Vitali Klitschko (r.) gewann 45 seiner 47 Profikämpfe, 41 davon durch K.o. © getty

Vitali Klitschkos Gegner fühlt sich weiterhin um den Sieg betrogen. Der Brite fordert den Ukrainer zum "definitiven" Duell.

Von Martin Hoffmann

München - Er ist betrogen worden in Moskau, Manuel Charr ist sich da weiterhin ganz sicher.

"Ich kann seit Samstag nicht schlafen, man hat mir den Sieg geklaut", teilte der Deutsch-Libanese am Montagmorgen seinen Facebook-Anhängern mit.

Drei Ausrufezeichen ließ er dieser gewagten Behauptung ebenso folgen wie seinem Flehen danach: "Vitali, damit kannst du nicht leben seit Lewis, und ich auch nicht!!! Wir müssen boxen."

Der "Koloss von Köln" beklagt weiterhin die Umstände des Kampfabbruchs im verlorenen WM-Kampf gegen WBC-Champion Vitali Klitschko (BERICHT: Vitali Klitschko verbeult Charr) - es dürfte ein vergebliches Klagen sein ( 610104 DIASHOW: Die Bilder des Kampfes ).

Am Dienstag machte Charr schließlich Ernst und legte beim WBC-Verband offiziell Protest gegen das Urteil ein

Klitschkos Zukunft offen

Sehr deutlich hat der drückend überlegene Klitschko bereits klargestellt, dass es für Charr keine zweite Chance geben wird - und seine sportliche Zukunft ansonsten offen gelassen. Erst nach den ukrainischen Parlamentswahlen, für die er kandidiert, will er sich erklären (BERICHT: Klitschko-Lager glaubt an großes Finale).

Bessere Chancen, von Klitschko erhört zu werden hat in jedem Fall David Haye, der sich weiterhin als letzter großer Gegner für den 41-Jährigen anbietet.

Nachdem der Brite den ukrainischen Schwergewichts-Weltmeister schon am Rande des Charr-Kampfes aufgefordert hat, legt er nun noch einmal nach.

"Ich will ihn davon überzeugen, dass er noch nicht den definitiven Kampf seiner Karriere gehabt hat", erklärt Haye bei "Sky Sports News".

Der WBC-Champion hätte in seiner Karriere nur einen großen Fight gehabt, gegen Lennox Lewis: "Und den hat er verloren."

Keine Aufregung, keine Unterhaltung

Seitdem habe er viele Kämpfe ausgefochten und gewonnen, "aber er hat gegen niemanden gekämpft, der irgendeine Art von Aufregung und Unterhaltung gebracht hätte".

Haye und Vitali Klitschko sollten bereits Ende 2009 gegeneinander antreten, damals ließ Haye den Kampf jedoch platzen, weil er mit den Vertragskonditionen nicht einverstanden war.

Stattdessen trat er eineinhalb Jahre später gegen Wladimir Klitschko an, verlor nach Punkten, trat danach zurück, nur um bald darauf zurückzukehren und gegen Landsmann Dereck Chisora zu gewinnen.

Charr? "Noch nie gehört"

Klitschkos Gegnerwahl stößt bei Haye auf Unverständnis: "Er hat gegen einen Gegner gekämpft, von dem ich noch nie gehört habe, ohne Hype, ohne Schlagzeilen. Jemand, der zurücktreten will, will doch mit einem großen Kampf abtreten."

Hayes jüngster Fight, findet er, hätte diese Voraussetzung erfolgt: "Mein letzter Kampf gegen Dereck Chisora war riesig, ein weltweiter Mega-Kampf. Wenn wir jetzt aufhören, würden wir auf einem Höhepunkt abtreten."

Haye will das aber eben nicht: "Die ganze Boxwelt weiß, dass der nächste große Kampf auf diesem Planeten - abgesehen von Manny Pacquaio und Floyd Mayweather - ich gegen Vitali Klitschko lautet. Das müssen die Leute sehen."

Haye hofft auf Wahlniederlage

Daran, dass besagter Kampf nicht schon zustande gekommen ist, geben sich Haye und Klitschko gegenseitig die Schuld.

Hayes Version der Geschichte lautet: "Er wollte vor seiner Wahl nicht gegen mich kämpfen - vielleicht weil er wusste, dass es hart für ihn geworden wäre."

Mit Blick auf die anstehende Parlamentsabstimmung in der Ukraine stichelt Haye nun: "Ich hoffe, dass er, sobald er seine Wahl verloren hat, begreift, dass er noch einen Mega-Kampf will - und dass es nur einen gibt, von dem er ihn bekommen kann."

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