Chris Fleming ist seit 2008 Headcoach der Brose Baskets © imago

Nach dem Aus gegen Kaunas staucht Coach Fleming sein Team zusammen - auch an der Fan-Basis rumort es. Harris ist außen vor.

Aus Bamberg berichtet Jan Bergholz

Bamberg - Eigentlich gilt Bamberg als ruhiges Städtchen, in dem Probleme zumeist intern geklärt werden. Öffentliche Verbal-Scharmützel überlässt man eher den Metropolen München oder Berlin.

Doch die Wagenburgmentalität der Brose Baskets bröckelt, wie das bittere Ausscheiden (80:84) aus der Turkish Airlines Euroleague gegen Zalgiris Kaunas (Bericht) beweist.

Nach drei Niederlagen in Folge, die in dem noch aus der Hand gegebenen Sieg gegen die Balten gipfelte, schrillen in Freak City die Alarmglocken.

Selbst an Chris Fleming, sonst eher der Typ nüchterner Analyst, zerrt die Erfolglos-Serie angesichst des wiederholten Ausscheidens aus dem Wettbewerb am Nervenkostüm.

Fleming faltet Spieler zusammen

Nach Spielende warf der Headcoach seinen Spielern mangelnde Disziplin vor und kritisierte das Defensivverhalten in der Schlussphase. (DATENCENTER: Ergebnise und Tabelle)

Zunächst langsam und deutlich, gegen Ende seiner Ansprache mit einer immer lauter werdenden Stimme und Faustschlägen auf den Tisch.

Zuvor hatte Fleming bereits in der Kabine gepoltert. "Er war nicht gut gelaunt, und das ist noch sehr untertrieben", gestand Maik Zirbes bei SPORT1.

Frust nach Desaster-Viertel

Gesprächsthema Nummer eins vor allem war das letzte Viertel, in dem sich die Franken um die Früchte ihrer Arbeit brachten.

Zwischenzeitlich hatten die Hausherren zweistellig geführt und glänzend auf Kurs gelegen, die Zwischenrunde als Gruppendritter zu erreichen. Mit einem 2:22-Negativlauf endete die Euroleague dann aber ganz bitter für die Bamberger.

"Wir hatten die Kontrolle über das Spiel, als wir in das vierte Viertel gegangen sind, aber sie waren einfach tougher als wir, und das ist sehr schwer zu akzeptieren", gab Casey Jacobsen bei SPORT1 zu.

Und schob unumwunden hinterher: "Es ist eine der enttäuschendsten Niederlagen meiner Karriere." D'Or Fischer ergänzte: "Wie wir das vierte Viertel gespielt haben, war grauenhaft."

Harris noch draußen

Auch Elias Harris ärgerte sich.

Der Ende der vergangenen Woche verpflichtete deutsche Nationalspieler Elias Harris, Anfang des Monats nach zwei NBA-Einsätzen bei den Los Angeles Lakers entlassen, saß zwar nur auf der Bank.

Der 24-Jährige meinte, die Mannschaft müsse "so schnell wie möglich wieder positive Energie bei uns im Training fließen lassen, und es dann auch in den kommenden Spielen wieder zeigen".

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Nur noch gegen Europas zweite Riege

Statt Olympiakos Piräus und FC Barcelona heißen die Gegner nun also Banco Sardegna Sassari und BCM Gravelines Dunkurque.

Bambergs Geschäftsführer Wolfgang Heyder bemühte sich nach dem Spiel, den Eurocup attraktiv zu reden, rief sofort das Erreichen der besten Vier im Eurocup als Ziel aus.

Doch mit einer Nervenschwäche wie gegen Kaunas oder Mailand dürfte sich auch dieses Unterfangen als zu ambitioniert entpuppen. Was bleibt ist Zweckoptimismus.

Überzeugt von der eigenen Stärke

"Wir kommen da auf jeden Fall wieder heraus. Wir sind ein gutes Basketball-Team", meinte mit ein bisschen Abstand dann auch Jacobsen bei SPORT1. "Viele andere Teams haben Probleme mit dem Verlieren, da sie nicht das Talent und das Können haben, aus solchen Krisen herauszukommen."

Und der Small Forward ergänzte: "Momentan fühlt es sich an, als würden wir nichts richtig machen können. Aber wenn ich mir unseren Kader anschaue, dann wird es wieder aufwärts gehen."

Rakim Sanders, gegen Kaunas noch einer der stärksten Bamberger, pflichtete bei: "Die Niederlagen hatten nichts mit den anderen Teams zu tun, sondern es war unsere Schuld. Wir haben uns selbst geschlagen."

Hauptsponsor in der Kritik

Da passte es irgendwie ins Bild, dass es offenbar auch in der Anhängerschaft gärt.

Der Fanklub "Faszination Basketball" entrollte ein Banner mit der Überschrift "Wir sind keine Werksmannschaft. Wir sind Bamberg!" - und positionierte sich damit deutlich gegen den vermeintlich zu großen Einfluss von Hauptsponsor Brose.

Weil es zuletzt in der Liga auch eine Pleite gegen Ulm setzte (59:72) und im Meisterschaftskampf der FC Bayern zu enteilen droht, ist ein Sieg gegen Phoenix Hagen (So., 17 Uhr LIVESCORES) deshalb Pflicht.

Auch, um Bamberg wieder mehr Beschaulichkeit einzuhauchen.

[kaltura id="0_nmh1agod" class="full_size" title="Bambergs Euroleague Aus"]

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