Vechta machte im ProA-Halbfinale gegen Karlsruhe den Bundesliga-Aufstieg klar © intern

Von der Sekte zur Marke: Vechta will mit Bob Marleys Geist die Beko BBL aufmischen. Die Parties steigen schon vor den Partien.

Von Florian Pertsch

München - Hinter Vereinsgründungen stecken teils die verrücktesten Geschichten.

Auswanderer fern der Heimat, Studenten mit der gleichen Leidenschaft oder Betriebssportgruppen können die Keimzelle eines zukünftigen Weltvereins sein.

In der Beko BBL gibt es zur kommenden Saison ein neues Kapitel zu diesem Thema: RASTA Vechta.

Denn das RASTA im Vereinsnamen steht nicht für irgendeinen Sponsor, sondern drückt die Liebe zur Musik und einer Lebenseinstellung aus.

"Rastaman vibration, yeah! Positive!"

Werner Themann, 2. Vorsitzender des Vereins und eines der Gründungsmitglieder, beschreibt bei SPORT1 die Entstehung als launigen Findungsprozess zu später Stunde.

"Bei Pils und guter Musik kamen diverse Vorschläge auf den Tisch wie z.B. Kosmos oder Lokomotive. Der Name sollte sich jedenfalls von den etablierten Vereinen abheben. Aus den Boxen dröhnte Bob Marleys Song 'Positive Vibration', in dem es u.a. heißt: 'Rastaman vibration, yeah! Positive!'. Da kam aus der Runde der Vorschlag, RASTA als Namen zu nehmen - und die Geschichte nahm ihren Verlauf", erinnert sich Themann.

Aus der fixen Idee wird in der Kleinstadt mit gut 33.000 Einwohnern am 26. Juni 1979 der SC RASTA Vechta.

Mit einer Sekte verwechselt

Auf direkte Gegenliebe stieß man damals aber nicht überall.

"In den Anfangszeiten wurde sogar einmal in der lokalen Presse gemutmaßt, dass es sich um eine Sekte handelt", erklärt Themann die kleinen Startschwierigkeiten des Vereins.

Mittlerweile hat sich das massiv geändert, und die Basketballer des SC RASTA sind mit Trainer Pat Elzie das Aushängeschild der Stadt.

"Der Verein hat etwas gebraucht, um letztlich zu den etablierten Klubs in der Region zu gehören. Mit den Erfolgen der letzten Jahre ist natürlich auch die Euphorie rund um den Klub, die Spiele und die Party vor und nach den Spielen gewachsen. Heute ist RASTA sicherlich ein sportliches, aber auch gesellschaftliches Highlight in der Region", beschreibt Themann den Aufstieg des Vereins

Zu Hause im Basketball-Bermudadreieck

Vechta bildet mit den Artland Dragons sowie Vizemeister EWE Baskets Oldenburg das niedersächsische Basketball-Bermudadreieck und hat sich nach Meinung von Erfolgscoach Pat Elzie in den Köpfen der Basketball-Fans bereits festgesetzt.

"RASTA ist ein Lebensstil - und mittlerweile eine Marke. RASTA Vechta ist vom "No Name" zu einem Gesprächsthema in ganz Deutschland geworden", erklärt der bundesligaerfahrene Trainer im Gespräch mit SPORT1.

Nach zwei Aufstiegen steht jetzt das Abenteuer Bundesliga bevor. Ein einjähriges Intermezzo soll die BBL aber trotz Mini-Etat dennoch nicht werden.

"Es ist ein tolles Erlebnis, dem wir entgegenfiebern. Wir wissen natürlich, dass es ein Abenteuer ist. Wir sind uns aber sicher, dass es aus RASTA-Sicht ein insgesamt positives Erlebnis werden wird, egal wie es sportlich ausgeht. Dennoch wäre ein direkter Wiederabstieg sicher auch eine Enttäuschung für uns", gibt sich Themann kämpferisch.

Kader bleibt zusammen

Der Kader Vechtas blieb weitestgehend der gleiche, bis auf Corey Hassan (Karriereende) gehen alle Spieler der Vorsaison auch dieses Jahr wieder auf Korbjagd für die RASTA-Truppe.

Center Dirk Mädrich spielt ebenso weiter unter Coach Elzie, wie Guard Richard Williams, Pro-A-Spieler der Saison 2012/13, oder Forward AJ Rudowitz.

Als Neuzugang konnte das Center-Talent Oliver Mackeldanz aus Cuxhaven verpflichtet werden, der sich allerdings in der Vorbereitung den Mittelfuß brach und erst Ende Oktober wieder einsatzbereit ist.

Ähnlichkeiten zum MVP

Hinzu kommt Small Forward Max Weber von den zunächst abgestiegenen Ludwigsburgern - durch eine Wildcard in der Beko BBL geblieben - sowie die US-Boys Isaac Butts und Dylan Talley.

Besonders Butts erinnert rein körperlich an einen Ex-BBL-Import, der im Verlauf seiner Karriere in Deutschland für mächtiges Aufsehen sorgte.

Mit 2,08 Meter und happigen 138 Kilo ist eine Ähnlichkeit zum zweifachen MVP John Bryant, zumindest am Start seiner Bundesliga-Karriere, nicht von der Hand zu weisen.

Bis zum 3. Oktober hat Coach Elzie noch Zeit, den Zonen-Brocken in Form zu bekommen, denn dann startet die RASTA-Saison in Trier (Spielplan Beko BBL).

Weiterlesen