John Bryant (l.) kam beim Hinspiel in Piräus nur auf magere vier Punkte © imago

Der FCB will gegen Übermacht Olympiakos seinen Negativtrend stoppen. Pesic schwärmt von Piräus, Big John muss Spott erdulden.

Von Florian Pertsch

München - Der bärenstarke Start ist verblasst. Der FC Bayern München ist in der Turkish Airlines Euroleague auf dem harten Boden der Realität gelandet.

Nach drei Niederlagen in Folge stehen in der Gruppe C die Chancen auf den Einzug in die Top 16 nach wie vor ordentlich bis gut, aber ein Heimerfolg über Olympiakos Piräus (ab 20.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVESTREAM und SPORT1.fm) wäre für Psyche und Punktekonto gleichermaßen Gold wert.

Das dürfte gegen den scheinbar übermächtigen Titelverteidiger trotz des knappen 83:88 im Hinspiel jedoch keine leichte Aufgabe werden. Selbst Svetislav Pesic zieht ehrfurchtsvoll den Hut.

"Jeder Trainer träumt davon, dass sein eigenes Team wie Olympiakos spielt. Seit den Olympischen Spielen 1972 hat in unserer historischen Halle noch kein besseres Team gespielt", schwärmte Bayerns Trainerlegende.

Duo fehlt

Eine Meldung aus dem Lager der Griechen könnte dem Euroleague-Neuling aber in die Karten spielen.

Piräus-Center Mirza Begic wurde nach einer Schlägerei im Spiel gegen Galatsaray für vier Euroleague-Partien gesperrt (News), sein Teamkollege Georgios Printezis muss drei Spiele aussetzen.

Das Fehlen des besten Rebounders Printezis (6,1 pro Spiel) und des wichtigsten großen Spielers von der Bank (Begic) eröffnen den Münchnern unverhoffte Chancen in Korbnähe.

Schnitt sackt ab

Allerdings läuft es bei den bayerischen Hünen um John Bryant aktuell nicht ganz so rund. Vor allem "Big John" scheint, seine Rolle noch nicht hundertprozentig gefunden zu haben.

Als der zweimalige Allstar aus Ulm nach München wechselte, sollte eine Ära der Dominanz unter den Bayern-Körben anbrechen. Speziell bei den Fans macht sich aber eine leichte Ernüchterung breit.

Im Vergleich zur letzten Saison in Ulm (16,1 Punkte, 10 Rebounds im Schnitt) gingen die Werte Bryants nach unten. Im Dress des FCB gelingen ihm lediglich 9,9 Punkte und 6,9 Rebounds.

Thompson gibt Rückendeckung

Dass die Statistiken nicht so gut ausfallen würden wie zu Ulmer Zeiten, war anhand der größeren Big-Man-Dichte in München zu erwarten, doch oft wirken die Aktionen Bryants, gerade in Bedrängnis noch etwas unglücklich.

Teamkollege Deon Thompson zeigt im Gespräch mit SPORT1 Verständnis für die Probleme des Centers: "Jeder weiß, wer John Bryant ist, die Teams stellen sich auf ihn als dominanten Center jetzt mehr ein. Das macht es für ihn viel schwerer, an den Ball zu kommen."

Dass sich die großen Jungs der Bayern trotz der Abstimmungsprobleme trotzdem super verstehen, belegt eine Szene aus der letzten Euroleague-Partie gegen Montepaschi Siena.

Airball sorgt für Lacher

Gegen den italienischen Meister trat "Big John" an die Freiwurflinie, doch sein sonst so sicherer Freiwurf schien wie weggeblasen.

Statt dem befriedigenden Rauschen des Balls durch das Netz gab es lediglich das überraschte Raunen des Publikums: Airball, nichts als Luft.

"Ich wollte ihn eigentlich gleich damit aufziehen, aber er hatte sofort eine Ausrede. Scheinbar hat er einen Schlag auf das Handgelenk bekommen", schilderte Yassin Idbihi die Szene.

Auch Thompson bekam die Begründung zu hören, doch auf SPORT1-Nachfrage, ob er Bryant die Ausrede abkaufe, anwtortete er unter großem Gelächter und breitestem Akzent: "Naaahhhhhh! Aber immerhin hat er den Zweiten reingemacht."

Rebound-Schwäche im falschen Moment

Bei allen Frotzelein und teaminternen Späßen, ein Problem hat das Bayern-Team im Kollektiv.

In den wichtigen Phasen verpassen die Münchner Korbjäger die Rebounds und bringen sich gerade in der Euroleague oft um den verdienten Lohn (DATENCENTER: Ergebnise und Tabelle).

"Punkte verkaufen Eintrittskarten, Verteidigung gewinnt Spiele und Rebounds gewinnen Meisterschaften"

Das Zitat stammt von Hall-of-Fame-Trainerin Pat Summit, auch Pesic weiß natürlich um die Bedeutung des Rebounds.

Wichtig für Pesics System

Für den Coach ist der Rebound der elementare Baustein seines Spiels.

Kein Rebound bedeutet kein Fastbreak. Bedeutet kein Druck auf den Gegner, bedeutet Pesic ist nicht glücklich. Und das ist nicht so gut für die Bayern-Profis

"Der Trainer erinnert uns immer und immer wieder daran, wie wichtig die Rebounds sind", gesteht Thompson.

Schlüssel zum Sieg

Der 64-Jährige predigt seit Saisonbeginn das Rebound-Mantra herunter und wird auch vor dem Spiel gegen Piräus nicht müde.

"Wir müssen den Rebound kontrollieren", erklärt der Trainer und nennt einen weitere Bedingung: "Die Transition ist der Schlüssel. Das unterscheidet ein normales Team von einem Spitzenteam."

Auch Thompson glaubt, dass hier der Schlüssel zum Sieg liegen könnte: "Mit John, Yassin, Chevy, Boris und mir haben wir viele große Spieler unter dem Korb. Das müssen wir ausnutzen und könnte unser großer Vorteil sein."

Weiterlesen