Im Supercup verlor das Team von Frank Menz (r.) alle Spiele © imago

Das DBB-Team kassiert in der EM-Vorbereitung Niederlagen in Serie. Der Bundestrainer meint, das sei gut für die Entwicklung.

Ulm - Es nieselte in Ulm, als die Spieler am Hinterausgang der Arena von ihren Familien in Empfang genommen wurden.

Die Stimmung war genauso trübe wie das Wetter, doch zumindest die Aussicht auf zwei freie Tage hellte die Mienen der deutschen Basketballer wieder etwas auf.

Drei Spiele, drei Niederlagen lautet die ernüchternde Bilanz des Supercups.

Von Enttäuschung war zehn Tage vor dem Auftakt der EM in Slowenien (4. bis 22. September) bei Frank Menz aber keine Spur. Ganz im Gegenteil.

"Einen Schritt weiter"

Der Bundestrainer war mit den Leistungen seiner Mannschaft gegen Bosnien und Herzegowina (62:73) (Bericht) , Mazedonien (67: 81) (Bericht) sowie Griechenland (62:78) (Bericht) absolut einverstanden.

"Es waren drei starke Gegner. Ich glaube, wir sind wieder einen Schritt weiter", sagte Menz:

"Die Mannschaft kann viel daraus lernen und hat mehr Selbstbewusstsein bekommen."

DBB-Boss bittet um Geduld

Auch der Verband stellte sich hinter die Mannschaft und bat um Geduld.

"Es hat Spaß gemacht, zu erleben, wie die Mannschaft kämpft und sich nicht aufgibt. Unser junges Team hat viel gelernt gegen diese starken Gegner. Ich blicke positiv in Richtung EM", sagte DBB-Präsident Ingo Weiss:

"Wir befinden uns im Aufbau. Für mich ist die Europameisterschaft 2015 in der Ukraine wichtig. Da will ich sehen, was die Mannschaft kann."

Reihenweise Nackenschläge

Angesichts der klaren Ergebnisse ist nur schwer nachvollziehbar, warum die Spieler, wie von Menz beschrieben, jetzt mit breiter Brust auftreten sollten.

Reihenweise hat es zuletzt in der Vorbereitung Nackenschläge gesetzt, wenn auch ausnahmslos gegen viel stärker besetzte Teams.

"Das ist nicht unser Niveau", betonte Menz in Ulm. So wie er es schon bei den Spielen gegen Spanien und Frankreich getan hatte.

Menz will Mannschaft aufbauen

Menz hält die Hand über seine Spieler, spart mit öffentlicher Kritik, betont lieber die Stärken ("Die Rebounds haben wir gewonnen, das ist super") und spricht kaum über Schwächen.

Der neue Bundestrainer sieht sich als Entwicklungshelfer, der 49-Jährige will eine Mannschaft aufbauen, die in einigen Jahren mit der euopäischen Spitze mithalten kann.

Im Moment ist das schlicht und einfach nicht möglich.

Genau 25 Jahre im Schnitt sind die 13 Spieler alt, auf die Menz nach den ersten Personalentscheidungen setzt.

Nowitzki und Kaman fehlen

Vor der Abreise nach Ljubljana wird noch ein Streichkandidat gesucht.

Viele stehen vor ihrer ersten EuroBasket, wirken auch deshalb oftmals auf dem Feld noch wenig selbstsicher und lassen sich vom Gegner beeindrucken.

Für Menz ist das keine Überraschung.

"Die Mannschaft ist nervös, weil sie niemanden hat, der sie trägt. Dirk Nowitzki ist nicht da, Chris Kaman ist nicht da", sagt der frühere Bundesliga-Profi und erklärt damit die vielen Fehler.

Auch die Ballverluste: "Turnovers werden durch Erfahrung reduziert."

Ohne NBA-Spieler

Ohne einen einzigen der mittlerweile fünf deutschen NBA-Spieler muss Menz in diesem Sommer auskommen.

Eine enorme Schwächung, dies hat auch das Turnier am Wochenende wieder gezeigt. "Wir haben keine Stars", sagt Menz knapp.

Beschweren will er sich nicht, der Trainer lässt aber auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass Dennis Schröder (Atlanta Hawks) und Elias Harris (Los Angeles Lakers) eine große Hilfe gewesen wären.

"Wir brauchen Leute mit Athletik", sagt der Bundestrainer. Es fehlten Spieler, die "jederzeit im Eins-gegen-Eins etwas kreieren können".

So wie Bo McCalebb (Mazedonien), Mirza Teletovic (Bosnien) oder Vassilis Spanoulis (Griechenland). Menz schwärmt von diesen Spielern, wird aber nicht neidisch.

"Programm ist perfekt"

Der neue Mann an der Seitenlinie hat eine schwere Mission. Er steckt im Neuaufbau, deshalb hält er es auch rückblickend für richtig, dass gegen so viele "Große" getestet wurde.

"Das Programm ist doch perfekt", sagt Menz. Genauso sieht es Spanien-Legionär Tibor Pleiß: "Jeder wächst bei solchen Spielen."

Es wäre dennoch wichtig, am Freitag (19.30 Uhr) bei der Generalprobe in Bamberg gegen Schweden noch einmal ein Erfolgserlebnis zu feiern. Denn die (meist klar) verlorenen Kraftproben mit den Spitzenteams hinterlassen bei unerfahrenen Spielern ganz sicher Spuren.

Bis Mittwoch ist Zeit, einmal völlig abzuschalten. Erst dann, genau eine Woche vor dem Auftakt gegen Frankreich, kommt die Mannschaft wieder zusammen.

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