Svetislav Pesic holte 1995 als Trainer mit ALBA Berlin den Korac-Cup © getty

Bundestrainer Svetislav Pesic spricht bei SPORT1 spricht er über Parallelen zu Löw, die Hackordnung und die EM.

Von Michael Spandern

München - Svetislav Pesic hat seinen Status als Trainerlegende in Deutschland weiter untermauert.

Nachdem er bei der Europameisterschaft 1993 den bis heute einzigen Titel gewann, führte er das DBB-Team nun erstmals unbesiegt durch die Qualifikation zur EM 2013. (DATENCENTER: Die EM-Qualifikation)

Acht Spiele, acht Siege - und das ohne NBA All-Star Dirk Nowitzki: eine Verlängerung seines just ausgelaufenen Vertrages dürfte reine Formsache sein.

Wann und wie lange er sich bindet, lässt er im SPORT1-Interview noch offen. Dafür spricht der 63-Jährige über Hierarchien und Erwartungen, die Bedeutung dieses Sommers und die Dirk Nowitzkis.

SPORT1: Welchen Stellenwert hat es für Sie, dass Deutschlands Basketballer erstmals unbesiegt durch die Qualifikation gestürmt sind?

Svetislav Pesic: Ich freue mich für die Jungs, die ja auch beim Supercup in Bamberg ungeschlagen geblieben sind. Gerade vor den eigenen Fans ist das wichtig. Im nächsten Jahr sind Heimspiele ja wahrscheinlich noch seltener. Dieser Sommer war ein Statement. Die Jungs haben erkannt, was sie können und was sie leisten müssen, um erfolgreich zu sein. Nach dem letzten Spiel habe ich gesehen, dass sie körperlich nicht erschöpft sind und sehr motiviert zu ihren Vereinen zurückkehren, um sich dort mindestens auf dem gleichen Level zu präsentieren.

SPORT1: Sie haben in der Quali wie Joachim Löw mit einem sehr jungen Team Geschichte geschrieben. Erkennen Sie weitere Parallelen zum Fußball-Bundestrainer?

Pesic: Ich kenne seine Herangehensweise und seine Strategie hauptsächlich aus den Medien und kann deshalb nicht seriös Parallelen ziehen. Wir haben unseren Weg, der in der Qualifikation gut zu sehen war. Wie weit der führen kann, muss die Zukunft zeigen. Ich kann sagen, dass unsere Spieler wie die Fußballer viel Potenzial haben. Der größte Unterschied ist aber, dass der Pool an Talenten im Basketball längst nicht so groß ist.

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SPORT1: Bei den Fußballern keimte nach der EM die Debatte über Führungsspieler und vermeintlich flache Hierarchien auf. Sie haben in der Quali achtmal auf dieselbe Starting Five gesetzt. Heißt das, dass Sie ein Verfechter einer klaren Hackordnung sind?

Pesic: Es passiert bei mir nicht immer, dass die erste Fünf unverändert bleibt. Diesmal hat es sich einfach so ergeben. Eine Mannschaft hängt zwar von ihren Leistungsträgern und von den erfahrenen Spielern ab, aber auch von den jungen - im Basketball genau wie im Fußball. Natürlich muss es einen Chef auf dem Spielfeld geben, der eine Linie vorgibt, die alle befolgen müssen. Dafür haben wir zwei Kapitäne (Heiko Schaffartzik und Jan Jagla, d. Red.). Und vor allem Schaffartzik hat dank seiner Position als Spielmacher eine sehr wichtige Rolle im Training und im Spiel. Dazu haben sich mit Robin Benzing und Tibor Pleiß zwei offensiv sehr talentierte Spieler durchgesetzt. Aber auch andere, die in der letzten Saison leider wenig Spielzeit hatten, haben sich gut präsentiert und können sich hoffentlich in den Vereinen weiter steigern, um im Nationalteam auch zu Leistungsträgern zu werden.

SPORT1: Löw beklagte zuletzt, dass die Erwartungshaltung übermäßig hoch gewesen sei. Unter welchem Erwartungsdruck stehen Sie im Hinblick auf 2013 - zumal selbst Ihre Spieler Sie als Trainer-Legende bezeichnen?

Pesic: Darüber denke ich überhaupt nicht nach. Wir sollten Ruhe bewahren. Die Verantwortlichen im DBB haben jede Reise mitgemacht und sich jedes Training angeschaut. Sie haben gesehen, mit welcher Einstellung, Konzentration und Begeisterung die Spieler bei der Sache waren. Nun können sie darüber nachdenken, welche Ziele es für die Zukunft geben kann.

SPORT1: Ihr Vertrag ist mit Ende der Qualifikation ausgelaufen. Wann diskutieren und entscheiden Sie, ob Sie ihn verlängern?

Pesic: Bis jetzt haben wir darüber noch nicht gesprochen. Ich habe dem DBB-Präsidenten Ingo Weiss nur gesagt, dass ich erst mal in den Urlaub fahre. Dann kommt die Zeit, mir anzuhören, wie er und der Vizepräsident für Leistungssport (Wolfgang Hilgert, d. Red.) die Situation sehen.

SPORT1: Aber für diesen Sommer muss es doch bereits jede Menge positives Feedback gegeben haben ?

Pesic: Auf jeden Fall. Aber im Spitzensport zählt die Vergangenheit nicht. Wir haben die Basis gelegt, aber nun müssen neue Ziele gesetzt und vor allem Wege aufgezeigt werden, um sie zu erreichen.

SPORT1: Hat dieser Sommer dazu geführt, dass Sie noch größere Lust haben, über 2013 hinaus Bundestrainer zu bleiben?

Pesic: Ich habe wirklich viel Spaß gehabt und mit allen sehr gut kommuniziert. Und es ist nicht einfach, jeden Tag mit mir zu arbeiten, denn ich verlange sehr viel - zunächst einmal von mir selbst, aber auch von anderen. Ich glaube, dass das nötig ist. Unsere Fans erwarten von uns Resultate. Wenn die stimmen, haben wir am Ende Spaß. Spaß kann nicht der Anfang sein.

SPORT1: Heißt das, dass Sie sich erst mal nicht länger als bis 2013 binden und alles Weitere vom Abschneiden bei der EM abhängig machen?

Pesic: Ehrlich gesagt will ich jetzt erst mal in den Urlaub. Danach setzen wir uns zusammen und besprechen alles.

SPORT1: Auch mit Dirk Nowitzki, auf dessen Mitwirken bei der EM 2013 Sie ja weiterhin hoffen, wollen Sie demnächst sprechen. Was werden Sie ihn über den nun abgelaufenen Sommer berichten?

Pesic: Das weiß ich noch nicht genau. Ich werde ihn treffen - wann und wo steht noch nicht fest. Wir werden auch über die Nationalmannschaft sprechen und darüber, wie seine sportlichen und privaten Pläne sind. Dirk ist und bleibt eine ganz wichtige Person im deutschen Basketball, ob er nun spielt oder eine andere Funktion einnimmt.

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