Spielmacher Per Günther wechselte 2008 von Phoenix Hagen zu ratiopharm Ulm © getty

Die Schwaben spielen gegen Kasan Platz 1 und den Heimvorteil im Viertelfinal-Rückspiel aus. Leibenath warnt vor dem Millionen-Mann.

Von Hardy Heuer

München - Der größte Erfolg der jüngeren Ulmer Geschichte ist eingefahren - nun geht es ums Sahnehäubchen: Im letzten Spiel der Last-16-Runde spielt ratiopharm Ulm gegen Unics Kasan (ab 19.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) um den Gruppensieg und den Heimvorteil im Viertelfinale.

Beide Teams sind mit einer Bilanz von drei Siegen und zwei Niederlagen bereits qualifiziert, doch nur der Sieger darf das Rückspiel in der Runde der letzten Acht, wenn es gegen Riga (Lettland), Valencia oder Bilbao (beide Spanien) ums Final-Four-Ticket geht, zu Hause austragen.

"Hätte man mich vor Beginn der Last 16 danach gefragt, hätte ich vermutet, dass wir am letzten Spieltag keine Chance mehr aufs Weiterkommen haben, da unsere Gruppe wirklich sehr stark ist", erklärt Ulms Trainer Thorsten Leibenath: "Aber ich habe insgeheim natürlich gehofft, dass es für uns am letzten Spieltag um etwas gehen wird."

Die Chance zur Weiterentwicklung

Seine europäischen Übererfüller, die in der Beko BBL zuletzt ins Trudeln gerieten, wollen nun an das Hinspiel in Russland anknüpfen. Da nahmen sie mit dem überraschenden 95:87-Sieg Revanche für die klare Pleite in der Qualifikation für die Euroleague und präsentierten sich "wie eine mehrköpfige Hydra", so ihre eigene Beschreibung.

Die Schwaben erbrachten also den Beweis, dass sie auf diesem Niveau mithalten können. In eigener Halle soll der zweite Streich folgen.

"Vor 6.000 heimischen Zuschauern wollen wir uns natürlich so teuer wie möglich verkaufen. Das Spiel selbst wird die Herausforderung sein. Und jedes Spiel bietet die Chance, sich weiterzuentwickeln", betont Leibenath.

Generalprobe gründlich missglückt

Der Ulmer Coach hat dabei sogar gleich zwei Ziele im Blick: "Auf jeden Fall wollen wir unseren ersten Platz verteidigen und die Enttäuschung gegen Hagen wettmachen."

In der Beko BBL kassierte der Vizemeister bei Phoenix Hagen eine 78:90-Niederlage, rutschte in der Tabelle vom dritten auf den fünften Platz ab und musste sich harsche Kritik vom Trainer anhören: "Du musst in jedem Spiel alles geben. Sich auf das Talentlevel zu verlassen, reicht nicht. Das ist ein mentales Problem von uns." (BERICHT: Nächster Rückschlag für Ulm)

Die Generalprobe auf das wichtige Eurocup-Spiel ging also gründlich daneben, deshalb gilt für Leibenath nur die Devise: "Auf Sieg spielen".

Wiedersehen mit Millionen-Verdiener Eidson

Alles andere als einfach, schließlich hat Kasan in Chuck Eidson einen überragenden Spieler in seinen Reihen. 31 Punkte erzielte der Amerikaner, der einst für Giessen, später in Barcelona und jetzt für ein Salär von zwei Millionen Dollar in Kazan spielt, im Hinspiel.

"Wir müssen Chuck Eidson auf jeden Fall reduzieren und in seiner Ausbeute einschränken", fordert Leibenath und schränkt anschließend ein: "Aber es geht nicht nur darum, Chuck Eidson in seine Schranken zu verweisen. Die Spieler Kasans gehören zur europäischen Spitze, nicht wenige von ihnen haben sogar NBA-Level."

Hinspiel als Beispiel

Ulms Trainer wird Per Günther, John Bryant und Co. mit Sicherheit das Video des Hinspiels vorgespielt haben, damit sich sein Team daran erinnert, wie es gehen kann.

"Es wird wie im Hinspiel entscheidend sein, das Tempo zu diktieren. Wir müssen sie zu schwierigen Würfen zwingen und verhindern, dass sie zweite Chancen erhalten", stellt Leibenath klar.

Dann stünde dem Gruppensieg nichts mehr im Wege.

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