Manuel Charr gewann elf seiner bislang 21 Profikämpfe durch K.o. © imago

Vor dem WM-Kampf gegen Vitali Klitschko spricht Manuel Charr bei SPORT1 über seinen Gegner

Von Michael Spandern

München - Manuel Charr steht vor dem bislang größten Kampf seiner Karriere.

In Moskau boxt der im Libanon geborene und in Deutschland aufgewachsene Bürgerkriegsflüchtling am Samstag gegen Vitali Klitschko um die WBC-Krone im Superschwergewicht.

Trotz seiner makellosen Bilanz von 21 Siegen in 21 Profikämpfen gilt der "Diamond Boy" im Duell mit dem älteren der beiden Klitschko-Brüder als klarer Außenseiter.

Dennoch zeigt sich Charr vor dem Mega-Fight, der in 150 Länder übertragen wird, optimistisch.

Im SPORT1-Interview spricht der "Diamond Boy" über die Stärken seines Gegners, die Lehren aus seinern Konflikten mit dem Gesetz und sein neues Umfeld.

SPORT1: Herr Charr, Sie haben angekündigt, Vitali Klitschko in Rente zu schicken. Zuletzt haben die Klitschkos allen Kämpfern, die große Töne gespuckt haben, eine kräftige Abreibung verpasst. Warum wählen Sie dennoch die Strategie, Klitschko zu provozieren?

Manuel Charr: Ich möchte ihn nicht in Rente schicken, sondern in die Politik. Das ist ja auch sein eigener Wunsch, daher kann von einer Provokation keine Rede sein.

SPORT1: Ihr Gegner ist mittlerweile 41 Jahre alt. Welche Schwächen bringt dieses hohe Boxer-Alter mit sich?

Charr: Vitali ist einer der besten Boxer der Welt. Schwächen sind auf diesem Niveau kaum vorhanden. Ganz im Gegenteil, die große Erfahrung von Vitali ist für ihn sehr wertvoll.

SPORT1: Sie kämpfen auch gegen Ihre nicht unerheblichen Schulden. Setzt Sie das unter zusätzlichen Druck, gewinnen zu müssen?

Charr: Das spielt für mich im Ring keine Rolle. Am Samstag geht es ausschließlich um den Boxkampf. Alles darum herum hat in dieser Zeit keine Bedeutung.

SPORT1: Wie kommt es dazu, dass Sie sich so hoch verschuldet haben? Träume wie eine Einbauküche für Ihre Mutter klingen doch eigentlich bescheiden ?

Charr: Wenn man den Weg der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit geht, kostet das einfach Geld. Mit einem Boxstall im Rücken muss man sich um die finanziellen Dinge keine Gedanken machen, dafür kann man aber auch nicht unabhängige Entscheidungen treffen und genau das ist mir sehr wichtig.

SPORT1: Was macht Ihre eigene Vermarktungsfirma, die "Diamond Boy Promotion", anders als die von Felix Sturm, bei der Sie zuvor unter Vertrag standen?

Charr: Wir machen bei DBP vieles anders als andere. Unser Erfolg wird das schon bald für jeden sichtbar machen.

SPORT1: Was hat Ihnen Ihr Freund Lukas Podolski mit auf den Weg zu Ihrem bislang größten Kampf gegeben?

Charr: Im Moment konzentriere ich mich voll auf den Kampf und habe den Kontakt zur Außenwelt stark minimiert. Lukas wird mir die Daumen drücken, das weiß ich. Nach dem Kampf werden wir telefonieren.

SPORT1: Anscheinend umgeben Sie sich nicht immer mit den richtigen Freunden: 2006 kam es, nachdem Sie Passanten mit rohen Eiern beworfen hatten, zu einer Messerstecherei und Sie waren wegen versuchten Totschlags angeklagt. Anfang 2011 wurden Sie im Zuge einer bundesweiten Razzia gegen eine Autoschieberbande verhaftet. Was lernen Sie aus diesen Episoden?

Charr: Das richtige Umfeld ist im Leben eines jeden Menschen essenziell. Auch und ganz besonders im Boxsport. Alleine kann man viel erreichen, aber ohne ein funktionierendes Team im Hintergrund kommt man an Grenzen. Ich bin froh und dankbar, heute die richtigen Menschen um mich herum zu haben. Gemeinsam werden wir noch viel erreichen.

SPORT1: Bewundern Sie die Klitschkos, die ja auch aus ärmlichen Verhältnissen kommen, für Ihr Saubermann-Image?

Charr: Ich schätze die Klitschkos nicht für Ihr Saubermann-Image, sondern für das was sie seit Jahren im Ring abliefern. Sie haben viel für den Boxsport getan. Vor allem in Deutschland.

SPORT1: Sie haben mit Blick auf Samstag gesagt "Wenn es nicht gut läuft, war es noch nicht das Ende." Wie sieht Ihr Karriere-Plan B aus?

Charr: Für mich gibt es keinen Plan B. Ich wäre ein schlechter Boxer, wenn ich mich vor einem Kampf mit einer Niederlage beschäftigen würde.

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