Jack Culcay gewann seinen ersten Profikampf im Dezember 2009 gegen Jindrich Kubin © getty

Vor seinem WBA-Kampf gegen Mark Thompson spricht Jack Culcay bei SPORT1 über den gestiegenen Druck und seine Karriereplanung.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Am Samstag steigt Jack Culcay zum 13. Mal als Profi in den Ring. Vor dem Schwergewichts-Fight um den WBA-Weltmeistertitel zwischen Champion Alexander Powetkin und Hasim Rahman muss der Amateur-Weltmeister von 2009 gegen den Briten Mark Thompson erstmals in seiner Profi-Karriere einen Gürtel verteidigen.

Erst am 25. August hatte "Golden Jack" durch technischen K.o. gegen den Franzosen Frediric Serre den vakantem Titel der Intercontinental-Meisterschaft der WBA gewonnen.

Auch wenn sein Kontrahent nur vier Wochen Vorbereitung auf den Kampf hatte, zeigt Culcay doch Respekt vor dem in 25 Kämpfen nur einmal besiegten Engländer.

Thompson pfeift auf Termine

Der ließ sowohl das Presse-Training am Dienstag als auch die Pressekonferenz am Mittwoch platzen, tönte aber über die Medien: "Ich reise doch nicht nach Deutschland, um zu verlieren. Schließlich habe ich den härteren Punch."

Im SPORT1-Interview spricht Jack Culcay über den ungewohnten Druck des Titelverteidigers, seine kurze Regeneration und seine weiteren Karrierepläne.

Außerdem schaut der Schützling von Erfolgstrainer Ismael Salas zurück auf das olympische Boxturnier.

SPORT1: Herr Culcay, 2009 haben Sie eine lange Durststrecke des Deutschen Amateur Box-Verbands beendet und nach 14 Jahren mal wieder einen WM-Titel erkämpft. Ein Jahr zuvor waren Sie bei Olympia äußerst knapp in der ersten Runde ausgeschieden, wären als Weltmeister vor kurzem in London sicher ein Gold-Favorit gewesen. Haben Sie den Schritt ins Profi-Geschäft jemals bereut?

Jack Culcay: Nein, überhaupt nicht. Ich bin jetzt 27 und wollte schon immer Profi werden. Hätte ich bis 2012 gewartet, wäre dieser Schritt zu spät gekommen.

SPORT1: Olympiasieger In ihrer Klasse, dem Weltergewicht, wurde der Kasache Serik Säpijew. Haben Sie ihn schon mal geboxt?

Culcay: Nein. Aber er ist ein sehr starker Boxer. Der war 2005 und 2007 schon Weltmeister im Halbweltergewicht. Ein ganz erfahrener Mann. Es wäre schon interessant gewesen, bei Olympia zu kämpfen - am besten im Finale.

SPORT1: Die deutschen Boxer mussten ohne Medaille zurück in die Heimat reisen. Wie beurteilen Sie das Ergebnis?

Culcay: Leider haben sie wieder keine Medaille geholt, sind aber wenigstens weiter gekommen als wir 2008. Das war ein Schritt nach vorn. Mein Freund Stefan Härtel hat gut geboxt und ist im Mittelgewicht immerhin ins Viertelfinale vorgestoßen.

SPORT1: Haben Sie bei Olympia einen Kämpfer gesehen, dem Sie eine große Zukunft prophezeien?

Culcay: Ganz klar: Wassili Lomatschenko in der Klasse bis 60 Kilo. Ein sehr guter Boxer, der überragende Kämpfer von London.

SPORT1: Zu Ihnen: Nur vier Wochen nach dem Kampf gegen den Franzosen Serre steigen Sie erneut in den Ring. Wie läuft da die Vorbereitung?

Culcay: Das ist hart. Ich habe eine Woche Pause gemacht und dann da weitergemacht, wo ich vor dem Serre-Kampf aufgehört habe. Ich bin froh, dass der Kampf nur drei Runden gedauert hat. Wäre er über zwölf Runden gegangen, hätte ich mit Sicherheit nicht wieder so schnell boxen können.

SPORT1: Wie schätzen Sie Thompson ein?

Culcay: Als erstes fällt natürlich seine Größe auf. Er ist mit 1,80 Meter acht Zentimeter größer als ich. Aber diesen vermeintlichen Nachteil habe ich nicht zum ersten Mal und konnte ich bislang immer durch meine Schnelligkeit wettmachen.

SPORT1: Wie geht der Kampf aus?

Culcay: Das wird mit Sicherheit der schwerste Kampf meiner Profi-Karriere. Ich bin jetzt der Gejagte. Der Druck wird größer, aber ich werde dem standhalten. Ich bin auf zwölf Runden vorbereitet. Wenn ich es schneller schaffe, ist das schön.

SPORT1: Bisher mussten Sie noch nicht über zwölf Runden gehen. Kann es da Probleme geben?

Culcay: Nein, da bin ich sicher. Im Training bin ich schon häufig über zwölf Runden gegangen - und das unter erschwerten Bedingungen: Alle vier Runden kam ein neuer Gegner in den Ring. Der war dann nicht nur frisch, sondern ich musste mich auch noch auf einen andern Kämpfer einstellen.

SPORT1: Ihr Ziel ist der WM-Gürtel. Haben Sie sich einen Zeitplan gesetzt?

Culcay: Das kann man so genau nie machen. Sie wissen ja, was passieren kann. Da wird ein Kampf abgesagt und wieder hat man Zeit verloren. Aber 2014 will ich Weltmeister sein.

SPORT1: In der WBA-Rangliste werden Sie mittlerweile auf Rang 12 geführt. Nummer 1 ist ein ganz großer Name...

Culcay (mit glänzenden Augen): Floyd Mayweather...

SPORT1: Den bestbezahlten Boxer der Welt möchten Sie bestimmt mal vor die Fäuste bekommen?

Culcay: Auf jeden Fall. Das wäre ein tolles Erlebnis. Und wenn man Weltmeister werden will, muss man jeden schlagen. Und das will ich.

SPORT1: Kennen Sie die anderen Weltmeister?

Culcay: WBC-Weltmeister ist Saul Alvarez. Auch ein ganz starker Boxer, genau wie Austin Trout, den die WBA ja mit Mayweather ganz oben einstuft.

SPORT1: WBO-Weltmeister ist Zaurbek Basangurow, in der IBF ist es Cornelius Bundradge...

Culcay: Die kenne ich beide nicht. Mein Augenmerk liegt auf Mayweather, aber natürlich boxe ich gegen jeden um einen WM-Gürtel.

SPORT1: Was ist der nächste Schritt, vorausgesetzt Sie gewinnen am Samstag?

Culcay: Ich werde in diesem Jahr ganz sicher noch einen Kampf machen. Am liebsten im Dezember um die Europameisterschaft.

Weiterlesen