Beim Auftaktsieg in Gora kam Robin Benzing nur zu knapp 10 Minuten Spielzeit © imago

Für den FCB-Flügelspieler zählt vor dem Duell mit Siena nur der Teamerfolg. SPORT1-Kolumnist Femerling glaubt an sein Talent.

Von Florian Pertsch

"Geiz ist geil" war gestern, die Zeit der Egomanen ist vorbei.

Der gesellschaftliche Wandel macht auch vor dem Sport nicht halt. Schluss mit Diven, die um jede Spielminute feilschen - die Kunst des Teilens ist wieder en vogue.

Das gilt auch beim FC Bayern München, der sich vor seiner Debüt-Saison in der Turkish Airlines Euroleague auf allen Positionen mächtig verstärkt hat.

Große Konkurrenz

Trainer Svetislav Pesic stehen zwei fast gleichwertige Startformationen zur Verfügung und so muss der serbische Trainerfuchs die Spielzeit clever verteilen.

Die Spieler scheinen die Kultur des Teilens ebenfalls verinnerlicht zu haben.

Vor dem Duell mit dem italienischen Serienmeister Montepaschi Siena (ab 20.05 LIVE im TV auf SPORT1und im LIVESTREAM) predigt auch der deutsche Nationalspieler Robin Benzing das Prinzip des "Sharing is Caring" (übersetzt: Teilen ist sich kümmern).

Nur zweimal Starting Five

"Ich habe kein Problem damit, von der Bank zu kommen. Es ist egal, ob Bryce Taylor anfängt oder ich", erklärt der Flügelspieler seine Situation im Bayern-Team.

Bislang stand Benzing von sechs möglichen Partien nur gegen Bayreuth und Frankfurt in der Starting Five.

Beunruhigt ist der 24-Jährige aber nicht: "Bryce und ich wissen beide, was wir können. Wir haben das Vertrauen vom Trainer und werden beide unsere Spielzeit bekommen."

Pesic setzt in der laufenden Saison meist auf eine Startformation ohne deutschen Akteur.

Femerling glaubt an Benzing

Auch die Neuverpflichtungen Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi und Lucca Staiger müssen sich bislang mit einem Platz auf der Bank begnügen.

SPORT1-Kolumnist Patrick Femerling glaubt dennoch, dass Benzing sich langfristig einen Platz in der Starting Five erspielen kann.

"Robin muss jetzt diese Konkurrenz und jede Chance der er bekommt effektiv nutzen, um sich weiter zu entwickeln. Talent hat er genug sich auf diesem Niveau durchzusetzen", erklärt der deutsche Rekordnationalspieler (221 Einsätze).

Ob Benzing das überhaupt will, zumindest Stand jetzt, sei dahingestellt. Der Wille die eigenen Bedürfnisse hinter den Erfolg des Teams zu stellen, ist momentan größer.

"Der Kader hat so eine große Qualität, da ist es egal, wer von Beginn an spielt. Wichtig ist nur, dass jeder seinen kleinen Beitrag leistet, um die Spiele zu gewinnen", wiederholt Benzing das Mantra des Teilens.

Schwieriger Gegner zur Heimpremiere

Nach dem leichten 94:73-Auftaktsieg gegen Stelmet Zielona Gora wartet mit Siena nun ein deutlich schwierigerer Gegner auf den FC Bayern.

Die Italiener gewannen in den letzten sieben Jahren jeweils den Meistertitel, zusätzlich gab es fünfmal in Folge den Pokal oben drauf.

Vor der Saison musste das Team aus der Toskana eine empfindliche Etat-Kürzung hinnehmen, ein leichtes Opfer sollten die Bayern bei ihrer Heimpremiere aber nicht erwarten.

Guard der Extraklasse

"Siena spielt sehr aggressiv und sucht oft den Schnellangriff. Mit Daniel Hackett haben sie einen super Spieler, der den Ball oft in der Hand hat. Er ist der Schlüssel des Teams", analysiert Benzing Siena.

Hackett ist ein Guard der Extraklasse und lieferte bei der Auftaktniederlage gegen Galatasaray Istanbul 26 Punkte und fünf Rebounds ab.

Der Aufbauspieler mit italienischem Pass spielte drei Jahre für die USC Trojans in der US-Collegeliga NCAA und stand mit NBA-Stars wie O.J. Mayo, DeMar DeRozan und Taj Gibson auf dem Parkett.

Mit Tyler Rochestie, Spencer Nelson und Benjamin Ortner stehen zusätzlich gleich drei ehemalige Beko-BBL-Akteure in Reihen der Italiener.

Mentaler Spagat

Nach dem Auftritt gegen Siena geht es für die Bayern am Sonntag zu Tabellen-Schlusslicht Bremerhaven. Wie Würzburg warten die Eisbären nach fünf Spielen immer noch auf den ersten Saisonsieg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) .

Für Bayern nach dem Glamour der Euroleague ein nicht zu unterschätzender mentaler Spagat.

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