John Bryant (l.) vom FC Bayern München wurde zweimal zum MVP der Beko BBL gewählt © imago

Zum Duell gegen seinen Ex-Klub kommt Bayerns Bryant in Wallung. Ulms Trainer Leibenath will Feuer mit Feuer bekämpfen.

Von Patrick Mayer

München - Big John ist angekommen in München:

Solide neun Rebounds und zwölf Punkte erzielte John Bryant beim Auswärtssieg des FC Bayern München gegen TBB Trier.

Elf Rebounds gegen Galatasaray Istanbul in der Euroleague und 13 Punkte zuvor im Spitzenspiel der Beko-BBL gegen die Brose Baskets Bamberg können sich ebenfalls sehen lassen.

Kurzum: Vor dem Wiedersehen mit Ex-Klub ratiopharm ulm (ab 19 Uhr LIVE im TV bei SPORT1 und im LIVESTREAM) kommt Bryant bei seinem neuen Arbeitgeber in München langsam aber sicher richtig in Wallung .

"Langsam integriert"

Der 26-Jährige wird zu der spielenden Größe, die sich Coach Svetislav Pesic erhoffte.

Anfangs kämpfte Bryant noch mit Übergewicht und mangelnder Spritzigkeit. Doch die vielen Stunden mit den Athletiktrainern zahlen sich aus. Das hat auch sein ehemaliger Coach erkannt.

Bryant habe sich "so langsam integriert und zurechtgefunden", meint Thorsten Leibenath. Ulms Trainer hat die Gastgeber bestens studiert, und er kennt die Fähigkeiten seines früheren Schützlings Bryant aus dem Eff-eff.

In zwei Spielzeiten (und zwei Allstar-Games) formte Leibenath den Amerikaner in Ulm zum MVP, dem wertvollsten Spieler der Liga. Und der ließ sich zumindest 2012 noch überreden, trotz lukrativerer Angebote ein Jahr im geliebten Ulm dranzuhängen.

Big Johns wuchtige Statur

Leibenath weiß um die dominante Spielweise des Centers, der gerne sämtliche Vorteile seiner wuchtigen Statur einbringt - robust in der Ballbehauptung, energisch beim Zug zum Korb.

So körperbetont Bryant agiert, so dominant ist die Körpersprache des gesamten Bayern-Teams. Pesic hat seiner Truppe die Gier eingeflößt, jedes Spiel für sich entscheiden zu wollen.

Eindrucksvoll bewiesen die Bayern ihre neue Mentalität in der Euroleague gegen Istanbul (Bericht). 13 Offensivrebounds des in dieser Hinsicht besten Teams Europas belegen, was Ulm nun erwartet.

Immer am Anschlag

Die Münchner werden vor allem im ersten Viertel dominant auftreten und über die volle Spielzeit "maximalen Druck" auf sein Team ausüben, meint Leibenath. "Man kommt absolut nicht zur Ruhe."

Ob in der Defense oder im Angriff - es sei Pesics' Philosophie, seine Mannschaft immer am Anschlag agieren zu lassen, was Tempo und Aggressivität betreffe.

Doch Leibenath will die Stirn bieten: "Es ist ein absolut legitimes Mittel, darauf mit Gegendruck zu antworten. Wir wollen agieren", sagt er mit Blick auf die schwere Aufgabe im Audi Dome, der mit 6700 Fans ausverkauft sein wird.

Damit sein Team mit dem nötigen Dampf aufläuft, lässt er erst gar keine Feiertags-Idylle aufkommen.

Leibenath: Keine Wohlfühl-Atmosphäre

"Es geht nicht darum, den Spielern zu Weihnachten eine Wohlfühl-Atmosphäre zu verschaffen", sagt Leibenath. Heißt konkret: Ulm trainierte an Heiligabend, am ersten Weihnachtsfeiertag und am Morgen vor dem Spiel.

Pesic weiß aber ohnehin, dass ein top vorbereiteter Gegner auf die Bayern wartet.

"Es ist bekannt, dass man gegen Ulm immer sehr viel investieren muss. Das ist ein sehr starkes Team, das sogar Bamberg deutlich besiegen konnte", sagt der 64-Jährige.

Pesic dürfte vor allem vor Topscorer Cameron Long warnen: Der 24 Jahre alte Shooting Guards bringt es im Schnitt auf 13,3 Punkte pro Spiel, gemeinsam mit Spielmacher und Nationalspieler Per Günther sowie Edgar Sosa geht mächtig Gefahr von den Ulmer Guard-Positionen aus.

Bryant fit wie lange nicht

Aber Pesic wäre nicht er selbst, hätte er nicht längst taktische Antworten auf die Ulmer Stärken ausgetüftelt.

Eine ist deren neugewonnene Unberechenbarkeit. "Da wir weniger von einem Spieler abhängig sein werden, ist es sportlich gesehen gar nicht so schlecht", meinte auch Günther einst zum Bryant-Abgang.

Big John wird diesmal seine Kreise unterm Korb der ehemaligen Teamkollegen ziehen und auf Offensivrebounds lauern.

Und das so fit, wie schon lange nicht.

600 Fans reisen mit

Auch Pesic bat seine Mannschaft an Weihnachten zu Übungseinheiten. Und SPORT1-Experte Patrick Femerling riet den Bayern in seiner Kolumne dazu, die Schlagzahl hochzuhalten:

Das Team dürfe nach dem Erfolg in der Euroleague nicht lockerlassen und müsse in der Bundesliga dranbleiben. "Nur mit Topleistungen kann man den Spiel- und Erfolgsrhythmus der letzten Wochen beibehalten", so Femerling.

Mehr als 600 Fans werden die Schwaben in die nur 140 Kilometer entfernte bayerische Landeshauptstadt begleiten und die Aktionen Bryants auch mit Wehmut verfolgen.

Sie hätten ihn gerne weiter in ihren Farben gesehen. Doch Bryant ist angekommen - in München.

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