Malcolm Delaney (l.) musste sich nach seinem fünften Foul vorzeitig verabschieden © getty

Oldenburg wendet das vorzeitige Saison-Aus ab und erzwingt im Playoff-Halbfinale ein viertes Spiel gegen den FC Bayern München.

Vom FC Bayern berichtet Jonas Nohe

München - Die EWE Baskets Oldenburg haben das vorzeitige Saisonende abgewendet und im Playoff-Halbfinale gegen den FC Bayern zumindest ein viertes Spiel vor heimischer Kulisse erzwungen.

Nach der deutlichen 67:85-Auftaktpleite und dem unglücklichen 72:74 vor heimischer Kulisse gewann der Vorjahresfinalist Spiel drei im Münchner Audi Dome nach zweimaliger Verlängerung mit 105:103 (91:91, 83:83, 44:44) und entging so dem K.o.

Mit zwei Siegen am Dienstag vor heimischer Kulisse und in einem möglichen fünften Spiel am Donnerstag erneut in München könnte der Meister von 2009 die erste Final-Teilnahme des FC Bayern seit dem Wiederaufstieg in die Beko BBL 2011 noch verhindern.

"Ich bin einfach stolz, dass wir heute so viel Charakterstärke gezeigt haben", sagte Oldenburgs Dominik Bahiense de Mello bei SPORT1. "Keiner hat der anderen Mannschaft etwas geschenkt, aber wir haben sehr viel Herz bewiesen. Jetzt haben wir das Momentum auf unserer Seite."

(STENOGRAMME: Playoff-Halbfinale)

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Paulding trifft am besten

Bester Werfer der Gäste war Rickey Paulding mit 25 Zählern, für den FC Bayern war Deon Thompson mit 20 Punkten am erfolgreichsten.

Den zweiten Finalteilnehmer ermitteln Pokalsieger ALBA Berlin und die Artland Dragons. Vor Spiel drei in Berlin (So., ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) steht es in der Serie 1:1 unentschieden.

Vor 6700 Fans im ausverkauften Audi Dome veränderte Bayern-Headcoach Svetislav Pesic seine Starting Five im Vergleich zu Spiel zwei in Oldenburg auf einer Position: Anstelle von Matchwinner Heiko Schaffartzik begann Lucca Staiger und griff sich direkt die ersten beiden Rebounds des Spiels.

Oldenburgs Coach Sebastian Machowski setzte auf exakt dieselbe Startformation, die die Bayern zu Beginn von Spiel zwei mit einem Offensivfeuerwerk bis zum 18:5 förmlich überrannt hatte.

Mit Fanbussen angereist

Angefeuert von fast 200 Anhängern, die in Fanbussen die Reise in die bayerische Landeshauptstadt angetreten hatten, erwischten die Gäste aus Oldenburg erneut den besseren Start. Nach fünf Minuten stand es dank Paulding und Chubb 9:4 für Oldenburg.

Beim 15:15 durch Yassin Idbihi zwei Minuten vor Ende des ersten Viertels konnten die Bayern erstmals seit Spielbeginn wieder ausgleichen, Delaney sorgte kurz darauf von der Freiwurflinie für die erste Führung.

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Mit einem 19:15 für Pesic' Mannen ging es in die erste Viertelpause.

Aggressivität fehlt

Der Start in den zweiten Spielabschnitt gelang den Münchnern zunächst besser, Boris Savovic und Robin Benzing bauten die Führung auf 23:15 aus.

Aber: Oldenburg kämpfte sich zurück und profitierte vor allem davon, dass den Bayern in dieser Phase die nötige Aggressivität im Reboundverhalten fehlte und sich so reihenweise zweite Chancen für den Meister von 2009 ergaben.

Beim 26:25 durch den zweimaligen Beko-BBL-MVP Julius Jenkins lagen die Gäste wieder in Front, drei Minuten vor der Halbzeit betrug der Vorsprung bereits sechs Zähler.

Buzzerbeater von Delaney

Trotz des zwischenzeitlichen Ausfalls von Benzing, der sich bei einem Ellenbogenschlag eine Platzwunde zuzog und erst nach der Halbzeit zurückkehrte, kamen die Bayern aber wieder heran - und dank eines Buzzerbeaters von Delaney ging es ausgeglichen in die Pause.

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"Ich denke, wir haben nicht nachgelassen", sagte Bayern-Youngster Paul Zipser in der Halbzeit bei SPORT1, musste aber auch eingestehen: "Die Oldenburger waren im zweiten Viertel etwas stärker."

Insgesamt durfte sich Trainerfuchs Pesic bestätigt sehen, der vor der Partie "ein sehr intensives Spiel" vorhergesagt hatte. Oldenburg spielte wie von Coach Machowski angekündigt wie in einem "echten Endspiel" und ließ sich nicht abschütteln.

MVP muss vom Feld

Nach einem hart umkämpften dritten Viertel mit einigen Nickligkeiten setzte Schaffartzik im Schlussabschnitt mit einem wilden Dreier zum 70:66 das erste Ausrufezeichen, in der Folge blieben aber beide Teams fast zwei Minuten ohne Korberfolg.

Delaney sorgte drei Minuten vor dem Ende mit dem 78:70 sehenswert für die vermeintliche Vorentscheidung, ehe sich Bayerns Topscorer Sekunden später mit seinem fünften Foul vorzeitig verabschiedete. Als er den Court verließ, hallten lautstarke MVP-Rufe durch den Audi Dome.

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Ein letztes Aufbäumen

Sein Fehlen beflügelte die Oldenburger allerdings zu einem letzten Aufbäumen, das im 83:83 durch Chubb gipfelte. Nach einem Offensivfoul von Schaffartzik hatte Paulding mit der Schlusssirene sogar die Chance zum Gästesieg, setzte den Ball aber nur auf den Ring.

Das überraschende Comeback schien Oldenburg in der Overtime zunächst zu beflügeln, nach nicht einmal einer Minute führten sie mit 87:83.

Bayern antwortete aus der Distanz: Zwei Dreier von Bryant und Taylor führten zum 89:89, Thompson sorgte per Layup zum 91:89 für die erste FCB-Führung in der Verlängerung.

Paulding gelang 2,1 Sekunden vor der Schlusssirene der erneute Ausgleich. Bryants möglicher Gamewinner schaute auf der Gegenseite dagegen nur kurz in den Ring hinein, um dann doch wieder herauszuspringen.

Aleksandrov sorgt für Entscheidung

Sekunden nach Beginn der zweiten Verlängerung machte es Bryant besser und sorgte per Dreipunktspiel für das 94:91, Thompson legte zum 96:91 nach.

Schaffartzik und Aleksandrov tauschten Dreier aus, Taylor traf für die Bayern zur erneuten Fünf-Punkte-Führung.

Doch auch das war nicht das Ende eines verrückten Spiels. Jenkins brachte die Gäste per Freiwurf und Dreier noch einmal zurück, Aleksandrov sorgte anschließend aus der Distanz für den letztlich entscheidenden Korb zum 105:103.

Thompson verpasste letztlich per Korbleger den möglichen erneuten Ausgleich.

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