Pat Elzie ist seit 2009 Trainer bei Beko-BBL-Aufsteiger RASTA Vechta © getty

Coach Pat Elzie erklärt bei SPORT1, für welche Tugenden RASTA steht, wer "Die Marleys" sind und was die Großklubs erwartet.

Von Florian Pertsch

München - Exoten beleben das Geschäft, ganz egal ob in der Wirtschaft oder im Sport.

Mit RASTA Vechta stürmt ein Paradebeispiel in die Beko BBL. Das Team aus Niedersachsen stieg von der ProB über die ProA direkt in die Bundesliga auf und will nun im Oberhaus für Furore sorgen (Spielplan Beko BBL).

Coach Pat Elzie ist seit 2009 bei RASTA am Ruder und bringt seine langjährige Erst- und Zweitligaerfahrung als Spieler und Trainer mit.

Etablierte Teams das Fürchten lehren

Im Interview mit SPORT1 beschreibt der 52-jährige US-Amerikaner den wohl einmaligen Verein und erklärt, was das Besondere an seiner Mannschaft ist.

SPORT1: Herr Elzie, wie fühlt es sich an, diesen fast schon legendären Klub zu trainieren?

Pat Elzie: Es ist sehr schön. Seit ich hier bin, kann ich nur positiv darüber berichten. Wir hatten mit den Aufstiegen in den letzten Jahren viel Erfolg, das Umfeld unterstützt uns toll. Die Marke RASTA Vechta ist vom "No Name" zu einem Gesprächsthema in ganz Deutschland geworden.

SPORT1: Vielen Leuten ist beim Teamnamen RASTA Vechta gar nicht bewusst, dass RASTA kein Sponsor ist. Was ist das Spezielle an RASTA Vechta?

Elzie: Rasta ist kein Lebensstil - sondern eine Marke. Diese Marke steht für die typische Süd-Oldenburgische Tugenden wie Bodenständigkeit, Fleiss und Zusammenhalt aber auch Spaß und Begeisterung. Als der Verein gegründet wurde, haben die Verantwortlichen sicher auch nicht geglaubt, dass es so weit geht. Es war ja mehr als witziger Name gedacht und kommt von ein paar Jungs aus den 70er Jahren, die ein bisschen Bier getrunken haben und Reggae-Musik gehört haben. Unser Betreuer Guido Lammers machte den Vorschlag. Und ich muss sagen: Es klingt. Auch unsere Cheerleader tragen den Namen "Die Marleys".

SPORT1: Wie schwer ist es für Vechta im Spannungsfeld zwischen den Artland Dragons und Vizemeister Oldenburg zu bestehen?

Elzie: Bis jetzt waren wir ja immer der kleine Bruder, jetzt spielen wir zumindest auf dem gleichen Level. Basketball ist der Boom-Sport, wir waren in den letzten Jahren immer ausverkauft und das wird auch in Zukunft so sein. Jeder Verein steht für einen eigenen Basketball-Stil, wir werden uns die Fans nicht gegenseitig wegnehmen. Und die Derbys sind eine absolute Bereicherung.

SPORT1: Sie haben den Stil angesprochen. Was wird Vechta der Bundesliga geben?

Elzie: Meine Philosophie ist klar offensiv orientiert, viele Fastbreaks durch harte Verteidigung. Ich will gutes Teamplay sehen.

SPORT1: Ist die BBL-Saison für Vechta bloß ein Abenteuer?

Elzie: Auch wenn der Aufstieg sehr überraschend kam und es nicht geplant war, wollen wir uns als Verein in der Bundesliga etablieren. Sollten wir aber es nicht schaffen, dies zu halten, ist es für uns nicht das Ende der Welt.

SPORT1: Point Guard Richie Williams war in der vergangenen ProA-Saison der Spieler des Jahres. Wie wichtig war es, ihn zu halten?

Elzie: Wir haben die ganze Mannschaft, also auch Dirk Mädrich, AJ Rudowitz und all die anderen gehalten. Diese Kontinuität ist wichtig, um andere Dinge zu kompensieren, die man nicht hat. Wir werden nächstes Jahr den kleinsten Etat der Liga haben. Richie will jetzt beweisen, dass er es auch in der Bundesliga schaffen kann. Er ist richtig heiß.

SPORT1: Als Aufsteiger mit kleinem Etat, wie schwer war es den kompletten Kader zusammenzuhalten?

Elzie: Überhaupt nicht schwer. Die Jungs wissen, was sie an RASTA haben. Es sind keine Millionenverträge aber es ist gutes Geld ? und es kommt pünktlich.

SPORT1: Der Ex-Nationalspieler Dirk Mädrich ist der älteste Spieler im Team und hat bereits Bundesliga-Erfahrung. Ist er der Leitwolf?

Elzie: Auf eine gewisse Art ja, aber er steht über keinem anderen Spieler. Das würde nicht seiner Persönlichkeit entsprechen. Ich kenne Dirk seit zehn Jahren. Es war damals nicht leicht, ihn zu überreden, in die ProB zu kommen. Aber ich habe im versprochen, in zwei Jahren spielen wir in der Bundesliga, und Gott sei Dank hat das auch geklappt.

SPORT1: Vechta ist nicht gerade der Nabel der Welt. Müssen Sie bei Verhandlungen mit neuen Spielern eine Landkarte mitnehmen, um den Jungs zu zeigen, wo Vechta überhaupt liegt?

Elzie (lacht): Ja, so in der Art läuft das ab. Es wissen wenige, wo Vechta liegt, und ich glaube, auch Bayern München und ALBA Berlin müssen erst mal die Landkarte herausholen. Aber sie werden uns kennenlernen.

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