Würzburgs Maxi Kleber (r.) ist fürs NBA-Draft 2014 angemeldet © imago

Würzburgs Maxi Kleber spricht mit SPORT1 über seinen NBA-Traum, Parallelen zu Dirk Nowitzki und das Training mit dessen Mentor.

Von Florian Pertsch

München - Eurocamp 2012 in Treviso.

Europas junge Basketball-Elite trainiert in Italien unter den Augen der Euroleague-Scouts. Die besten Teams der Kontinents fahnden nach neuen Talenten, selbst der Sprung in die NBA ist nicht ausgeschlossen.

Würzburgs Power Forward Maxi Kleber ist mit dabei, nachträglich eingeladen und stolz bis über beide Ohren.

"Für mich war es eine sehr große Ehre. Viel Training mit Top-Leuten. Eigentlich nur positive Erinnerungen - naja bis auf meinen Handgelenksbruch eben, der mich die letzten Tage gekostet hat", blickt der 21-Jährige im Gespräch mit SPORT1 zurück.

Verletzungsodyssee seit 2010

Statt Duellen mit Camp-Kollegen wie Nihad Djedovic oder Maik Zirbes in der Beko-BBL lautet die Aufgabenstellung jetzt Fahrradfahren und Aquajogging.

Wörter, die dem Power Forward langsam zum Hals heraushängen. Denn es ist nicht die erste schwere Verletzung - und es soll nicht die letzte bleiben.

Die Verletzungsodyssee beginnt 2010 mit dem Bruch des Schienbein-Köpfchens, es folgt ein Fingerbruch 2011.

2012 gesellt sich beim Spiel gegen Bamberg zum Handgelenksbruch erneut ein gebrochener Finger. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, muss auch das chronisch schmerzende Knie operativ behandelt werden.

Nase voll vom Fahrradfahren

Aus dem hoffnungsvollen Talent wird der Würzburger Patient. Aber was einen nicht umbringt, macht einen ja nur härter, sagt der Volksmund.

"Was Verletzungen angeht, bin ich ziemlich abgehärtet", erklärt Kleber nicht ohne Galgenhumor: "Letztlich waren es ja fast drei Jahre durchgehend. Jetzt reicht es. Vor allem Fahrradfahren, dieses ständige Rumsitzen, ist für mich die Hölle."

Vom Fahrradsattel geht es im Sommer 2013 in die Vorbereitung mit Würzburg, endlich soll aus dem Talent ein Leistungsträger in der Bundesliga werden.

Kleber fragt sich: "Warum ich?"

Doch auch diesmal schlägt der Verletzungsteufel zu: Kleber bricht sich im September den Fuß.

Der nächste Nackenschlag, doch der Kampfgeist des Youngsters ist bemerkenswert.

"Ans Aufhören habe ich nie wirklich gedacht. Es war eher die Frage: Warum ich? Warum muss das jetzt nochmal sein? Insgesamt habe ich aber zu viel investiert, als das ich einfach aufgeben wollte", schildert Kleber seine Gedanken.

Die ersten fünf Saisonspiele muss Würzburg ohne den deutschen Nationalspieler auskommen, alle Partien gehen verloren.

Schnelle Beine, sicheres Händchen

Gegen Artland gibt Kleber sein Comeback und zeigt direkt, warum die Erwartungen an den gebürtigen Würzburger so groß sind.

Elf Punkte und acht Rebounds gegen Quakenbrück, und das ist nur der Anfang. Kleber schraubt seine Statistiken in den folgenden Wochen nach oben, schenkt Bonn 19 Zähler ein.

Mit seinem guten Dreipunktwurf (37,2 Prozent) und den schnellen Beinen ist er für viele Power Forwards ein Albtraum.

Keinen Bock auf Nowitzki-Vergleiche

Teamkollege John Little vergleicht den 21-Jährigen darum mit Denvers NBA-Star Danilo Galinari. Kleber selbst gibt sich eher bescheiden.

"Ich treffe eher ungern Vergleiche. Ob das passt, müssen andere entscheiden. Aber klar freut es einen, so etwas zu hören", wiegelt Kleber ab.

Gebürtiger Würzburger, Power Forward, guter Dreierschütze? Gibt es da nicht schon einen Spieler, auf den das alles zutrifft?

"Hmm, da gibt es schon jemanden", gibt sich Kleber nachdenklich und muss dann anfangen zu lachen: "Aber Dirk Nowitzki ist eine sehr hohe Messlatte und ich glaube, er ist auch ein etwas anderer Spielertyp. Solche Vergleiche halte ich für sehr gefährlich."

Übungseinheiten mit Geschwindner

Ein paar Übungseinheiten mit Nowitzki-Trainer Holger Geschwindner gab es immerhin schon: "Bei der süddeutschen Auswahl hat er mit uns Übungen gemacht, die er auch mit Dirk Nowitzki durchzieht. Das Training ist definitiv anders."

Der Big Man "ist einfach nur sehr froh, wieder spielen zu können" und hilft Tabellenschlusslicht Würzburg mit 11 Punkten und 6,6 Rebounds.

Die Fans honorieren die Leistung Klebers trotz der schlechten Würzburger Saison und sorgen für das erste persönliche Saison-Highlight des Youngsters.

Mit den drittmeisten Stimmen im Team National wird Kleber in die Starting Five beim Allstar-Day 2014 in Bonn gewählt und ist damit nach Nowitzki der zweite gebürtige Würzburger, dem diese Ehre zu Teil wird.

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Finanzprobleme und Punktabzug

"Dass ich in der Gunst der Fans so weit vorne liege, ehrt mich natürlich sehr", erklärt Kleber stolz: "Der ganze Verein stand immer hinter mir. Das Team, das Management und die Trainer waren immer da für mich."

Persönlich im Aufwind glaubt Kleber auch fest daran, dass die Würzburger nach dem Punktabzug in der Liga und allen finanziellen Querelen bald aus dem Tabellenkeller herauskommen - auch wegen ihres neuen Trainers Stefan Koch.

"Sportlich gehören wir mit unserem Team nicht auf diesen Tabellenplatz", ist Kleber optimistisch und schwärmt vom neuen Headcoach: "Grundsätzlich ist er ein ruhiger Typ, wobei er in manchen Situationen auch richtig aus der Haut fahren kann. In den hitzigen Phasen eines Spiels ist er aber sehr ruhig und behält die Übersicht."

2014 beim NBA-Draft

Das 82:65 beim neuen Schlusslicht Tübingen war der dritte Erfolg im vierten Spiel unter Koch und hievte die Unterfranken auf Platz 16.

Was die eigene Karriere angeht, will sich der 21-Jährige nicht unter Druck setzen.

Zum NBA-Draft 2014 ist er aufgrund seines Alters automatisch angemeldet, doch Kleber "will jetzt einfach nur spielen, und der Rest kommt von ganz alleine."

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