Chevon Troutman (r., mit Jared Homan) spielte für Pittsburgh in der NCAA © getty

Chevon Troutman spricht bei SPORT1 über den neuen FCB, Homans Ausbootung und die Einstellung einiger Kollegen.

Vom FC Bayern berichtet Florian Pertsch

München - Seit 2011 ist Chevon "Chevy" Troutman Teil des FC Bayern - und avancierte bereits in seiner ersten Saison zum Publikumsliebling.

Nun stehen beim FCB aber große Veränderungen an, und der lustige Amerikaner muss sich im runderneuerten Team sowie beim verwöhnten Münchener Publikum neu beweisen.

Denn in der ersten Saison, die Headcoach Svetislav Pesic von Beginn an bei den Bayern gestaltet, kommt es zu einem Umbruch - acht neue Spieler müssen integriert werden, einige feste Größen wie Jan Jagla und Jared Homan verlassen den Verein (DATENCENTER: Der Spielplan der Beko BBL).

Im SPORT1-Interview spricht der 31-jährige Power Forward über das neue Gesicht des Klubs, seine Rolle innerhalb der Mannschaft und die Ausbootung seines Kumpels Homan. Zudem übt "Chevy" Kritik an der Einstellung so mancher Kollegen.

SPORT1: Im Verein hat sich vieles verändert. Was halten Sie vom "neuen" FC Bayern, und warum hat sich der Klub runderneuert?

Chevon Troutman: Ich weiß, dass es aus geschäftlichen Gründen geschehen ist. Bayern München ist eben eine große Marke. Darüber hinaus kam Trainer Svetislav Pesic mitten in der letzten Saison. Der Coach musste also mit dem vorhandenen Spielermaterial klarkommen - nun konnte er sich seine Wunschspieler holen. Wir haben einige junge, hungrige Spieler dazu bekommen, und der Trainer arbeitet gerne mit jungen Spielern, um sie mit seiner Erfahrung weiterzubringen. Es war wahrscheinlich einfacher für ihn, die Spieler zu holen, die zu seinem System passen. Deswegen haben wir in diesem Jahr ein neues Gesicht.

SPORT1: Einige Medien berichteten, dass Pesic mit Ihren Leistungen am Ende der letzten Saison nicht zufrieden war, weshalb ihr Platz im Kader der Bayern gefährdet gewesen sei. Haben sie darüber gesprochen?

Troutman: Nein, da gab es keine Gespräche. So ist eben das Geschäft. Er hat mich erst letztes Jahr kennengelernt, so wie ich ihn eben auch. Wir hatten einen Crash-Kurs in der zweiten Saisonhälfte, um einander besser kennenzulernen. Pesic hat seine professionelle Meinung, und ich respektiere das. Ich aber komme bereits in meine neunte Profi-Saison und habe in dieser Zeit schon vieles erlebt - deshalb verstehe ich auch seinen Standpunkt. Man sollte auch den Wunsch des Trainers respektieren - vor allem wenn er versucht, etwas Großes aufzubauen.

SPORT1: Würden Sie sagen, dass Pesic und Sie an dem Punkt sind, an dem Sie einander verstehen und vertrauen?

Troutman: Wir haben nicht wirklich miteinander gesprochen, im Basketball brauchst du auch nicht viel zu reden. Es geht nur um die Leistung und darum, wie effektiv du auf dem Parkett bist. Wie gesagt, ich komme in meine neunte Saison, hatte bisher keine einzige schwache Spielzeit und das habe ich auch nicht vor. Ich bin nämlich ein sehr ehrgeiziger Mensch.

SPORT1: Wird sich Ihre Rolle in der Mannschaft mit den neuen Spielern verändern?

Troutman: Ja, auf jeden Fall. Wir werden zwölf gute Spieler haben und ich werde alles für das Team geben. In meiner ersten Saison und auch am Anfang der zweiten Saison habe ich schon verrückte Dinge in der Halle abgeliefert, so stark werde ich diese Saison wahrscheinlich nicht sein. Aber ich erwarte, wichtig zu sein und in bestimmten Situationen richtig eingesetzt zu werden, um meinem Team helfen zu können.

SPORT1: Auf welcher Position würden Sie gerne spielen?

Troutman: Das ist egal. Die Hauptsache ist, dass ich spiele. Ich komme zum Training und gebe mein Bestes, jeden Tag. Das ist mein Motto. Ich brauche keine Motivation von anderen, ich motiviere mich dafür immer selbst. Und gerade jetzt, mit neuen Spielern wie Deon Thompson und Yassin Idbihi kann man sich nicht ausruhen, sondern muss jeden Tag alles geben. Anders als das vielleicht in der letzten Saison der Fall war. Die neuen Spieler kommen hierher, um hart zu arbeiten, die werden beißen und die kommen, um sich ihren Lohn und die Siege zu verdienen.

SPORT1: Haben Sie sich in der letzen Saison freie Tage gegönnt?

Troutman: Nein, ich war keiner dieser Jungs. Da können Sie das ganze Team fragen. Das sieht man auch. Manchmal sind Spieler verausgabt, müde und können auf hohem Niveau ihre Leistungen nicht bringen. Aber einige von uns kann man in die Waschmaschine oder in den Trockner stecken, und wir werden das verkraften und weiterhin gut sein.

SPORT1: Können Sie etwas zur Situation um Jared Homan sagen, der bei den Bayern keine sportliche Perspektive mehr hat?

Troutman: Das ist etwas, dass der FC Bayern so entschieden hat. Ich kann dazu nicht viel sagen. Aber er ist ein guter Freund von mir, und jetzt gehen wir getrennte Wege. Dennoch werden wir auch weiterhin Freunde bleiben. Ich bin mir auch sicher, dass wir ihn in Zukunft sehen werden. Ich wünsche ihm nur das Beste.

SPORT1: Glauben Sie, dass er dem Team hätte helfen können?

Troutman: Natürlich hätte er helfen können. Aber so ist eben das Geschäft.

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