Beim polnischen Meister feiert der FC Bayern den Euroleague-Auftakt. Das Selbstbewusstsein ist groß - aber auch die Erwartungen.

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Von Jonas Nohe

München - Wie man Europa im Sturm erobert, konnten die Basketballer des FC Bayern in diesem Jahr im eigenen Verein bestaunen.

Im Mai holten die Fußballer den Champions-League-Titel, jetzt starten die FCB-Korbjäger zum ersten Mal ihre Mission Königsklasse - und das mit forschen Tönen.

"Wir können jeden schlagen", sagte Sportdirektor Marko Pesic vor dem Gastspiel beim polnischen Meister Zielona Gora (ab 19.00 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVESTREAM und LIVESCORES) der "Bild". Und gab gleichzeitig eine offensive Marschroute vor: "Wir werden uns vor keinem verstecken, wir wollen angreifen."

Premiere in der Königsklasse

Das "Mia san Mia" der Fußballer aus der bayerischen Landeshauptstadt haben die Basketballer also längst verinnerlicht.

Aber: Die Ausgangslage für das Team von Coach Svetislav Pesic ist eine ganz andere, als sie es vor gut einem Jahr bei Schweinsteiger, Lahm und Co. war. Während die kickenden Kollegen zuvor schon zweimal in drei Jahren das Königsklassen-Finale erreicht hatten, feiern die Basketballer in Polen ihre Premiere in der Turkish Airlines Euroleague.

Die Vorzeichen für eine erfolgreiche Auftaktpartie, im für Cheftrainer Pesic "mit der NBA weltbesten Wettbewerb", stehen gut. In der Saisonvorbereitung wurde der polnische Champion beim Einladungsturnier im französischen Mulhouse schon einmal mit 92:77 geschlagen.

Hamann fehlt verletzt

Und während die Bayern nach vier Spieltagen in der Beko BBL schon eingespielt und ungeschlagen sind, sucht der Gegner noch seinen Rhythmus. In der polnischen Liga wurde erst ein Spieltag absolviert und Gora gelang beim Vorjahres-Elften Kotwica Kolobrzeg nur ein mühsamer 73:70-Sieg nach Verlängerung.

Auch ohne den mit Rückenbeschwerden zu Hause gebliebenen Kapitän Steffen Hamann sollte also ein Sieg aus der basketballverrückten 13.000-Einwohnerstadt Gora entführt werden. Die nächsten Gegner in der Gruppe C sind noch wesentlich härtere Brocken und dürften für die Bayern-Basketballer schwerer zu schlagen sein - auch wenn der Sportdirektor das seiner Mannschaft zutraut (DATENCENTER: Die Spielpläne).

Schwere Vorrundengruppe

Olympiakos Piräus wurde in Griechenland zwar nur Vizemeister, wiederholte dafür aber seinen Euroleague-Triumph aus dem Vorjahr und geht als Titelverteidiger ins Rennen. Mit Italiens Serienmeister Montepaschi Siena, Unicaja Malaga aus Spanien und dem türkischen Champion Galatasaray Istanbul warten weitere europäische Topklubs.

Dass die Luft gegen solche Mannschaften dünner wird, musste der FCB in der Vorbereitung schon erfahren. Dem serbischen Pokalsieger Roter Stern Belgrad unterlag man mit 73:77, dem Euroleague-Halbfinalisten FC Barcelona mit 78:85.

Damals befand sich der runderneuerte Kader der Münchner allerdings noch in der Findungsphase und der Fitnesszustand von Star-Neuzugang John Bryant sorgte für Diskussionen. Nach dem gelungenen Saisonstart in der Bundesliga sehen sich die Bayern jetzt aber gerüstet für die internationale Bühne.

Djedovic gibt sich selbstbewusst

"Wir sind in der Lage, jeden Gruppengegner zu schlagen", sagt auch der Euroleague-erfahrene Nihad Djedovic, der von ALBA Berlin an die Isar gewechselt ist. Das Ziel, die Vorrunde zu überstehen, sei durchaus realistisch.

Die Hoffnungen sind groß, die Erwartungen an den großen FC Bayern aber mindestens genauso gewaltig - nicht zuletzt von offizieller Stelle. Nachdem sie in der letzten Beko BBL-Saison im Playoff-Halbfinale am späteren Meister aus Bamberg gescheitert waren, schafften es die Münchner nur dank einer Wildcard der Euroleague-Organisatoren in diesen Wettbewerb.

Vizemeister Oldenburg musste dagegen in ein Qualifikationsturnier für die Königsklasse, scheiterte dort und darf jetzt nur eine Etage tiefer im Eurocup ran.

"Bayern muss anders bewertet werden"

"Alle müssen verstehen, dass es für die Euroleague wichtig ist, ein Team wie Bayern dabei zu haben", rechtfertigt Euroleague-Chef Jordi Bertomeu die Entscheidung zugunsten des FCB. "Wir respektieren alle anderen Teams, aber ein Team wie Bayern muss anders bewertet werden."

Als eine zusätzliche Bürde versteht Sportdirektor Marko Pesic die Wildcard aber nicht: "Mich kann niemand unter Druck setzen, dazu bin ich noch zu sehr Sportler."

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