hofft auf Rückkampf

"Marco ist ein großartiger Champion. Aber heute zähle ich mich als Weltmeister und hoffe auf einen Rückkampf", sagte Arslan und versprach gleichzeitig, "dass ich auf jedenfall noch boxen werde."

Dies wird selbstverständlich auch Huck tun, der zunächst noch keinen festen Gegner nennen wollte. "Ich boxe jeden. Wer solch einen Kampf gegen Firat übersteht, der muss sich vor niemandem fürchten", sagte Huck selbstbewusst.

Wechsel vertagt

Den geplanten Wechsel in das Schwergewicht und den für das kommende Frühjahr anvisierten Mega-Fight gegen Dominator Wladimir Klitschko wird es vorerst aber nicht geben. (Huck ätzt gegen "meine Freundin Wladimir")

Wie Promoter Kalle Sauerland mitteilte, werde "erst Ola Afolabi sein Re-Match bekommen. Wobei ich lieber den zweiten Teil gegen Arslan als den dritten gegen Afolabi sehen würde." Außerdem sei ein Wechsel in die Beletage des Profiboxens sowieso erst in eineinhalb Jahren geplant gewesen, meinte Sauerland.

Party in Westfalen

Huck, der in den vergangenen Tagen vehement ein Duell mit Klitschko gefordert hatte, wirkte in dieser Diskussion wie auch wenige Augenblicke zuvor im Ring irgendwie ratlos.

Und während sich Arslan noch immer über über die Entscheidung echauffierte, hatte Huck plötzlich doch noch einen Plan. "Jetzt werde ich erstmal Bielefeld unsicher machen", sagte Huck und verschwand im westfälischen Nachtleben.

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