Jan-Hendrik Jagla (r., mit Tibor Pleiß) spielt seit 2003 im deutschen Nationalteam © imago

Jan Jagla spricht bei SPORT1 über den Schub durch den neuen Bundestrainer, die Planstelle Nowitzki und den Umbau der Bayern.

Von Christoph Lother und Annette Bachert

München - Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2013 ist geschafft - und das mehr als souverän mit sechs Siegen in sechs Partien (DATENCENTER: Die EM-Qualifikation).

Als Mannschaft überzeugte die deutsche Auswahl in jedem einzelnen Spiel. Doch ein Akteur spielte sich besonders in den Vordergrund: Jan Hendrik-Jagla.

Der Forward avancierte im Team von Bundestrainer Svetislav Pesic mehrfach zum Topscorer und nahm als Ältester im Kader die Rolle als Führungsspieler bestens ein.

Vor der letzten Partie am Dienstag (19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) gegen Aserbaidschan spricht der 31-Jährige im SPORT1-Interview über die Bedeutung der EM-Quali, den FC Bayern und schwärmt von Lucca Staiger, Tibor Pleiß und NBA-Star Dirk Nowitzki.

Außerdem erklärt er, wie Neu-Coach Pesic jeden Einzelnen zu einem besseren Spieler gemacht hat.

SPORT1: Zunächst Mal Gratulation zur geglückten EM-Qualifikation. Wie wichtig war es für das deutsche Team, sich derart souverän zu qualifizieren?

Jan Jagla: Für unsere neue Mannschaft und den neuen Trainer war das schon sehr wichtig, auch im Hinblick auf die kommenden Jahre. Wir wollten uns von Anfang an keine Blöße geben und haben ein Ausrufezeichen gesetzt.

SPORT1: Wie groß ist der Anteil des neuen Bundestrainers Svetislav Pesic an diesem Erfolg?

Jagla: Der Trainer hat immer einen sehr großen Anteil. Wir haben vom ersten Tag an sehr hart und intensiv gearbeitet. Wir haben versucht, schnell zu spielen und Druck auf den Gegner auszuüben. Gerade für die jüngeren Spieler im Team, die noch nicht so viel Erfahrung haben, ist es extrem wichtig, dass man von sich aus Druck aufbaut und nicht selbst in die Bredouille gerät. Diese Philosophie haben wir von Anfang an umgesetzt.

SPORT1: Pesic sagte, er wolle jedes Spiel gewinnen und zudem jeden Spieler besser machen. Ist ihm das gelungen?

Jagla: Ich denke schon. Gerade wenn man sieht, wie beispielsweise ein Lucca Staiger gespielt hat, kann man schon sagen, dass sich die Jungs verbessert und Selbstvertrauen getankt haben.

SPORT1: Mit Lucca Staiger haben Sie einen der Aufsteiger dieser Qualifikation bereits angesprochen. Aber auch Sie persönlich oder der Berliner Heiko Schaffartzik überzeugten mit einer ganz anderen Körpersprache als zuletzt. Was hat Pesic mit Ihnen gemacht, und was macht er anders als sein Vorgänger Dirk Bauermann?

Jagla: Solche Vergleiche zwischen Trainern sind immer schwierig. Aber ich denke, Pesic hat es geschafft, jedem Spieler neues Selbstvertrauen zu geben. Gerade den Spielern, die in ihren Vereinen vielleicht nicht so viel Spielzeit hatten, hat er das Gefühl gegeben, dass sie gebraucht werden. Solange sie hart arbeiten, bekommen die Defensivspezialisten ihre Chancen, auch wenn sie mal einen Fehler machen. Das hat vielen geholfen, ihre Leistungsfähigkeit konsequent abzurufen.

SPORT1: Gerade Ihr Zusammenspiel mit Tibor Pleiß unter dem Korb hat während der Qualifikation gut funktioniert. Ist das eine neue Stärke des deutschen Teams?

Jagla: Tibor hat sich in den letzten Jahren jedenfalls sehr gut entwickelt. Er hat in Bamberg eine gute Rolle gespielt und wird nun in Spanien zu einem internationalen Spieler reifen. Das macht es für denjenigen, der mit ihm zusammenspielt, natürlich einfacher. Aber insgesamt haben viele Spieler eine sehr gute Leistung abgeliefert. Auch die Jüngeren haben sich angeboten, ein Per Günther oder ein Heiko Schaffartzik beispielsweise. Eigentlich kann man über jeden Spieler in diesem Sommer viel Positives sagen.

SPORT1: Man hat gesehen, dass es auch ohne Dirk Nowitzki geht. Ist er derzeit trotzdem ein Thema für die EM?

Jagla: Dirk Nowitzki ist immer ein Thema. Er ist immer noch der beste Spieler, der jemals in Deutschland geboren wurde, und wenn er es möchte, gehört er auch hier her. Generell steht die Nationalmannschaft immer für ihn offen. Er ist für jedes Team eine Bereicherung, besonders für junge Spieler, die noch kein Turnier auf diesem Niveau gespielt haben.

SPORT1: Pesic gewann 1993 mit Deutschland den bislang einzigen EM-Titel. Können Sie das im Sommer auch schaffen?

Jagla: Mit solchen Prognosen muss man immer sehr vorsichtig umgehen. Wir sind noch dabei uns zu finden und die Zeit mit der Nationalmannschaft ist doch immer recht kurz. Wenn wir als Mannschaft weiter wachsen und die Spieler sich auch in ihren Vereinen weiter verbessern, haben wir bestimmt eine Chance, vorne mitzuspielen. Natürlich sollte es der Anspruch jeder teilnehmenden Mannschaft sein, sich über die EM für die WM zu qualifizieren. Von einem EM-Titel in so naher Zukunft sollten wir aber nicht reden.

SPORT1: Glauben Sie, Sie können Ihren Schwung aus der Nationalmannschaft auch mit zum FC Bayern nehmen?

Jagla: Natürlich hoffe ich nach so einem Sommer mit der Nationalmannschaft, dass ich meine Stärken auch beim FC Bayern ins Team einbringen kann. Inwieweit das dann passieren wird, kann ich jetzt aber noch nicht sagen. Ich habe unsere Jungs zwar alle schon kennengelernt, aber noch nicht ein Mal mit ihnen trainiert. Und die genauen Pläne des Trainers kenne ich auch noch nicht. Aber natürlich hoffe ich, größere Spielanteile zu bekommen.

SPORT1: Was halten Sie generell von dem Weg, den die Bayern eingeschlagen haben? Es wurden einige Akteure aus den USA geholt, dafür Deutsche abgegeben. Ist dieser Weg der richtige?

Jagla: Der richtige Weg ist immer der, der am Ende zum Erfolg führt. Wir haben auf jeden Fall einen sehr starken Kader. Einige deutsche Spieler haben jetzt die Möglichkeit, sich in anderen Teams weiterzuentwickeln und ich hoffe, dass sie gestärkt zu uns zurückkehren. Außerdem sind mit Steffen Hamann, Robin Benzing, Demond Greene oder mir ja auch noch Deutsche da, die auf diesem Niveau spielen können. Ob es dann der richtige Weg war, wird man sehen.

SPORT1: Sie kennen Marko Pesic vom FC Bayern und seinen Vater nun als Bundestrainer. Inwieweit ähneln sich die beiden?

Jagla: Beide sind sehr starke Persönlichkeiten, die ihren Weg gehen, akribisch arbeiten und ihren Teams ihren Stempel aufdrücken.

Weiterlesen