Der 33 Jahre alte Felix Sturm (r.) ist seit 2001 im Profigeschäft © getty

Der Weltmeister ist heiß auf den Vereinigungskampf und blendet Abraham aus. Die Fußballstars kommen in Mannschaftsstärke.

Duisburg - Aufreizend lässig fuhr Box-Champion Felix Sturm in einem Cabrio vor, dann schaute er Daniel Geale exakt 17 Sekunden tief in die Augen.

Beim obligatorischen "Staredown" vor dem "Kampf meines Lebens" nahm Sturm seinen Kontrahenten fest ins Visier - im Kopf dürfte ihm jedoch bereits ein anderer Gegner geschwirrt haben.

Vor dem Vereinigungskampf gegen den australischen IBF-Weltmeister am Samstagabend in Oberhausen dreht sich alles um einen möglichen Mega-Fight mit Arthur Abraham.

Verbaler Schlagabtausch

"Lügner", "Ahnungsloser", "der reinste Zirkus", "ein intelligenter Mann hätte das nicht gesagt": In den vergangenen Tagen lieferten sich Sturm und das Abraham-Lager einen verbalen Schlagabtausch (EXKLUSIV: Arthur Abraham im SPORT1-Interview).

Kaum hatte ein Punch seine mediale Wirkung entfaltet, schon setzte der Getroffene zum Konter an. Allein im Ring, da schien ein Duell aufgrund der Verträge mit zwei verschiedenen TV-Stationen lange Zeit unmöglich.

Doch nun signalisierten die Sender Interesse an einem Modell mit Hin- und Rückkampf - und ließen Box-Deutschland mehr denn je auf den langersehnten Fight hoffen. Die Kontrahenten sind ohnehin bereit - "ich boxe gegen jeden", hatte Abraham gesagt.

"Jahrelang davon geträumt"

Zunächst jedoch geht es für Sturm um nicht weniger als die Regentschaft im Mittelgewicht. Passenderweise lautet das Kampfmotto: "Es kann nur einen geben."

Trotzdem gab sich der gebürtige Leverkusener beim Pressewiegen (beide brachten 72 kg auf die Waage) am Freitag in Duisburg erneut locker und entspannt, von Aufregung keine Spur.

"Ich habe jahrelang davon geträumt, jetzt werde ich mir meinen großen Traum erfüllen", hatte Sturm mehrfach bekräftigt. Oberhausen war für ihn bisher ein gutes Pflaster, beide Kämpfe dort gewann er.

Sdunek wieder an Sturms Seite

Ab dem frühen Morgen des Kampftages konnte Sturm auch wieder auf die Unterstützung seines Trainers Fritz Sdunek setzen.

Der 65 Jahre alte Erfolgscoach weilte bis zuletzt beim ukrainischen Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko, der am 8. September gegen Manuel Charr möglicherweise zum letzten Mal in den Ring steigt.

Sein Schützling versprach, perfekt vorbereitet zu sein: "Ich fühle mich 30-40 Prozent besser als beim Kampf gegen Zbik."

"Ich will das alles nicht mehr hören"

Von möglichen anderen Kämpfen wollte sich Sturm, der sich seit 2009 selbst vermarktet, ursprünglich nicht ablenken lassen.

"Ich will das alles nicht mehr hören. Der Fokus liegt allein auf diesen Fight. Zunächst muss ich Geale schlagen", hatte er unlängst betont.

Und dass Geale keinesfalls im Vorbeigehen zu schlagen ist, beweist seine fast makellose Kampf-Bilanz: 27 seiner 28 Kämpfe gewann der Australier, bereits 15-mal schlug er seinen Gegner K.o.

Geale zuversichtlich

Unter anderem hatte der 31-Jährige im Mai 2011 in Neubrandenburg Sebastian Sylvester den IBF-Titel durch einen knappen Punktsieg abgenommen.

"Ich mag es einfach, hier zu boxen", sagte ein ebenfalls äußerst locker wirkender Geale

Anders als in seiner Heimat seien die Fans in Deutschland wahnsinnig boxverrückt. "Ich wollte den Besten, jetzt kriege ich den Besten und bin sehr zuversichtlich, dass ich ihn schlage. Meine Chancen sind extrem gut."

Fußball-Prominenz vor Ort

Auf einen Sturm-Sieg hofft derweil Deutschlands Fußball-Prominenz, die beim Kampf vor Ort sein wird (NEWS: Alles zum Boxen).

Die gesamte Mannschaft von Schalke 04 hat sich angekündigt, ebenso diverse Spieler von Borussia Dortmund, HSV-Trainer Thorsten Fink und Manchester Citys Edin Dzeko.

Sturm-Buddy Lukas Podolski ist diesmal nicht mit von der Partie, lässt aber via "Bild" ausrichten: "Alles Gute Felix! Schade, dass ich nicht dabei sein kann. Ich werde aber am TV zuschauen. Hau ihn k.o. ? und den nächsten Kampf bitte wieder in Köln oder London!"

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