Bostjan Nachbar (l.) kommt in dieser Euroleague-Saison auf 7,8 Punkte pro Spiel © getty

Vor dem Euroleague-Halbfinale gegen Real Madrid verrät Barcelonas Bostjan Nachbar bei SPORT1, was ihn am Kracher reizt.

Von Carsten Arndt

München - Sechs Jahre NBA, dazu sechs hochkarätige Stationen in Europa.

Bostjan Nachbar blickt mit 33 Jahren auf eine bewegte Karriere zurück und könnte nun mit dem FC Barcelona die bedeutendste Trophäe im europäischen Vereinsbasketball erringen.

Der vielseitige Slowene trifft mit Barca im Halbfinale der Turkish Airlines Euroleague in Mailand auf den ewigen Liga-Rivalen Real Madrid und ist fest entschlossen, den Finaleinzug klar zu machen (ab 17.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ u. im LIVESTREAM u. Highlights So., ab 23.10 Uhr im TV auf SPORT1).

Bereits 2002 stand Nachbar mit Benetton Treviso im Final Four, doch gegen den späteren Sieger Bologna war bereits im Semifinale des Top-Four-Turniers Schluss.

Im SPORT1-Interview spricht der Small Forward, der im Vorjahr mit Bamberg in der Beko BBL Deutscher Meister wurde, über die Bedeutung des Duells gegen Real und seine Rolle im Starensemble des FC Barcelona. Die Ex-Kollegen aus Bamberg schreibt er im Titelkampf der BBL noch nicht ab.

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SPORT1: Herr Nachbar, das Halbfinale der Turkish Airlines Euroleague steht vor der Tür. Sie standen 2002 mit Benetton Treviso schon einmal unter den letzten Vier, jetzt geht es gegen Real Madrid. Wie groß ist die Anspannung?

Bostjan Nachbar: Es wird sicherlich ein sehr schweres Spiel, aber ich glaube, wir sind bereit. Das Halbfinale in der Euroleague ist an sich schon besonders und dann kommt noch die Rivalität der beiden Klubs hinzu. Beide Teams sind "alte Freunde" (lacht). (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Ist diese Rivalität zwischen den Klubs denn mit der im Fußball vergleichbar?

Nachbar: Ja, auf jeden Fall, das hängt alles zusammen. Egal um welche Sportart es sich handelt, diese Paarung ist für die Fans und die Spieler immer etwas ganz besonderes. Die ganze Welt schaut auf dieses Duell.

SPORT1: Für viele ist Real gegen Barcelona das vorweggenommene Endspiel der Euroleague. Würden Sie dem zustimmen?

Nachbar: Ich bin kein Fan, ich bin Basketball-Spieler. Diese Dinge sind nicht wichtig für mich, ich konzentriere mich nur aufs Spiel. Ich will am Freitag unbedingt gewinnen.

SPORT1: Sie haben vor kurzem das Finale der Copa del Rey (spanischer Pokal, Anm. d. Red.) mit nur einem Punkt Unterschied gegen Real verloren. Ist das noch zusätzliche Motivation?

Nachbar: Ich glaube die Aussicht auf das Euroleague-Finale ist Motivation genug. Was in der Copa del Rey oder irgendwelchen anderen Partien passiert ist, zählt nicht mehr. Das wird ein ganz spezielles Spiel. Wenn wir die Copa del Rey gewonnen hätten, hätten wir sie jetzt trotzdem erst einmal schlagen müssen.

SPORT1: Ihre Spielzeit ist in den Playoffs gesunken, gleichzeitig haben sie ihren Punkteschnitt aber verbessert. Sie drehen also genau im richtigen Moment der Saison auf, haben sie ein spezielles Geheimnis?

Nachbar: Ich fühle mich momentan einfach gut. Ich bin gesund und fühl mich in meiner Rolle im Team absolut wohl. Ich habe das Gefühl, dass das Team und der Coach mir auf dem Feld vertrauen.

