Brettcenter Jared Homan war 2011 von Virtus Bologna nach München gewechselt © getty

Der verbannte Center wird von Privattrainern fit für den Wechsel gehalten. John Bryant ist in den Ferien aus der Form gegangen.

Vom FC Bayern berichtet Florian Pertsch

München - Für gewöhnlich wird nach sehr enttäuschenden Spielzeiten der Kader komplett umgekrempelt.

Beim FC Bayern Basketball wird die Kader-Schere auch nach einem sportlich halbwegs zufriedenstellenden Jahr angesetzt.

Acht neue Spieler stehen im Kader der Münchner, nur Steffen Hamann, Demond Greene, Robin Benzing und Chevon Troutman sind aus der letzten Beko-BBL-Saison noch übrig. (Spielplan Beko BBL).

Für Center Jared Homan, der bei Trainer Svetislav Pesic keine Rolle mehr spielt und weiter einen Verein sucht, wurde gar eine eigene "Hoffenheim-light" Trainingsgruppe gebildet - wesentlich kleiner als die 1899-Aussortiertengemeinschaft um Keeper Tim Wiese.

Homan soll fit für Transfer bleiben

"Jared trainiert mit zwei Trainern zwei Mal am Tag ", erklärte Pesic das Prozedere mit Homan gegenüber SPORT1.

Warum das nicht mit dem restlichen Team stattfinden kann, hat einen einfachen Grund: "Wir wollen kein Kontakttraining, damit er sich nicht verletzt. Er soll sich fit halten, denn falls morgen ein Verein für ihn anruft, soll er direkt zum medizinischen Test."

Selbst wenn Homan sobald keinen neuen Verein finden sollte, scheinen die Tage für ihn bei Bayern gezählt.

"Wir haben nun mal die 6+6 Regel in Deutschland, und wenn wir einen Spieler wie John von seinem Agenten angeboten bekommen, wären wir verrückt, wenn wir das ablehnen würden. Als zweiten Center wollten wir einen Deutschen, das ist Yassin Idbihi", führte Pesic aus.

Bryant hat zugelegt

Mit John ist "Big John" Bryant, zweimaliger MVP der Beko BBL, gemeint, der im Sommer von ratiopharm ulm nach München gewechselt ist.

Zu seinen Ulmer Zeiten galt der US-Center als nicht komplett austrainiert - seine derzeitige physische Verfassung wäre mit jener Bezeichnung äußerst geschönt.

Pesic formulierte den Fitness-Grad des 2,11-Meter-Hünen (laut BBL-Homepage 127kg) wie folgt: "Er ist ein ungewöhnlicher Spieler. Aber er kann sein Gewicht gut einsetzen."

Dauerläufe in Bruneck

Serbische Höflichkeit, die im Trainingslager in Bruneck auf 1200 Meter in serbisches Trainingsfeuer umschwenken wird.

"Vormittags wird es Dauerläufe geben, und am Abend geht es in die Halle. Da werden die Spieler genug Möglichkeiten haben, an ihrer Fitness zu arbeiten ", prophezeite Pesic.

Wer den 63 Jahre alten Trainer kennt weiß, dass dies keine leeren Versprechungen sind.

Vielleicht klappt es dann nach dem Trainingslager für Bryant auch mit einer Stretching-Matte im Format des restlichen Kaders, denn nur ?Big John? musste beim Medientraining auf die rote Variante mit Extragröße ausweichen.

Pesic mit Seitenhieb für ALBA

Für die Rivalen aus Berlin hatte Pesic bei der Pressekonferenz auch noch ein paar nette Worte übrig.

"Seit ich im deutschen Basketball tätig bin, suchen die anderen Teams immer ein Alibi. Meine Freunde von ALBA wissen, dass Geld keine Titel gewinnt. Egal welcher Sport, ob Ping Pong oder Tischtennis", erklärte der Serbe.

Auch die Berliner Ansage, Bayerns Scouting ? nach vier verpflichteten ALBA-Spielern - sei nicht besonders innovativ, konterte Pesic souverän.

"Ich habe vielleicht nicht alle Bücher gelesen und nicht alle Filme gesehen. Aber ich kenne alle Spieler. Ich habe als FIBA-Mentor Trainer in 52 Ländern, die mich informieren ", stellte Pesic fest und gab sogleich ein paar Beispiele: "Nihad Djedovic ist mein Spieler. Ich habe ihn zu Barcelona gebracht. Agenten rufen mich an und fragen mich über ALBA aus."

Ein Titel ist nicht genug

Nicht nur Neuzugang Djedovic stand Pesic mit Rat und Tat zur Seite: "Auch ein Robin Benzing hat mich vor seinem Wechsel zu Ulm gefragt: 'Coach, wie lange soll ich in Ulm bleiben? Ist das ein guter Wechsel?' Deon Thompson kenne ich seit seinem ersten Jahr in North Carolina am College."

Gewohnt markige Sprüche, die in einer selbstbewussten Zielsetzung für die kommende Saison mündete.

"Wir wollen auf deutscher Ebene alles gewinnen", lautete die knappe Kampfansage an die restliche Liga und auch in Europa wolle man nicht nur mitspielen.

"Wie ein Freiwurf in ausverkaufter Halle"

"Wir wollen eine Message an den europäischen Basketball schicken", erklärte Pesic vor dem ersten Auftritt in der Euroleague.

Auch im Bezug auf die Zielsetzung hatte der Serbe noch einen lockeren Spruch auf den Lippen.

"Natürlich verspüre ich Druck von Seiten des Vereins. Aber das ist wie bei einem Freiwurf in ausverkaufter Halle - da bist du auch allein und keiner kann dir helfen."

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