Demond Greene stieg zusammen mit Dirk Nowitzki und Würzburg 1998 in die BBL auf © imago

Bei SPORT1 spricht der Bayern-Profi über seine Rolle bei Pesic und seine DBB-Karriere. Beim Faktor Alter widerspricht er Hoeneß.

Von Michael Spandern

München - Demond Greene und Dirk Nowitzki sind gute Kumpels.

Gemeinsam haben die beiden in Würzburg und in der deutschen Nationalmannschaft gespielt. Der 33-Jährige hält enorm viel vom ein Jahr älteren Superstar der Dallas Mavericks - und widerspricht deshalb sogar seinem obersten Boss beim FC Bayern, Uli Hoeneß.

Der ist der Meinung, dass Nowitzki noch drei oder vier Jahre in der NBA spielt, "bis er eigentlich nicht mehr richtig spielen kann. Und dann macht es relativ wenig Sinn, ihn hier als großen Leistungsträger zu sehen".

Für Greene dagegen wäre Nowitzki auch dann noch eine Bereicherung für die Beko BBL.

Vor der Partie in Bremerhaven (Sa., ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) spricht Demond Greene im SPORT1-Interview über seine Rolle bei den Bayern, Coach Svetislav Pesic, seine Karriere im Nationalteam und gemeinsame Zeiten mit Nowitzki.

SPORT1: Herr Greene, in vier der letzten fünf Partien haben Sie länger als 17 Minuten gespielt. Was haben Sie Svetislav Pesic zum orthodoxen Weihnachtsfest am 7. Januar geschenkt? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Demond Greene: Gar nichts! Ich glaube nicht, dass ich das muss, um zu spielen. Anfangs war es für mich schwierig, mich an meine Rolle zu gewöhnen. Ich habe aber versucht, im Training all das umzusetzen, was der Coach möchte. Harte Arbeit und Durchhaltevermögen werden am Ende belohnt. Ich glaube, dass ich meine Chance zuletzt genutzt und der Mannschaft vor allem in der Verteidigung geholfen habe.

SPORT1: Welche Rolle genau hat Ihnen Pesic zugewiesen?

Greene: Er kennt meine Stärken und weiß, dass ich mit meiner Erfahrung und meiner Verteidigung gewissen Spielern das Leben schwer machen kann. Und in der Offensive hat er mir gesagt, ich soll die offenen Würfe auch ohne zu zögern nehmen.

SPORT1: Welchem Bremerhavener sollen Sie am Samstag das Leben besonders schwer machen?

Greene: Da der Coach gerne rotiert, möchte ich noch nicht davon ausgehen, dass ich in der Starting Five stehe - daher weiß ich noch nicht, gegen wen ich die meiste Zeit über spiele. Mit Burrell, Harris und Jackson haben die Eisbären drei Spieler auf den Positionen, die ich verteidige, die wir im Hinspiel gut im Griff hatten. Aber vorige Woche in Berlin hat Burrell alleine 20 Punkte erzielt, er ist ihr Topscorer und steht daher ganz oben auf unserer Liste.

SPORT1: Die Bayern haben nach dem Trainerwechsel 85 Prozent ihrer Beko-BBL-Spiele gewonnen. Bei Pesic-Vorgänger Yannis Christopoulos lag die Quote bei 50, vorige Saison unter Dirk Bauermann bei 62 Prozent. Was ist der Hauptgrund für den Aufschwung?

Greene: Ich will gar keine Vergleiche ziehen, das bringt uns nicht weiter. Pesic ist sehr selbstbewusst und versteht es, dieses Selbstbewusstsein an die Spieler weiterzugeben. Das ist das A und O beim Basketball.

SPORT1: Bei seiner Vorstellung wurde das Ziel ausgegeben, um den Titel mitzuspielen. Muss es nach den Siegen gegen ALBA und in Bamberg nicht Ziel sein, den Titel auch zu holen?

Greene: Ein Sieg während der Saison gegen Berlin oder in Bamberg hat noch nicht viel zu bedeuten. In den Playoffs müssen wir eine Serie gewinnen. Ich möchte unsere Leistung aber nicht kleinreden - das waren Statement-Spiele. Und wenn wir auch in Quakenbrück und Oldenburg Siege einfahren, haben wir gute Karten, solche Teams auch in einer Serie zu schlagen.

SPORT1: Profitiert der FCB momentan auch davon, keine Europapokal-Spiele unter der Woche zu haben und da wie ALBA und Bamberg eventuell an Selbstbewusstsein einzubüßen?

Greene: Wir profitieren von unserem Kader mit einer guten Bank. Bamberg hat doch in den letzten Jahren auch international gespielt und trotzdem dominiert.

SPORT1: Sie haben im vorigen Sommer auch mit Rücksicht auf ihren Körper eine Auszeit vom Nationalteam genommen. Wie hat sich das körperlich ausgewirkt?

Greene: 2012 habe ich eher ausgesetzt, um die Zeit mit meiner Familie zu genießen und mal abzuschalten. 2011 ging es darum, meinen Achillessehnen-Riss auszukurieren. Körperlich war ich bereits in der vorigen Saison 100prozentig auf der Höhe, das hat man glaube ich in der Bundesliga und auch im Eurocup gesehen.

SPORT1: Hat Ihnen Bundestrainer Frank Menz signalisiert, dass Sie sich Hoffnungen auf die EM im September machen können?

Greene: Ich habe mit Frank Menz gar nicht gesprochen und bin auch keiner, der ihn anrufen muss, um zu sagen: Ich bin fit. Der Bundestrainer hat sich seine Vorstellungen gemacht, und ich glaube, dass er mit allen, die er im Kader haben möchte, schon gesprochen hat. Wenn er anruft, können wir gerne reden, aber dann ist es immer noch meine Entscheidung.

SPORT1: Aber das Vorrunden-Aus bei der WM 2010 wäre doch ein unschöner Abschluss Ihrer Zeit im Deutschland-Trikot.

Greene: Natürlich kann man das Negative herausgreifen. Aber im Ganzen hatte ich eine sehr gute Karriere in der Nationalmannschaft: ich habe EM-Silber geholt, mich zweimal für die WM qualifiziert und war bei Olympia. Ich habe über 100 Länderspiele gemacht, jedes mit Herzblut. Damit muss ich mich nicht verstecken!

SPORT1: Ihre Bundesliga-Karriere haben Sie 1998 in Würzburg mit Dirk Nowitzki begonnen. Wie groß ist Ihre Hoffnung, sie irgendwann einmal mit Nowitzki zu beenden?

Greene: Da mache ich mir keine Hoffnung. