Anton Gavel (l.) gewann dreimal in Folge das nationale Double mit Bamberg © getty

Bamberg verkauft sich gegen die hochkarätigen Moskauer sehr gut. Fleming kritisiert vor dem Liga-Gipfel die Abwehr.

Aus Bamberg berichtet Eric Böhm

Bamberg - Am Ende war es wie so oft: Den Brose Baskets Bamberg blieb auf europäischem Parkett nur ein Lob.

Beim 89:97 gegen ZSKA Moskau (Spielbericht) hat der Dominator der Beko BBL nur den Respekt eines Schwergewichts der Euroleague gewonnen.

Das erhoffte Ausrufezeichen vor den richtungsweisenden Partien in Liga und "Königsklasse" gelang trotz toller Leistung aber nicht.

"Bamberg ist ein exzellentes Team, das sehr schnellt passt, gute Werfer hat und ausgezeichnet gespielt hat", sagte Moskaus Trainerfuchs Ettore Messina.

Wieder mal nur Kleinigkeiten

In der Tat hatten sich die Franken nach schwierigem Beginn in die Partie gebissen und den diesjährigen Finalisten der Euroleague am Rand einer Niederlage.

Letztendlich fehlten wieder einmal nur Kleinigkeiten, um den Bock umzustoßen. Mehrfach war in der extrem spannenden zweiten Hälfte die Chance auf Führung oder Ausgleich da, blieb jedoch ungenutzt.

Selbst eine herausragende Wurfquote (10 von 19 Dreiern landeten im Korb) und die starke Vorstellung von Routinier Casey Jacobson (18 Punkte) reichte am Ende nicht (DATENCENTER: Die Euroleague).

Vorweihnachtlicher Showdown

Coach Chris Flemings Forderung nach einer guten Leistung, um Selbstvertrauen für die von ihm so bezeichneten "Do-or-die-Spiele" gegen Lietuvos Rytas und Partizan Belgrad zu gewinnen, wurde aber erfüllt.

In der Gruppe D ist der Einzug unter die Top 16 als Vierter immer noch aus eigener Kraft möglich. Zwei Siege brächten Gewissheit. Eventuell reicht auch ein Erfolg über Partisan.

Zuerst geht es nach Litauen, dann steht am 13. Dezember der vorweihnachtliche Showdown mit den derzeit punktgleichen Serben an.

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Fleming lehnt Glückwünsche ab

Fröhlich gestimmt waren die Bamberger trotzdem nicht. Zu sehr nagte die verpasste Möglichkeit auf einen ähnlichen Coup wie 2011 gegen Panathinaikos Athen.

Der Cheftrainer machte auf der Pressekonferenz sogar einen extrem geknickten Eindruck und ging mit seinem Team im Hinblick auf ein eventuelles Weiterkommen hart ins Gericht.

"Dann müssen wir aber besser verteidigen. Um auf diesem Level erfolgreich zu sein, darfst du nicht 97 Punkte abgeben. Dafür sind wir schon zu lange in der Euroleague dabei. Das müssten wir wissen", lehnte Fleming die Glückwünsche energisch ab.

Schlitzohr ohne Leine

Moskaus elf Offensiv-Rebounds und eine Trefferquote innerhalb der Dreierlinie von 63 Prozent verhagelten dem Erfolgscoach die Laune.

Vor allem Schlitzohr Milos Teodosic ließ sich weder von Teddy Gipson, Anton Gavel oder John Goldsberry an die Leine nehmen. Dem MVP von 2010 gelangen 19 Zähler und neun Assists, aber sein Wert ging weit über die Zahlen hinaus.

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Der Serbe hatte auf jeden Lauf der bissigen Bamberger die richtige Antwort parat und versetzte dem lautstarken Publikum von "Freak City" immer wieder Dämpfer.

"Er verleiht dem Team Stabilität. Er ist jetzt körperlich in Topform und hat deshalb auch mehr Spaß. Milos bezieht alle Mitspieler mit ein und scheut vor den schwierigen Situationen nicht zurück", schwärmte Messina.

Baskets fehlt Killerinstinkt

Vor allem der ehemalige NBA-Center Nenad Krstic und Scharfschütze Dionte Christmas (6 Dreier) profitierten von Teodosics Genialität.

Seine Abgebrühtheit war der einzige Unterschied zu den Brose Baskets, denen auf diesem Level der Killerinstinkt noch abgeht.

Gerade die Youngster Maik Zirbes oder Philipp Neumann warfen sich leidenschaftlich in jeden Zweikampf, bezahlten aber bei der Positionierung oder mit Fouls in der Endphase Lehrgeld.

Potenzial macht Hoffnung

Trotzdem machen das Potenzial und die Siege in den Hinspielen gegen die direkten Kontrahenten Hoffnung.

Vorher steht aber noch der Liga-Gipfel des Tabellenführers bei den zweitplatzierten Ulmern (So., ab 15 Uhr im LIVESTREAM auf SPORT1.de) an.

"Das wird auch kein einfaches Spiel. Trotzdem gibt die Leistung gegen so ein Team wie Moskau zusätzlichen Schub. Wir werden bereit sein", betonte Big Man Sharrod Ford.

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