Endstation Moskau? Der Fight gegen Under- dog Charr könnte Vitali Klitschkos letzter sein © getty

Manuel Charr ist furchtlos, aber technisch unausgereift. Für Klitschko spricht nicht nur die Erfahrung. Der SPORT1-Vergleich.

Von Christoph Lother

München - Eigentlich ist es wie immer kurz bevor einer der beiden Klitschko-Brüder in den Ring tritt.

Der jeweilige Herausforderer wirft mit kessen Sprüchen und K.o.-Drohungen um sich, der jeweilige Titelverteidiger aus der Ukraine beeindruckt durch grenzenlose Gelassenheit und Routine.

Auch vor dem Duell zwischen WBC-Weltmeister Vitali Klitschko und Herausforderer Manuel Charr am Samstagabend in Moskau ist das nicht anders.

Und doch verspricht der Mega-Fight in der russischen Hauptstadt, der in sage und schreibe 150 Länder übertragen wird, eine Menge Brisanz.

Unterschiedliche Perspektiven

Schließlich könnten die Unterschiede zwischen den beiden Rivalen hinsichtlich Charakter und Perspektive kaum größer sein.

Auf der einen Seite Saubermann Klitschko, der in seiner mittlerweile fast 16-jährigen Profilaufbahn unglaublich viel erlebt hat, dabei aber nie negativ auffiel. Einer, der es längst allen bewiesen hat und schon in naher Zukunft eine politische Karriere in seiner Heimat anstrebt.

Auf der anderen Seite "Bad Boy" Charr, der seit seinem Profidebüt mehr als sieben Jahre auf ein Highlight wie den Kampf gegen Klitschko warten musste und die ganz große Karriere womöglich erst noch vor sich hat. Einer, der in der Vergangenheit mehrfach mit der Justiz in Konflikt geriet und nun endlich auch im Boxring für Schlagzeilen sorgen will.

Charr strebt Wachablösung an

"Ich freue mich auf die Chance meines Lebens", betont Charr und ergänzt: "Ich bin die Zukunft, für Klitschko wird es der letzte Kampf sein, definitiv".

Die Bilanz von 21 Siegen in 21 Kämpfen als Profi gibt dem 27-Jährigen zwar allen Grund zum Optimismus. Ob er die angekündigte Wachablösung gegen den immerhin 14 Jahre älteren Klitschko aber wirklich durchziehen kann, bleibt abzuwarten.

"Es haben schon Gegner, die physisch stärker und boxtechnisch versierter waren als Manuel gedacht, Vitali sei leicht zu treffen", sagt Klitschko-Trainer Fritz Sdunek.

Technisch limitierter Herausforderer

Und Sdunek weiß wovon er spricht. Immerhin trainierte er den "Diamond Boy" einst selbst.

Zwar verfügt Charr über extrem gute Nehmerqualitäten und darüber hinaus auch eine ordentliche Schlagkraft, wie die elf K.o.-Siege seiner bisherigen Profikarriere belegen. Technisch gilt der ehemalige Europameister im Thai-Kickboxen allerdings als limitiert.

Sowohl Sdunek als auch sein vorheriger Trainer Ulli Wegner konnten dem im Libanon geborenen und in Deutschland aufgewachsenen Bürgerkriegsflüchtling seinen Hang zum Straßenschläger-Stil nie vollständig abgewöhnen.

Erfahrung spricht für Klitschko

Was die Härte seiner Schläge betrifft, steht der 40-malige K.o.-Sieger Klitschko seinem Herausforderer ohnehin in nichts nach.

Auch sein fortgeschrittenes Alter muss sich für den 41-jährige Titelverteidiger nicht zwangsläufig als Nachteil erweisen, könnte sich stattdessen vielleicht sogar positiv für ihn bemerkbar machen.

Dass er immer noch problemlos über zwölf Runden gehen kann, bewies Klitschko jedenfalls erst im Februar bei seinem Punktsieg über den Briten Dereck Chisora.

Charr sieht das im SPORT1-Interview ("Es gibt keinen Plan B") ähnlich: "Die große Erfahrung von Vitali ist für ihn sehr wertvoll."

Dennoch wolle er "die Karriere von Vitali Klitschko beenden". Und seine damit erst so richtig beginnen.

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