SPORT1: Wie vorhin angesprochen, haben Sie ja bereits Final-Four-Erfahrung. Bei Treviso spielten sie 2002 unter Ex-Lakers-Coach Mike D'Antoni und an der Seite von Ex-NBA-Profi Jorge Garbajosa. Sie selbst waren damals erst 21 Jahre alt. Wie war es, in diesen jungen Jahren in so einem wichtigen Wettbewerb zu spielen?

Nachbar: Ich habe damals bei Benetton, das zu den absoluten Topteams ins Europa zählte, schon eine sehr wichtige Rolle gespielt. Es war eine ganz besondere Zeit für mich, da ich die Möglichkeit hatte, in jungen Jahren schon Erfahrungen bei einem ganz großen Klub zu sammeln. Besonders an das Halbfinale habe ich gute Erinnerungen (Nachbar erzielte 21 Zähler, Anm. d. Red.), auch wenn es am Ende leider nicht zum Sieg gereicht hat.

SPORT1: Durch den ganzen Glamour und die Berühmtheit des Fußball-Teams haben Sie auch immer wieder Stars wie Shakira als Zuschauer bei euren Spielen. Nehmen Sie das in irgendeiner Art und Weise wahr?

Nachbar: Ich freue mich, dass viele Leute zu unseren Spielen kommen, weil das zeigt, dass die Leute unsere Leistung anerkennen. Aber wenn ich auf dem Court stehe, blende ich das aus. Außerdem war es in der NBA völlig normal, dass Superstars neben der Spieler-Bank saßen.

SPORT1: Ihr Ex-Team Bamberg hat offenbar die Dominanz in der Beko BBL eingebüßt. Sie wurden nur Zweiter in der Regular Season hinter dem FC Bayern und haben auch in der ersten Playoff-Runde Probleme. Was läuft dort in diesem Jahr anders?

Nachbar: Stop, die Saison ist noch nicht vorbei. Ich würde noch nicht darüber sprechen, dass sie im Vergleich zum letzten Jahr irgendetwas schlechter gemacht haben. Fans und Journalisten sagen immer ganz schnell "sie sind nicht mehr gut genug". Aber man darf den amtierenden Champion einfach niemals abschreiben. Natürlich haben sie in diesem Jahr einen anderen Kader. Sie haben einige Spieler ausgetauscht und mussten erst die Chemie finden. Die Saison ist noch nicht vorbei und ich bin überzeugt davon, dass sie den Titel verteidigen können.

SPORT1: Das heißt, sie haben schon noch im Blick, was in Bamberg passiert?

Nachbar: Ja, auf jeden Fall. Ich habe auch noch guten Kontakt zu Casey Jacobsen. Die Fans und die Leute in der Stadt haben mich toll aufgenommen. Ich hatte ein ganz besonderes Jahr in Deutschland. Wir haben den Titel gewonnen, und ich habe einige Freunde im Team gefunden. Ich wünsche dem Team nur das Beste.

SPORT1: Slowenien wartet immer noch auf eine Medaille bei einem großen Turnier. Nun steht die WM in Spanien an. Sie selbst haben sich ja mittlerweile aus dem Nationalteam zurückgezogen, aber in diesem Jahr wird NBA-MIP Goran Dragic mit dabei sein. Klappt es dieses Mal mit einer Medaille?

Nachbar: Slowenien hat schon immer ein absolut konkurrenzfähiges Team. Leider waren wir aber nie gut genug, um eine Medaille zu holen. Aber dass wir trotz der geringen Größe unseres Landes immer konkurrenzfähig waren, zeigt, wie sehr das Land Basketball liebt. Ich werde das Team und die jungen Spieler die jetzt nachkommen natürlich unterstützen und ich hoffe, dass sie am Ende ein gutes Ergebnis mit nach Hause bringen.

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