Der Oldenburger Julis Jenkins (l.) verlor die Finalserie 2012/13 gegen Bamberg © getty

Oldenburg genießt vor dem Topspiel gegen Bamberg die geringe Aufmerksamkeit. Jenkins nennt bei SPORT1 den Schlüssel zum Sieg.

Von Eric Böhm und Martina Farmbauer

München/Oldenburg - Sie stürmen in der Beko BBL von Sieg zu Sieg.

Mit acht Erfolgen aus neun Spielen haben die EWE Baskets Oldenburg ihren Anspruch als Top-Team im deutschen Basketball untermauert.

Dennoch fliegt der Vizemeister vor dem Finals-Rematch der Beko BBL gegen die Brose Baskets Bamberg (ab 20.15 Uhr LIVE im TV bei SPORT1) in der öffentlichen Wahrnehmung unter dem Radar.

Zu dominant sind die neue finanzielle Basketball Großmacht Bayern München, Abo-Titelträger Bamberg und der ehemalige Dominantor ALBA Berlin.

Oldenburg genießt Schatten

Statt sich darüber zu ärgern, halten sie im beschaulichen Oldenburg die geringere Aufmerksamkeit sogar für eine "gute Sache", wie Julius Jenkins bei SPORT1 betont:

"Wenn niemand über uns spricht, haben wir auch keinen zusätzlichen Druck. Wir müssen keine hohen Erwartungen erfüllen wie Bamberg, ALBA oder Bayern. Wir können uns einfach nur auf uns selbst konzentrieren, hart trainieren, rausgehen und versuchen zu gewinnen."

Der starke Scorer kann diese Unterschiede beurteilen, schließlich gewann er vor zwei Jahren mit Bamberg die Meisterschaft. Davor wirbelte er zwischen 2006 und 2011 für ALBA.

Kontinuität ist Trumpf

Die Ruhe in Umfeld und Verein weiß Jenkins zu schätzen. Denn die Niedersachsen sind in vielerlei Hinsicht ein Gegenentwurf zum Ligatrend.

Statt Jahr für Jahr vor allem die Ausländerplätze neu zu besetzen und so immer wieder die Spielidee und Identität zu verändern, setzen sie auf Kontinuität und verstärken das Team punktuell.

Wenn etwas funktioniert, wird daran festgehalten. Publikumsliebling und Kapitän Rickey Paulding spielt beispielsweise schon seit 2007 für die Baskets (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Abwehr als Schlüssel

Mit Coach Sebastian Machowski kam zudem 2012 eine der deutschen Trainerhoffnungen. Seine Philosophie mit aggressiver Verteidigung und schnellem Umschaltspiel hat der Kern des Teams mittlerweile perfekt verinnerlicht.

Das ist auch der große Vorteil im Verglich zu den individuell besser besetzten Bayern und Bambergern. Die "Donnervögel" sind eingespielt.

"Schon alle Spiele der Finalserie waren sehr eng. Es lief immer auf die Defense hinaus. Also wenn wir gegen die Bamberger gewinnen wollen, müssen wir sie stoppen", betont Jenkins.

Keine Rachegelüste

Gemeinsam mit dem robusten Chris Kramer und Dru Joyce - High-School-Mitspieler von LeBron James - bildet Jenkins einen richtig starkes Backcourt-Trio.

Ein besondere Motivation verneint Jenkins jedoch, obwohl es für ihn in Bamberg nicht immer rund lief.

"Für mich geht es dabei nur um Oldenburg, das Team, bei dem ich jetzt bin. Ich werde das wie jedes andere Spiel auch nehmen", sagt Jenkins, betont aber auch: "Wir wollen jedes Spiel gewinnen, also will ich auch dieses gewinnen."

Bilanz spricht für Bamberg

Mangelndes Selbstvertrauen war noch nie ein Problem des wurffreudigen Rasta-Mannes. Das gilt aber auch für das gesamte heimliche Spitzenteam.

Entsprechend geben sie auch nichts auf die schwache BBL-Bilanz - 31 Niederlagen in 44 Partien - und die verlorenen Endspiele.

"Was passiert ist, ist passiert. Die Finalserie war die Finalserie", meint Jenkins. "Ich konzentriere mich nur auf das, was jetzt ist."

Wiedersehen mit Fischer

Ein Sieg wäre dennoch vor allem psychologisch Gold wert. Allerdings fehlen weiter hin die verletzten Big Men Adam Chubb und Robin Smeulders.

Bamberg kann dagegen den früheren Oldenburger D'or Fischer aufbieten, der gegen Real Madrid in der Turkish Airlines Euroleague debütierte (Bericht).

Das ultimative Ziel ist es, die Meisterschaft zu gewinnen. Aber noch sei es zu früh, um darüber zu sprechen, sagt Jenkins. Dann wäre es aber mit dem Schattendasein vorbei.

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