Die deutsche Mannschaft gewann zuletzt bei der Heim-EM 1993 den Titel © imago

Nach der geschafften EM-Qualifikation will Pesic das Nationalteam weiter verbessern - auch um Dirkules zum Turnier zu bewegen.

Trier - Kaum wurde Svetislav Pesic mal nicht nach Superstar Dirk Nowitzki gefragt, da brachte der Bundestrainer das Thema selbst auf den Tisch.

"Ich weiß nicht, ob Nowitzki bei der EM spielt", sagte Pesic in Trier.

Schon kurz nachdem seine junge Mannschaft das Ticket für die Endrunde gelöst hatte, ließ der Serbe keinen Zweifel daran aufkommen, dass er den besten deutschen Basketballer im nächsten Jahr nach Slowenien mitnehmen will.

Auch ohne den NBA-Profi von den Dallas Mavericks hat sich die von Rückkehrer Pesic neuformierte Mannschaft in der EM-Qualifikation ausgezeichnet geschlagen. Mit sechs Siegen aus sechs Spielen wurde das Ziel vorzeitig als Gruppensieger erreicht. Mehr geht nicht (DATENCENTER: Die EM-Qualifikation).

Mitten in der Entwicklung

Doch die makellose Bilanz ändert nichts daran, dass das Team mitten in der Entwicklung steckt. Reif für eine Europameisterschaft sind die deutschen Korbjäger zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

"Wir sind noch keine eingespielte Mannschaft", sagte Pesic und weist dabei auf die wenige Zeit hin, die ihm für die Arbeit mit den Spielern bleibt. "Man kann in acht Wochen keine Mannschaft aufbauen", erklärte der 63-Jährige.

Trotz der schwierigen Umstände im Basketball, wo die Nationalmannschaften nur im Sommer für ein paar Monate zusammenkommen und sich dann wieder in alle Himmelsrichtungen verteilen, wurde die EM-Teilnahme auf schnellstem Wege klar gemacht.

Keine zu hohen Erwartungen

Wohl gerade deshalb, weil Pesic nicht verlangt, dass im Reifeprozess von Spiel zu Spiel die nächste Stufe gezündet wird.

"Die wichtigste Sache im Leben ist Geduld", stellt Pesic klar und legt dann einen seiner Lieblingssätze nach: "Man kann den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen."

Langsam will der 63-Jährige sein neues Team aufbauen und nicht zu viel erwarten.

Ein Jahr Zeit

Überraschend hatte Pesic die Nationalmannschaft zum Ende seiner ersten Amtszeit 1993 zum EM-Titel geführt, bei der nächsten Auflage in Slowenien (4. bis 22. September 2013) wird dieses Kunststück mit ziemlicher Sicherheit nicht gelingen.

Die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) hat die Qualifikationsrunde unerwartet souverän gemeistert, echte Spitzenteams dabei aber nicht aus dem Weg geräumt.

Gegen Mannschaften wie Spanien, Frankreich oder Serbien, gegen die es bei der vergangenen Endrunde in Litauen mit Nowitzki und dem zweiten NBA-Profi Chris Kaman Niederlagen gab, reicht der derzeitige Leistungsstand nicht aus.

Das dürfte auch Pesic klar sein. Es bleibt ziemlich genau ein Jahr, um die junge Mannschaft so weit zu bringen, dass sie mithalten kann.

Quali-Spiele für den Feinschliff

Schwer hatte sich die Mannschaft am Mittwoch beim entscheidenden Sieg gegen Bulgarien (Bericht) in der Arena Trier getan, und wegen ihrer vielen Fehler nur mit größter Anstrengung gewonnen.

"Wir haben viel investiert, um unsere Defizite ausgleichen zu können", weiß Pesic.

Dem Serben bleiben aber nur noch die ausstehenden Qualifikationspiele am Samstag (17 Uhr) in Norrköping gegen Gastgeber Schweden und am Dienstag (19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) in Oldenburg gegen Aserbaidschan, um mit den Spielern zu arbeiten.

Hoffen auf Dirkules

Danach wechselt der Erfolgscoach in die Beobachterrolle. Doch Pesic ist fest davon überzeugt, dass er seinen Schützlingen etwas mitgibt: "Die Spieler gehen mit einem sehr guten Gefühl zu ihren Vereinen. Sie haben gesehen, dass sie durch die Nationalmannschaft besser werden können."

Im nächsten Sommer treffen sich alle wieder. Ob Nowitzki dann auch dabei ist, weiß niemand. Wahrscheinlich nicht einmal er selbst.

Pesic ist vorsichtig optimistisch. "Nowitzki ist keine 25 mehr. Aber Nowitzki ist Nowitzki. Er will immer gewinnen", sagte Pesic. Und genau das soll den Superstar zum Nationalteam locken: "Wenn er sieht, dass er etwas gewinnen kann, will er spielen."

Weiterlesen