Patrick Femerling bewertet in seiner Kolumne die Nachverpflichtungen der Top-Teams. Dass Bayern nicht nachrüstet, versteht er.

Hallo Basketball-Freunde,

In den letzten Tagen haben vier Top-Teams der Beko BBL noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen.

Ob alle einschlagen werden, ist aber noch längst nicht gesagt.

ALBA Berlin hat mit Ali Traore einen Mann geholt, der international sehr erfahren ist, auch schon Euroleague gespielt hat. Aber man muss sehen, wie fit er ist und ob sein Knie hält. Wegen einer Patellasehnenverletzung hat er fünf Monate lang kein Spiel absolviert.

Auch die Ulmer Verpflichtung birgt Risiken. Nach der Rückenverletzung von Dane Watts, der bis zum Saisonende ausfällt, soll der 2,11 m große und 120 kg schwere Center Omar Samhan John Bryant entlasten und den Ulmern mehr physische Präsens unter dem Korb geben. Allerdings verpasste der 24-Jährige die komplette vergangene Saison wegen eines Kreuzbandrisses und hat seitdem keine Pflichtspiele bestritten.

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Dagegen ist Bambergs Neuzgang Matt Walsh wohl sofort einsatzbereit. Mit ihm haben die Franken einen echten Scorer verpflichtet. Ich habe ihn im Eurocup schon gesehen. Der kann Punkte ans Brett bringen und ist wirklich schwer zu bändigen. Mit fast 20 Punkten und zehn Rebounds pro Partie ist er in der belgischen Liga schon der größte Fisch gewesen.Bei ihm ist die Frage, wie er defensiv zum Team passt.

Die Verpflichtung ist dennoch absolut nachvollziehbar. So haben sie neben Bostjan Nachbar einen weiteren Forward, der für viele Punkte sorgen kann. Je nachdem, wie sich Matt jetzt präsentiert, ist das schon eine Ansage, dass sie ihren Titel verteidigen wollen.

Auch Oldenburgs Neuer kann dem Team sofort helfen. Abdul Hamid ist ein alter Bekannter. Er spielte schon von September bis November 2012 für die Oldenburger. Hamid ist ein guter Verteidiger, der immer Energie auf das Spielfeld bringt. Er ist mit dem System vertraut und sollte keine lange Eingewöhnungsphase brauchen.

Die Bayern haben sich dagegen zurückgehalten und damit wohl die richtige Entscheidung getroffen. Das spielerische Potenzial ist dort ja da. Die Frage ist nur, ob die Spieler das auch abrufen können und bereit sind, sich aufzuopfern. In den letzten Wochen hat man gesehen, dass sie dazu bereit sind, noch mehr zu geben und noch besser zu spielen. Da die Bayern auch keine großen Verletzungssorgen haben, brauchen sie jetzt sicherlich keinen Spieler in einer Panikaktion zu holen.

Wenn jemand da ist, der ihnen hilft, dann ist die Möglichkeit noch gegeben. Aber momentan brauchen sie keinen, dessen Integration womöglich wieder für neue Unruhe bei den Bayern sorgt. Sie haben jetzt ihren Rhythmus gefunden. Daran ändert auch die Niederlage am Wochenende in Bremerhaven nichts. Die Gegner sind gegen die Bayern immer doppelt und dreifach motiviert. Da kann man schon mal ein Spiel verlieren.

Der Freiwurf-Airball von Jared Homan in diesem Spiel war allerdings eine eher ungewöhnliche Aktion. Danach sollte man eigentlich den Eindruck erwecken, als hätte man Wasser oder Öl an den Händen, um das zu erklären.

In dem Moment ist das natürlich schon unangenehm. Aber am Ende des Tages ist es aber wohl doch ärgerlicher, dass der Punkt fehlt.

Bis bald,

EuerPatrick Femerling

Patrick Femerling, geboren 1975, ist aktuell mit 221 Einsätzen von 1996 bis 2009 Rekordspieler in der deutschen Nationalmannschaft. Mit dem DBB-Team gewann er WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005. Er wurde Meister und Pokalsieger in Deutschland, Spanien und Griechenland.

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