Marc Gasol (r., gegen Schaffartzik) spielt in der NBA für die Memphis Grizzlies © getty

Der Europameister erteilt der DBB-Auswahl eine Lehrstunde. Bundestrainer Menz will die Klatsche nicht überbewerten.

La Coruna - Der Blick auf den Spielberichtsbogen konnte Frank Menz ganz und gar nicht gefallen.

Doch der Basketball-Bundestrainer ließ sich nach der Lehrstunde beim Europameister von den nackten Zahlen nicht aus der Ruhe bringen.

"Spanien ist sicher zum jetzigen Zeitpunkt nicht der Gegner, mit dem wir uns messen müssen", stellte Menz klar, als die 40 Minuten in La Coruna vorbei waren.

Für die "Großen" reicht es nicht

Mit 54:85 (20:38) kam die junge deutsche Mannschaft rund zweieinhalb Wochen vor dem EM-Auftakt in der ehemaligen Stierkampfarena unter die Räder. Und es wurde wie schon zuvor deutlich, dass es für die "Großen" einfach nicht reicht.

Es spricht derzeit wenig dafür, dass dies bei der Endrunde in Slowenien (4. bis 22. September) anders sein wird.

"Wir werden unseren Weg konsequent weiter gehen", sagte Menz trotzig: "Wir lassen uns nicht beirren, auch nicht durch die sehr deutliche Niederlage."

Das Selbstbewusstein der Mannschaft dürfte das ungleiche Duell allerdings nicht gerade gefördert haben.

DDB-Team tut sich schwer

Schon am vergangenen Wochenende hatte es für die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) ein empfindliches 52:80 gegen Griechenland gesetzt, davor zwei Niederlagen gegen EM-Auftaktgegner Frankreich (84:89 und 66:74).

Zumindest in den Vergleichen mit dem Nachbarn verkaufte sich das Menz-Team mehr als ordentlich, in Spanien konnte davon keine Rede sein.

Menz hatte schon unter der Woche erwartet, dass es bei dem Länderspiel "aus vollem Training heraus" Probleme geben könnte.

Und die deutsche Mannschaft tat sich von Beginn an gegen den Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele in London 2012 äußerst schwer.

Erst der zweite Test für Spanien

Vor 8500 Zuschauern im altehrwürdigen Coliseum von La Coruna wurde schnell klar, dass Spanien für die deutsche Equipe auch ohne zahlreiche Stars wie Pau Gasol oder Serge Ibaka eine Nummer zu groß war.

Vor allem im Angriffsspiel lief wenig zusammen, der Rückstand stieg stetig an. Kurz nach Beginn der zweiten Hälfte lag das DBB-Team mit 20 Punkten hinten (20:40/21.), schnell wurden es 30 (25:55/34.).

Die Gäste hatten schon ab dem zweiten Viertel nicht mehr mit dem Favoriten mithalten können. Besonders Spanien-Legionär Tibor Pleiß konnte sich unter dem Korb gegen den wuchtigen Marc Gasol nie in Szene setzen. Der Center von Laboral Kuxta Vitoria war schnell mit drei Fouls belastet und kam am Ende auf mickrige zwei Zähler.

Dabei sind die Spanier alles andere als eingespielt. Nach einem schwer erkämpften 70:66 gegen die vom früheren Bundestrainer Dirk Bauermann betreuten Polen am Dienstag war es erst der zweite Test für den Titelkandidaten.

Positive Nachricht: Benzings kehrt zurück

Wesentlich häufiger war die DBB-Auswahl bereits unter Wettkampfbedingungen gefordert.

Im neunten Spiel seit dem Trainingsbeginn war wie beim Sieg am vergangenen Sonntag gegen Kroatien (73:63) Kapitän Heiko Schaffartzik mit 14 Punkten bester Werfer.

Robin Benzing, der seinen Trainingsrückstand nach einer Verletzung aufgeholt hat und erstmals in diesem Sommer zum Einsatz kam, holte fünf Zähler.

Die Rückkehr des Schlüsselspielers war am Samstagabend sicherlich die beste Nachricht für Menz.

Schlag auf Schlag

Die nächste Gelegenheit, einen Schritt nach vorn zu machen, kommt schnell.

Nach der Rückkehr aus Spanien geht es am kommenden Wochenende mit dem Supercup in Ulm weiter. Dort heißen die Gegner Bosnien und Herzegowina, Mazedonien sowie Griechenland.

Ein richtig "Großer" ist also auch dort wieder dabei.

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