Ola Afolabi hat von 24 Kämpfen 19 gewonnen, neun davon mit K.o. © imago

Früher prügelte er sich, jetzt ist er ein Boxer: Vor dem WM-Fight gegen Marco Huck legt Ola Afolabi verbal voll los.

Hamburg - 18 Minuten für die linke Hand, 18 Minuten für die rechte Hand.

Ruhig und gewissenhaft taped Fritz Sdunek die Fäuste von Ola Afolabi. Er scheint sie fast zu streicheln, während er den Verband anlegt.

Es ist das immer gleiche Ritual bevor der Sturm losbricht. Baff, baff, baff - Afolabi verprügelt mit enormer Wucht einen Sandsack. Kurze Pause. Wieder schlagen seine Hände ein.

Afolabi schnappt nach Luft. Doch der Trainer fordert noch mehr Härte, noch mehr Tempo. Nach der Einheit lächelt Sdunek zufrieden - Afolabi ist bereit für Marco Huck.

"Er braucht schon eine Kanone, um mich zu besiegen", sagt Afolabi vor der Weltmeisterschaft im Cruisergewicht nach Version der WBO (Samstag), "Huck ist stark und aggressiv. Aber wenn er attackiert wird, ist er nicht der Schlauste. Und ich bin mental und körperlich unglaublich fit."

"Cheesburger und Mädels"

Im Gegensatz zum Dezember 2009.

Damals hatte es den Kampf schon einmal gegeben, der Engländer musste sich nach Punkten geschlagen geben. Vor drei Jahren sah seine Vorbereitung noch ganz anders aus.

"Da habe ich sechs Sit-ups gemacht, Cheeseburger gefuttert und bin den Mädels hinterhergelaufen", sagt Afolabi.

Doch seit 2010 steht er bei K2, der Promotionfirma der Klitschko-Brüder Vitali und Wladimir, unter Vertrag, und Sdunek steht in seiner Ecke.

Afolabi - "ein kompletter Fighter"

Die Trainerlegende hat dem ewigen Talent die nötige Disziplin vermittelt - hartes Training, gesunde Ernährung.

"Nur ab und zu lässt er sich noch gehen. Dann brülle ich ihn an oder er kriegt einen Klaps, dann spurt er wieder", sagt Sdunek. Und Afolabi meint: "Er treibt mich an wie ein Roboter: Training, Training, Training. Fritz hat mich zu einem kompletten Fighter geformt."

Gekämpft hat er in seinem Leben aber immer.

"Ich habe acht ältere Brüder. Da musste ich mich durchsetzen", sagt Afolabi, der nigerianische Wurzeln hat, in London aufgewachsen ist und jetzt in Los Angeles lebt.

Der Vater war Boxer, die Brüder waren Boxer, aber "scheiße", wie Afolabi meint.

Letzte Chance?

Doch auch er drohte sein Talent zu verschwenden. In seiner Jugend lieferte er sich einige Prügeleien auf den Straßen Londons, bei den Profis zeigte er spektakuläre Kämpfe, aber für ganz oben hat es bisher nicht gereicht.

Der Kampf gegen Huck ist wohl die letzte Chance für den 32-Jährigen, endlich Weltmeister zu werden (NEWS: Alles zum Boxen).

"Es ist wie ein Puzzle, das sich zusammenfügt", sagt Afolabi, der sich gern mit Designerbrille, Schiebermütze und karierter Fliege in Szene setzt.

Afolabi verspricht K.o.

Marco Huck erkennt zwar die Wandlung seines Gegners zu einem seriösen Boxer an, lässt aber natürlich keine Zweifel aufkommen, wer am Samstag den Ring als Sieger verlässt.

"Alle sagen, dass Afolabi stärker geworden ist. Und das ist er auch! Aber ich habe in der Zwischenzeit auch nicht geschlafen", sagte Huck, "es wird aus allen Rohren krachen. Meine Härte wird Afolabi nicht aushalten."

Doch genau das ist eine seiner Stärken - Afolabi ist zäh, hat deswegen den Spitznamen "Kryptonite" bekommen. Weil er, wie das Mineral im Superman-Comic, seinen Gegnern die Kraft raubt.

"Ich habe Huck beim letzten Mal in der fünften Runde weh getan. Jetzt bin ich viel stärker, und meine Schläge sind härter. Es wird nicht über die Runden gehen", sagt Afolabi.

Er ist bereit für Huck.

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