Chevon Troutman (r.) spielt seit 2011 für den FC Bayern © getty

Trotz vorzeitigen Weiterkommens will Pesics Team das Duell mit Gala nicht zur Trainingspartie verkommen lassen.

Vom FC Bayern berichtet Eric Böhm

München - Von wegen Do-or-Die: Das vermeintliche Alles-oder-Nichts-Spiel des FC Bayern München gegen Galatasaray Istanbul (ab 19.50 Uhr im LIVESTREAM und LIVESCORES) fällt kurzfristig ins Wasser.

Zumindest was seine sportliche Brisanz angeht. Hintergrund: Dank Unicaja Malagas Überraschungscoup bei Montepaschi Siena (64:62) sind die München bereits vor dem letzten Gruppenspiel der Turkish Airlines Euroleague und ohne weiteres eigenes Zutun für die Hauptrunde qualifiziert.

Platz vier kann ihnen niemand mehr nehmen - egal, was passiert. (DATENCENTER: Ergebnise und Tabelle)

Doch schon vorher hatte der FCB große Lockerheit ausgestrahlt. Robin Benzing und John Bryant frotzelten beim Freiwurftraining, selbst "Feldwebel" Emir Mutapcic schmunzelte.

"Nur ein Schritt in der Entwicklung"

"Es gibt keinen Druck. Es ist ein wichtiges Spiel, das wir unbedingt gewinnen wollen. Es erzeugt Anspannung. Die ist wichtig, um auf diesen Level Erfolg zu haben", hatte Trainerfuchs Svetislav Pesic betont.

Denn: Der Einzug in die Top 16 gleich bei der Premiere auf europäischem Parkett ist für den Titelsammler ohnehin nur "ein Schritt in der Entwicklung des Teams und des gesamten Vereines".

Die Spieler haben Pesics Philosophie verinnerlicht. Entsprechend schenkten sie dem Spiel des Hauptkonkurrenten Montepaschi Siena gegen Malaga auch kaum Beachtung.

Schaffartzik verzichtet aufs Spionieren

"Wir trainieren, aber ich würde es mir eh nicht anschauen", hatte Aufbauspieler Heiko Schaffartzik schon tags zuvor bei SPORT1 gesagt.

Dass die Italiener verlieren würden, hatten sie wohl aber nicht auf der Rechnung. Dennoch will der Tabellenführer der Beko BBL demonstrieren, dass er zu Recht in der Hauptrunde steht.

Von einem lockeren Trainingsspiel gegen Galatasaray will eh niemand etwas wissen.

Big Point für das Selbstvertrauen

Nach fünf Euroleague-Pleiten in Folge wollen sie Galatasaray schlagen und zeigen, dass "wir nicht nur gut mitspielen können", wie Forward Chevy Troutman bei SPORT1 erklärt.

Ein solcher Big Point gegen ein Spitzenteam würde Selbstvertrauen für den Rest der Saison bringen. Abgesehen vom Heimspiel gegen Siena setzte es gegen die Hochkaräter in oftmals engen Spielen Niederlagen.

"Ich würde nicht sagen, dass wir es lernen müssen, solche Spiele zu gewinnen. Es war nie eine Sache, die den Ausschlag gegeben hat. Wir müssen es vielmehr schaffen, bis zum Schluss konzentriert durchzuziehen", meint Schaffartzik.

Rebound-Arbeit verbessern

Das Fehlen der letzten Coolness gegen Piräus oder in Malaga ist auch mit der geringen Erfahrung auf diesem Niveau erklärbar, aber längst nicht die einzige Baustelle der "Roten Riesen".

Um Kaliber wie Gala zu knacken, müssen auch elementare Dinge wie Rebound-Arbeit verbessert werden. Sowohl Malaga als auch zuletzt RASTA Vechta kamen scheinbar mühelos immer wieder zu zweiten Chancen.

"Der Coach hat das vor beiden Spielen klar angesprochen, wir haben es nicht umgesetzt. Daran müssen wir arbeiten und uns deutlich verbessern", sagt Schaffartzik.

"Es geht um Einstellung und Motivation"

Solche Fehler werden national zwar nur selten, aber europäisch dafür umso härter bestraft. Psychologe Pesic stellt sich zwar vor sein Team und verweist auf "die Qualität von Malaga und Vechta" am offensiven Brett, dürfte intern aber sehr allergisch reagiert haben.

In Spanien wurde so das vorzeitige Weiterkommen leichtfertig verspielt. Und wenn der "Magier" etwas hasst, dann ist das Leichtfertigkeit.

"Ein Spieler, der drei Autos zu Hause stehen hat, geht nicht zum Offensiv-Rebound. Da geht es um Einstellung und Motivation", erklärt Pesic unnachahmlich.

Bryant wieder fit

Vielleicht kehrt mit dem zuletzt grippegeschwächten John Bryant mehr Stabilität in die eigene Zone zurück, der schon in Malaga nur wenige Minuten durchhielt.

Auch das Fehlen des im Hinspiel überragenden Pops Mensah-Bonsu, der aufgrund der Schlägerei mit Piräus gesperrt fehlt, könnte Bayern helfen.

Für Pesic sind aber die Stars der Türken aber "nicht die Ausländer. Ihre besten Spieler sind Center Furkan Aldemir und Ender Arslan, er macht die entscheidenden Punkte."

Daraus kann geschlussfolgert werden, dass er Top-Verteidiger Nihad Djedovic eher auf Arslan denn auf den ehemaligen NBA-Spielmacher Carlos Arroyo ansetzen wird. (Interview: "Mehr Emotionen als in der NBA")

FCB-Fußballer als Vorbild

Von einem lustigen Betriebsausflug der als Gruppenzweite feststehenden Gäste geht beim FCB demnach niemand aus.

"Ich glaube nicht, dass es deshalb für uns leichter wird. Sie werden in unsere Halle kommen und auftreten, als wäre es ihre. Wir müssen ihnen das Gegenteil beweisen", fordert Troutman.

Der FC Bayern habe schließlich - auch aufgrund der Fußballer - die Verpflichtung, "härter zu arbeiten und zu trainieren, denn wir haben ganz andere Ziele", stellt Pesic klar.

Er will die Münchner zu einer europäischen Supermacht ausbauen. Ein Sieg über ein solches Schwergewicht wäre ein weiterer Schritt auf diesem Weg - Top 16 hin oder her.

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