Wladimir Klitschko (l.) steht vor seinem 60., Jean-Marc Mormeck vor seinem 41. Kampf © getty

Wladimir Klitschko verteidigt drei seiner WM-Gürtel gegen "Marksman" Jean-Marc Mormeck. SPORT1 stellt beide im Head-to-Head vor.

Von Christoph Lother

München - Zwei Wochen nach der erfolgreichen Titelverteidigung seines Bruders Vitali gegen den Briten Dereck Chisora steigt am Samstag auch Wladimir Klitschko wieder in den Boxring.

Der 35-jährige Ukrainer verteidigt in der Düsseldorfer Esprit-Arena seine Gürtel der Verbände WBA, WBO und IBF gegen den Franzosen Jean-Marc Mormeck.

Eigentlich hätte der WM-Fight schon im Dezember vergangenen Jahres ausgetragen werden sollen, damals hatte der jüngere der beiden Klitschko-Brüder aber aufgrund einer Nierenkolik absagen müssen.

Klitschko will Jubiläums-K.o.

Klitschko, der mittlerweile seit fast acht Jahren ungeschlagen ist, bestreitet gegen Mormeck seinen 60. Profi-Kampf und strebt dabei bereits seinen 50. K.o.-Sieg an.

"Ich werde versuchen, mein Glaskinn zu schützen. Am besten, indem ich ihn ausknocke", lautete die leicht ironische Reaktion des "Dr. Steelhammer" auf die Drohung seines Herausforderers, der angekündigt hatte, Klitschko das "Gesicht zerschmettern" zu wollen.

Ein "tadelloser Sportsmann"

Es war eine eher untypische Aussage des 39-jährigen Mormeck, der in der Boxszene keineswegs als Sprücheklopfer bekannt ist.

"Ich habe Jean-Marc als einen tadellosen Sportsmann kennengelernt. Er klopft keine großen Sprüche, sondern konzentriert sich auf seine Aufgabe", betont auch Klitschko.

Angesichts der jüngsten Vorfälle rund um den Kampf seines Bruders Vitali gegen "Skandalnudel" Chisora fügt der Ukrainer aber auch an: "Chisora war am Anfang auch ganz nett. Ich denke nicht, dass Jean-Marc hier irgendeine Show abziehen wird. Aber ich habe durch die Sache in München gelernt, immer wachsam zu bleiben."

Zahlen sprechen für Klitschko

Die bisherige Bilanz der beiden Kontrahenten spricht klar für Klitschko.

Der amtierende Champion kassierte in seiner Profi-Laufbahn zwar bereits drei Niederlagen und damit nur eine weniger als Widersacher Mormeck.

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An Klitschkos beeindruckende K.o.-Quote von 83 Prozent kommt der auf Gouadeloupe geborene Herausforderer mit 22 vorzeitigen Siegen in seinen insgesamt 40 Kämpfen aber bei weitem nicht heran.

Mormeck körperlich im Nachteil

Die physischen Vorteile des Titelverteidigers liegen ohnehin auf der Hand.

Mit 1,98 Meter ist Klitschko ganze 17 Zentimeter größer als "The Marksman" und verfügt dementsprechend auch über eine deutlich größere Reichweite.

"Ich bin nicht der Größte, der Beste, aber ich bin unglaublich ehrgeizig und verdammt zäh", zeigt sich Mormeck zurückhaltend.

Drei Kämpfe in der "Königsklasse"

Auch in puncto Erfahrung dürfte Klitschko vorne liegen.

Der Ukrainer ist zwar vier Jahre jünger als sein Kontrahent und gab auch erst im November 1996, eineinhalb Jahre später als dieser sein Profi-Debüt.

Der ehemalige Cruisergewichts-Weltmeister Mormeck boxt allerdings erst seit seinem Comeback im Dezember 2009 im Schwergewicht und bestritt seitdem nur drei Kämpfe in der "Königsklasse".

Startschwierigkeiten beim Franzosen

Zumal die Karriere des Franzosen recht holprig begann.

Zwei seiner ersten fünf Kämpfe gingen verloren, erst sieben Jahre nach seinem ersten Profi-Fight kürte sich Mormeck mit einem Sieg über den einstigen Maske-Gegner Virgil Hill zum WBA-Weltmeister.

Nach einer bitteren K.o.-Niederlage gegen den Hassgegner der Klitschkos, den Briten David Haye, im November 2007 beendete Mormeck sogar zwischenzeitlich seine Karriere, etwas mehr als zwei Jahre später kehrte er als Schwergewichtler aber zurück.

Klitschko-Krise ist Vergangenheit

Auch Klitschko blieb während seiner mittlerweile mehr als 15-jährigen Profi-Laufbahn nicht gänzlich von Rückschlägen verschont.

Im März 2003 unterlag er völlig überraschend dem Südafrikaner Corrie Sanders, nur 13 Monate später musste er sich auch noch Lamon Brewster durch technischen K.o. in der fünften Runde geschlagen geben.

Inzwischen zeigt die Formkurve von "Dr. Steelhammer" aber wieder steil nach oben. Zuletzt feierte Klitschko gleich 14 Siege in Folge, den bedeutendsten davon im Juli vergangenen Jahres gegen Mormeck-Bezwinger Haye.

Titelverteidiger vom Sieg überzeugt

Dabei musste der 35-Jährige die letzten vier Kämpfe mindestens über zehn Runden gehen, einen frühen K.o. feierte er zuletzt vor ziemlich genau fünf Jahren gegen Ray Austin.

Einen vorzeitigen Erfolg über Mormeck wollte Klitschko daher nicht versprechen.

Daran, dass er den Ring auch Samstag als Sieger verlassen wird, ließ der Ukrainer aber keinen Zweifel: "Jean-Marc, ich freue mich, dass du mich herausforderst. Aber meine Titel bekommst du nicht."

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