Der Leverkusener Felix Sturm boxt in der Linksauslage © getty

Nach seiner Niederlage gegen Daniel Geale sucht Sturm Halt in Familie und plant Urlaub. Gegen Arthur Abraham stichelt er dennoch.

Oberhausen - Als der "große Traum" zum Albtraum wurde, sehnte sich Felix Sturm nur noch nach seiner Familie.

"Es gibt wichtigere Dinge im Leben als Boxen - meinen Sohn, meine Frau", sagte der enttrohnte Box-Weltmeister eine Stunde nach seiner überraschenden Niederlage gegen den Australier Daniel Geale (Bericht): "Ich will jetzt nicht über meine Zukunft reden." 607450 (DIASHOW: BIlder des Fights)

Doch er kam nicht drum herum. Die Frage, wie es mit dem Boxer und Promoter Felix Sturm weitergehe, wurde ihm immer und immer wieder unter seine geschwollene Nase gerieben. Und der 33-Jährige sagte das, was er sagen musste.

Viele Fragen - kaum Antworten

"Ich werde sicher wieder um den WM-Titel boxen. Vielleicht nach einem Aufbaukampf." Möglicher Gegner? Anvisierter Zeitpunkt? "Das weiß ich noch nicht."

Stattdessen flüchtete sich Sturm in Phrasen: Alle großen Champions hätten schon verloren, betonte Sturm mehrfach. Ali, Tyson, die Klitschkos. "Das ist Boxen. Mal läuft es, mal nicht."

Spruch gen Abraham

Deutlichere Worte fand der sonst sehr gefasst wirkende Wahlkölner in Bezug auf seinen Intimfeind Arthur Abraham. "Abraham und Sauerland müssen sich bei mir bedanken, dass es mich gibt. So haben sie die Möglichkeit, dass sie überhaupt wahrgenommen werden." (NEWS: Alles zum Boxen)

Sturms Ansage, dass der Kampf sowieso nicht zustande kommen werde, weil "Abraham wieder nach Ausreden suchen wird", klang allerdings nach einer Aufforderung - vom Herausforderer an den Champion.

Lukrative Fights futsch

Die Vorzeichen haben sich geändert, das weiß auch Sturm. "Jetzt muss ich mir ein paar Sachen wieder neu aufbauen", gestand er. Dass er sich nun "hinten anstellen" müsse, glaube er jedoch nicht.

Doch Fakt ist: Lukrative Fights gegen Gennadi Golowkin (Kasachstan), WBC-Weltmeister Julio Cesar Chavez junior (Mexiko) oder WBO-Weltmeister Dimitri Pirog (Russland) dürften vorerst in weite Ferne gerückt sein.

Viel Prominenz

Vor den Augen der gesamten Mannschaft von Schalke 04, einigen Spielern des Meisters Borussia Dortmund sowie ManCity-Star Edin Dzeko tat Sturm einfach zu wenig.

Allein in der zweiten Runde dominierte er seinen wendigen australischen Kontrahenten mit seiner gefürchteten Führhand. Anschließend ließ er sich viel zu oft auf den In-Fight ein, zu selten kam die rechte Schlaghand durch.

Selbst den rund 12.000 Fans in der Oberhausener Arena blieb zwischen Runde drei und zehn die Stimme weg, als Sturm kaum etwas einfiel und infolge reichlich eingesteckter Fäuste immer vorsichtiger wurde.

Sturm selbstkritisch

"Ich kann viel besser boxen", sagte Sturm selbstkritisch: "Im Nachhinein hätte man einiges anders machen können." Sein Trainer Fritz Sdunek, der erst am Kampftag von Witali Klitschko zu Sturm gestoßen war, übte derweil Kritik am Urteil der Punktrichter.

Sturm akzeptiert Wertung

Das 1:2 (116:112, 112:116, 112:116) habe ihn "sehr überrascht". Sturm, der eine von Sdunek angesprochene Erkrankung nicht als Ausrede benutzen wollte, allerdings "akzeptiert die Entscheidung".

Sie traf ihn hart. Aber es war kein Vergleich mit der letzten, "viel schlimmeren" Niederlage im Jahr 2006 gegen den Spanier Javier Castillejo, als er wenige Tage später seine Mutter verlor.

"Ich freue mich auf meinen Sohn und meine Frau", sagte Sturm. Er wolle jetzt einfach "die Zeit mit den beiden genießen". Und irgendwo hinfahren, "wo die Sonne scheint".

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