Lischka deutet ein mögliches Karriereende an. Jetzt mahnt sein Klub bei SPORT1 zu Geduld. Er wolle zu viel auf einmal, heißt es.

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Von Patrick Mayer

München - Johannes Lischka ist frustriert. Mancher fragt verwundert nach, ein zweites, ein drittes Mal.

Man mag es kaum glauben: Keine fünf Wochen nach seiner Hirn-Tumor-Operation gab er sein Comeback in der Beko Basketball-Bundesliga - nach der niederschmetternden Diagnose eigentlich ein Wunder.

Doch der Nationalspieler ist so sehr gefrustet, dass er sogar ein mögliches Karriereende andeutet. Jetzt mahnt sein Klub bei SPORT1 zu mehr Geduld. Lischka wolle zu viel auf einmal, heißt es aus Tübingen. Dem Vernehmen nach wird ihm der Rummel um seine Person zu viel.

"Mehr als zehn Kilo"

Er wirkt niedergeschlagen. "Momentan sehe ich keine Besserung und frage mich wirklich, ob das nochmal klappt", sagte Lischka nach dem Sieg seiner Walter Tigers in Hagen (News). "Wenn das Gewicht so bleibt, weiß ich nicht, ob ich weiter werde Basketball spielen können."

Das Problem ist nicht die operierte Stelle selbst - dem 26-Jährigen war im Universitätsklinikum Tübingen ein zwei Zentimeter großer Tumor über der Hirnanhangdrüse entfernt worden.

Durch die Medikamente, die er nehmen muss, legt er enorm an Gewicht zu.

"Wenn man momentan mehr als zehn Kilo mehr auf dem Feld mit sich rumschleppt, dann ist das eine enorme Belastung, das merkt man", schilderte der gebürtige Gießener. "Man ist langsamer bei vielen Sachen. Ich werde nicht der Alte sein, solange das Gewicht nicht runter geht. Ich bin jede Woche im Krankenhaus wegen der Dosierung."

Dilemma der OP

Dort wollen die Ärzte mit ihm das Dilemma der erfolgreich verlaufenen Operation in den Griff bekommen.

Sein Hormon-Haushalt ist durch die OP außer Kontrolle. Lischka muss Cortisol nehmen, das sein Körper zurzeit nicht produzieren kann. Auch Testosteron nimmt er zu sich.

"Das ist extrem frustrierend, weil ich so keine fünf Jahre Leistungssport durchhalten kann", erklärte er im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" niedergeschlagen.

Cortisol hat Einfluss auf den Fettstoffwechsel und den Kohlenhydrathaushalt, verzögert die Wasserausscheidung. Knapp 120 Kilo bringt er derzeit auf die Waage.

Sonderschichten mit Athletiktrainer

"Ich kann nicht mehr so hoch springen und so schnell sprinten wie davor", schilderte er.

Nach dem 95:78 in Hagen hatte Trainer Igor Perovic der Mannschaft frei gegeben - Lischka schindete sich in Sonderschichten mit dem Athletiktrainer. Er sei zu ungeduldig, heißt es in Tübingen.

"Er ist nur fünf Wochen nach seiner OP zurückgekehrt. Johannes will zu viel auf einmal", meinte Pressesprecher Tobias Fischer auf Nachfrage von SPORT1. Der Klub möchte ihm die Zeit geben, die er braucht.

Doch Lischka will auf Biegen und Brechen zurück zur alten Form. "Ich habe mich so darauf gefreut, als die Doktoren gesagt haben, du darfst wieder richtig trainieren. Mit den Jungs um Siege zu kämpfen, auch wenn es nur im Training ist, gibt mir einen Schub", erzählte er.

"Das ist frustrierend"

Lischka ist längst nicht der Alte. Er wirkte in Hagen behäbiger als sonst, am Korb kam er kaum hoch und leistete sich in drei Versuchen drei Fehlwürfe.

"Das ist frustrierend, da muss ich durch und mich wieder heranarbeiten, damit ich hoffentlich wieder irgendwann so spielen kann wie zuvor", meinte er.

2:43 Minuten stand er auf dem Feld - er machte keinen Hehl daraus, dass er sich mehr gewünscht hätte.

Riesen-Mitgefühl

Dabei zollen alle Respekt. Der Hype um seine Person ist riesig, das Mitgefühl auch.

In München, Ulm und weiteren Hallen der Beko-BBL hielten Fans vor Spielen Transparente mit Genesungswünschen und Plakate mit seinem Namen in die Höhe.

"Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gut mir das getan hat und wieviel Mut es mir gemacht hat für die OP", schrieb er aus dem Krankenbett bei Twitter.

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"Keinen Sinn mehr"

Freute er sich damals noch über den Zuspruch, so soll ihm dem Vernehmen nach der Rummel um seine Person mittlerweile zu viel sein.

Er will einfach wieder auf hohem Niveau spielen, und das mehr als knapp drei Minuten. "Wenn ich nur zehn Minuten durchhalten kann, macht das alles keinen Sinn mehr."

Der Frust sitzt tief bei Johannes Lischka.

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