Seit 2013 spielt Carlos Arroyo (l.) für Galatasaray © imago

Istanbuls Star Arroyo spricht bei SPORT1 über heißblütige Fans, seinen härtesten Trainer und sein Aus bei den Heat.

Von Carsten Arndt

München - Am letzten Spieltag der Vorrunde der Turkish Airlines Euroleague geht es für die Basketballer des FC Bayern gegen Galatasaray um eine gute Ausgangslage für die Top 16 (Freitag, 19.50 Uhr im LIVESTREAM).

Weil Montepaschi Siena am Donnerstagabend sein Heimspiel gegen Unicaja Malaga mit 62:64 verloren hat, sind die Münchner eine Runde weiter.

Im Hinspiel zeigte der türkische Vertreter den Bayern mit einem 84:74-Sieg ihre Grenzen auf, vor allem der Puerto-Ricaner Carlos Arroyo überzeugte dabei mit 18 Punkten und sechs Assists (DATENCENTER: Ergebnise und Tabelle).

Vor dem erneuten Aufeinandertreffen sprach der Point Guard im exklusiven SPORT1-Interview über seine Ziele in der Euroleague, das Standing des europäischen Basketballs und sein Ende bei den Miami Heat.

SPORT1: Herr Arroyo, Sie haben für sieben NBA-Teams gespielt, sind nun bei ihrem vierten in Europa. Was ist der Hauptunterschied?

Carlos Arroyo: Vom Talent her herrscht in der NBA ein ganz anderes Niveau. Dafür wird in Europa mit einer höheren Intensität gespielt, körperbetonter.

SPORT1: Die Fans in Europa sind zumeist leidenschaftliche ? besonders in der Türkei und in Griechenland. Wie bewerten Sie das?

Arroyo: Dieses Feuer, das die Fans ins Spiel bringen, hilft dir ungemein. Es sind viel mehr Emotionen im Spiel als in der NBA.

SPORT1: Manchmal kochen die Emotionen auch über?

Arroyo: Solche Szenen wie beim Spiel gegen Piräus haben auch uns Spieler überrascht. Aber man muss verstehen, dass sie für ihr Team alles geben und für sie kämpfen, weil sie ihrem Verein gegenüber absolut loyal sind. Du musst einfach fokussiert bleiben, da du solche Dinge nicht kontrollieren kannst.

SPORT1: In der Euroleague prallen mit Bayern München und Galatasaray zwei Klubs aufeinander, die wegen ihrer Fußballer berühmt sind. War das vor dem Hinspiel in Istanbul zu spüren?

Arroyo: Bayern München ist ein großer Klub, wie unserer auch. Wenn die aufeinander treffen, ist das natürlich ein Thema, egal ob im Fußball oder im Basketball.

SPORT1: Das Hinspiel haben Pops Mensah-Bonsu und Sie fast im Alleingang entschieden. Was erwarten Sie am Freitag?

Arroyo: Ich glaube, uns erwartet eine ganz besonderer Atmosphäre und ein sehr schwieriges Spiel. Wir freuen uns auf ein großartiges Spiel. Wir müssen einen guten Tag erwischen und vor allem so wenig Fehler wie möglich machen.

SPORT1: Welche Ziele haben Sie mit Galatasaray in dieser Euroleague-Saison?

Arroyo: Den Titel zu gewinnen. Das sollte das Ziel von jedem sein. Ich spiele, um zu gewinnen, und meinen Teamkollegen geht es genauso.

SPORT1: Sie sind mittlerweile 34 Jahre alt. Mussten Sie ihre Spielweise mit den Jahren verändern?

Arroyo: Ja, natürlich. Wenn du viele Matches gespielt hast, hast du viel mehr Erfahrung, siehst manche Dinge anders und triffst andere Entscheidungen. Solange ich Basketball spiele, werde ich mich auch immer noch weiterentwickeln, auch weil ich dieses Spiel einfach liebe.

SPORT1: Sie haben für rund ein Dutzend Trainer gespielt. Bei wem ging es am härtesten zu?

Arroyo: Jerry Sloan, mein Trainer in Utah, war definitiv der härteste. Er war ein sehr anspruchsvoller Trainer und auch immer sehr direkt. Er forderte sehr viel von uns, da er seine Mannschaft jeden Tag besser machen wollte. Er hat sehr viel Wert auf Details und Disziplin gelegt. Wir hatten alle sehr großen Respekt vor ihm, er ist eine Legende.

SPORT1: 2002/03 haben sie an der Seite der Superstars John Stockton und Mark Jackson gespielt. Wie viel konnten Sie von denen lernen?

Arroyo: Das war eine großartige Erfahrung für mich. Mit ihnen zu trainieren, zu reisen und gemeinsam auf dem Platz zu stehen, war etwas ganz Besonderes. Sie haben mir geholfen, die Spielmacher-Position noch besser zu verstehen. Ich hatte wirklich Glück, jeden Tag von ihnen lernen zu können.

SPORT1: Während LeBron James erster Saison in Miami wurden Sie von den Heat nach Boston weggetauscht. Wie tief saß der Frust, von einem Titelanwärter fortgeschickt zu werden?

Arroyo: Ich war nicht frustriert. Es ist ein Teil des Geschäfts. Du brauchst eine professionelle Einstellung und musst einfach weitermachen.

SPORT: Mit Boston sind Sie anschließend in den Conference-Halbfinals an Miami gescheitert. Haben Sie Dirk Nowitzkis Mavericks in den Finals die Daumen gedrückt.

Arroyo: Nein, dafür hatte ich keinen Grund.

SPORT: Der Basketball boomt in Deutschland, und der FC Bayern ist zu einer Hausnummer aufgestiegen. Möchten Sie nicht auch noch eine Station in Deutschland einlegen?

Arroyo: Ich habe schon sehr viel über den deutschen Basketball gehört und respektiere ihn sehr. Ich habe ja auch schon öfter mit Puerto Rico gegen das deutsche Nationalteam gespielt. Die deutsche Liga wird ein wenig unterschätzt. Einer meiner Nationalmannschaftskollegen, Nathan Peavy, war vorige Saison bei ALBA - auch wenn er verletzungsbedingt nicht spielen konnte. Aber er lobt die BBL immer in den höchsten Tönen.

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