Ex-Nationalspieler Marko Pesic ist seit Sommer 2011 Sportdirektor beim FC Bayern © getty

Vier von acht Neuen sind Berliner: Für Marko Pesic völlig abwegig, dem FCB Absicht zu unterstellen, wie er SPORT1.fm erklärt.

Von Annette Bachert

München - Das Logo leuchtet blau-gelb. Blau-gelb wie ALBA Berlin.

Die weiße Schrift auf rotem Hintergrund - blau-gelb. Das bayrische Rautenmuster - blau-gelb.

Auch wenn sich mit dieser Aktion ein Basketball-Fan nur einen Spaß erlaubte, muss sich der FC Bayern diesen hübsch verpackten Seitenhieb gefallen lassen.

Mit den Verpflichtungen von Deon Thompson am Freitag (News) und Heiko Schaffartzik am Donnerstag (News) präsentierten die Münchner Basketballer bereits ihre Neuzugänge sieben und acht - nach Yassin Idbihi und Nihad Djedovic ihren dritten und vierten aus der Hauptstadt.

"Reiner Zufall", wie FCB-Sportdirektor Marko Pesic im Sportradiosender SPORT1.fm versichert: "Wenn ich das jetzt so analysiere - auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen."

Kein Angriff gegen Berlin

Der Vorwurf, den sich die Fußball-Abteilung seit Jahren gefallen lassen muss, dass sich die Bayern verstärken indem sie andere Teams schwächen, ist nun eigentlich nicht mehr von der Hand zu weisen.

Doch Pesic hat eine andere Erklärung dafür.

"Die Spieler, die wir verpflichtet haben, waren vertraglich nicht gebunden und passen gut in das System, dass der Trainer spielen will. Das hat nichts mit ALBA Berlin oder einer anderen Mannschaft zu tun", behauptet Pesic steif und fest.

Halbes Team mit Berliner Hintergrund

Dass ein Großteil der Münchener Basketball-Abteilung einen Berliner Hintergrund hat, ist aber Fakt.

Neben den aktuellen Wechslern hatten auch Lucca Staiger, Bryce Taylor, Steffen Hamann, Demond Greene, Talent Mauricio Marin sowie Trainer Svetislav Pesic, Assistent Emir Mutapcic, Geschäftsführer Pesic und Team-Betreuer Eike Marx früher einen Job bei den "Albatrossen".

"Zur Sicherheit haben wir unser Maskottchen den Albatros schon angekettet", witzelt ALBAs Sportdirektor Mithat Demirel in der "B.Z" und verdeutlicht damit aber, dass den Berlinern dieser Aderlass doch ein wenig schmerzt.

Finale das große Ziel

Doch die Münchener haben in der kommenden Saison Großes vor - egal, was andere denken.

Ob nun mit Ex-Berlinern oder bayrischen Urgesteinen, die Bayern "wollen voll angreifen", wie Pesic verrät.

"Wir sind letztes Jahr knapp, wenn nicht sogar unglücklich, am Endspiel gescheitert. Nun wollen wir dort unbedingt hin", gibt Pesic das Ziel vor.

Großer Respekt vor ALBAs Kader

Doch auch die Konkurrenz hat nicht geschlafen, vor allem ALBA habe sich laut Pesic "super verstärkt. Sie haben sehr gut gescoutet".

Gleiches gelte für die Vorjahresfinalisten.

"Bamberg wird wieder einen tollen Kader haben. Oldenburg ist fast mit derselben Mannschaft unterwegs", fügt Pesic an: "Die Liga ist insgesamt besser geworden."

Dreifach-Belastung für FCB

Aber vor allem hat der FC Bayern an Qualität dazugewonnen.

Mit der Dreifach-Belastung, die Pesic und Co. in der kommenden Saison mit Liga, Pokal und Euroleague - im Gegnsatz zu ALBA - kompensieren müssen, ist ein breiterer Kader auch nötig.

Jagla bald ein "Albatros"?

Wer allerdings in der kommenden Saison offenbar nicht mehr für die Bayern auf Punktejagd gehen wird, ist Nationalspieler Jan-Hendrik Jagla.

Nach Informationen der "B.Z." sollen die Bayern dem Schwiegersohn von Trainer Pesic kein neues Angebot gemacht haben - und Berlin ein Auge auf den Power Forward geworfen haben.

"Jagla ist interessant. Er könnte eine Option sein", sagt Berlins Headcoach Sasa Obradovic.

Wiedergutmachung für ALBA-Raubzug?

Doch diesen Abgang, hält man die Neuzugänge dagegen, sollten die Bayern locker und leicht verschmerzen können.

Und vielleicht könnte dieser Wechsel Kritiker ein wenig besänftigen - auch wenn alles nur "reiner Zufall" ist.

Weiterlesen