Arthur Abraham gewann 34 seiner 37 Profi-Kämpfe, 27 davon mit K.o. © getty

Der Deutsch-Armenier überzeugt im Fight gegen Wilczewski nur sich selbst. Coach Wegner will ihn nun bis zum WM-Kampf quälen.

Kiel - Arthur Abrahams Platz blieb leer.

Der 32-Jährige hatte nach seinem glanzlosen Punktsieg (118:109, 118:109, 119:108) gegen den Polen Piotr Wilczewski Schwindelgefühle und Schmerzen im rechten Ohr - also ließ er sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag vorsichtshalber ins Krankenhaus fahren.

So musste sich der einstige Weltmeister und K.o.-König die Kritik seines Trainers Ulli Wegner auf der Pressekonferenz nach dem Kampf nicht mehr anhören.

"Ich bin etwas enttäuscht, dass er den K.o.-Schlag, den er hätte bringen können, nicht gebracht hat", sagte Wegner, "mit seiner Schlagkraft und seinem Potenzial darf Arthur eigentlich nicht über die Runden gehen. Ich sehe ja nicht nur den einen Kampf, ich schaue weiter. Wenn wir Weltmeister werden wollen, muss mehr kommen."

Viele Schläge, wenig Wirkung

Zwar erhält Abraham noch in diesem Sommer eine erneute WM-Chance im Supermittelgewicht, doch titelreif präsentierte sich der Deutsch-Armenier bei seinem 31. Sieg (27 durch K.o.) im 34. Kampf nicht (BERICHT: Abraham siegt glanzlos).

Abraham prügelte zwölf Runden auf seinen limitierten Gegner ein, aber viele Schläge verpufften einfach in der Deckung des Polen.

Oder noch schlimmer, sie zerschnitten nur die Luft in der mit 6.000 Zuschauern gefüllten Sparkassen-Arena.

"Könnte morgen um den Titel kämpfen"

Abraham, immerhin schon 32 Jahre alt, hatte gegen Wilczewski nicht mehr diese für den Gegner so unheilvolle Präzision in seinen Schlägen, mit der er vier Jahre das Mittelgewicht dominiert hatte.

Außerdem trieb er seinen Trainer fast zur Verzweiflung, weil er den von Wegner immer wieder lauthals geforderten rechten Aufwärtshaken wohl in der Kabine vergessen hatte.

Trotzdem war Abraham, der sich nicht wie zunächst befürchtet das Trommelfell gerissen hatte, im Gegensatz zu seinem Trainer direkt nach dem Kampf zufrieden mit seiner Leistung ( 538039 DIASHOW: Die Bilder des Kampfes ).

"Ich wollte ihn unbedingt K.o. schlagen, aber er ist ein harter Junge und hat viel eingesteckt", sagte er, "ich bin in WM-Form und könnte schon morgen um den Titel kämpfen."

Wegner will ihn quälen

Der Weg zurück auf den WM-Thron wird für den ehemaligen IBF-Titelträger im Mittelgewicht aber wohl länger, als ihm lieb ist.

Voraussichtlich erst im August bekommt er den Sieger des Duells zwischen WBO-Weltmeister Robert Stieglitz und George Groves (Großbritannien) vor die Fäuste.

Bis dahin wird er wohl keinen weiteren Kampf mehr bestreiten. Stattdessen kündigte Wegner an, seinen nicht immer trainingseifrigen Lieblingsschüler im Gym ordentlich quälen zu wollen, um die offensichtlichen Schwächen abzuschütteln.

"Aber Arthur muss da auch mitmachen, das ist sein großes Problem", sagte Wegner, "er hat ja nach wie vor unheimliche Qualitäten. Er kann die WM wieder gewinnen."

Nur 80 Prozent Leistungsvermögen

Promoter Wilfried Sauerland wirkte nach dem Sieg seines populärsten Boxers sichtlich erleichtert (NEWS: Alles zum Boxen).

In der Spitze sahen 7,32 Millionen Zuschauer den Kampf in der ARD (32,7 Prozent Marktanteil). Und so lässt sich auch in Zukunft mit Abraham eine Menge Geld verdienen.

"Das war ein großartiger Kampf. Ich denke, er ist bei 80 Prozent. Die restlichen 20 Prozent wird er sich bis zum WM-Kampf noch im Training holen", sagte Sauerland.

Und die wird er sicher auch brauchen.

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