Malcolm Delaney wurde am 11. März 1989 in Baltimore in den USA geboren © getty

Bayerns neuer Guard Delaney spricht bei SPORT1 über die Annehmlichkeiten als Profi, seine Rolle und die Trauer um "Molly".

Vom FC Bayern berichtet Florian Pertsch

München - Meister mit Elan Chalon in Frankreich, ebenso mit BK Budivelnik Kiew in der Ukraine.

Für Bayern Münchens neuen Guard Malcolm Delaney geht es auf der Karriereleiter seit seinem Abschied vom College nur nach oben.

Nach seinem Senior-Year bei den Virgina Tech Hokies (18,7 Punkte, 4,0 Assists) landete der 1,91-Meter-Guard zunächst in Frankreich.

Neben der Meisterschaft holte der 24-Jährige den Pokal, in der Ukraine wurde er im Jahr darauf zum Most Valuable Player gewählt.

Dank seiner starken Auftritte im Eurocup (16,1 Punkte, 4,3 Rebounds und 2,8 Assists) sprang zusätzlich ein Platz im Team der fünf besten Spieler der vergangenen Eurocup-Saison heraus.

Im SPORT1-Interview spricht die neue Nummer 23 des FC Bayern über die nicht immer selbstverständlichen Annehmlichkeiten des Profi-Daseins, seine Rolle als Guard unter Trainer Svetislav Pesic und die Trauer um Molly.

SPORT1: Herr Delaney, wie sind die ersten Tage in München gelaufen?

Malcolm Delaney: Sehr gut. Wir werden hier wie richtige Profis behandelt. Also im Vergleich zu meinen letzten beiden Jahren.

SPORT1: Wurden Sie denn in den vergangenen zwei Spielzeiten nicht wie ein Profi behandelt?

Delaney: Nein, da sind wir nur zu den Spielen gekommen, und das war es dann. Wir mussten beim Training unsere eigenen Klamotten tragen und sie jeden Tag selbst waschen. Hier kümmert sich der Verein um so etwas. Es sind die kleinen aber wichtigen Dinge. Mein Agent ist gut mit Marko Pesic befreundet und wusste, wie es hier abläuft. Genau so eine Situation wollte ich bei einem europäischen Klub vorfinden.

SPORT1: Hatten denn viele Vereine ein Auge auf Sie geworfen?

Delaney: Nach den zwei erfolgreichen Jahren gab es einige Anfragen, aber bei allen anderen Vereinen wäre meine Rolle nicht optimal gewesen. Ich wollte nicht bis zum Ende des Sommers ohne Klub sein und Bayern wollte mich schon in der letzten Saison holen. Darum haben wir nach dem Angebot aus München sofort gehandelt.

SPORT1: Sie haben also letztes Jahr mit Coach Dirk Bauermann Kontakt gehabt?

Delaney: Nein, das lief über meinen Agenten und Marko. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass Bayern mich damals unbedingt verpflichten wollte. Ich habe da wohl nicht so ins System gepasst. Aber jetzt scheint es zu passen, und genau so habe ich mir das gewünscht.

SPORT1: Sie sprachen über das FCB-System. Wie würden Sie Ihre Rolle bei Bayern definieren?

Delaney: Der Coach sieht mich mehr als Aufbauspieler. Ich kann natürlich punkten, aber in München soll ich meine Kollegen in Szene setzen. Viele Gegner werden sich auf meine Scorer-Fähigkeiten konzentrieren, was mir das Passen erleichtern wird. Letztes Jahr in Kiew habe ich mich in der Rolle als erste Scoring-Option unwohl gefühlt (DATENCENTER: Der Spielplan der Beko BBL).

SPORT1: Sie bekamen also immer den Ball und dann?

Delaney: Richtig, Feuer frei. Es hieß immer: Malcolm, mach einfach. Es gab keine Blöcke mehr, nur noch Isolation-Spielzüge, und das war am Ende der Saison ziemlich hart für mich. Bei Bayern wird es viel leichter.

SPORT1: Es ist interessant, dass Ihnen die Rolle als erste Scoring-Option nicht behagt. In vielen Artikeln über Sie war zu lesen, dass es schwer sein dürfte, Ihnen die Rolle als passorientierter Guard zu vermitteln?

Delaney: Natürlich bin ich ein Scorer, aber ich kann auch die andere Rolle erfüllen. Am College in Virginia bin ich der zweitbeste Assist-Geber aller Zeiten. In der vergangenen Saison war ich aus Mangel an Alternativen gezwungen, zu punkten. Das wird jetzt mit den starken Kollegen viel angenehmer.

SPORT1: Nach den persönlichen Erfolgen und den Meisterschaften in den letzten beiden Spielzeiten, wie groß ist der Sprung vom Eurocup in die Euroleague?

Delaney: Das wird kein Problem. Ich hätte letztes Jahr schon Euroleague spielen können. Ich mache mir da absolut keine Sorgen, ich freue mich auf die Herausforderung. Mit diesem Team können wir einiges erreichen.

SPORT1: Eine letzte Frage noch. Wie geht?s eigentlich Molly?

Delaney: Wem?

SPORT1: Na Ihrem Auto in den USA. Die Fotos bei Instagram sahen nicht so gut aus?

Delaney (lacht): Oh Mann. Das tut echt weh. Das Auto ist wahrscheinlich noch die nächsten acht Wochen in der Werkstatt. Zum Glück kann ich Molly jetzt eh nicht fahren. Aber es tat mir in der Seele weh, als mir bei dem Unfall die andere Person reingefahren ist.

SPORT1: Zum Glück gibt es ja von Bayern ganz gute Dienstautos?

Delaney: Ja, allerdings. Es ist alles cool.

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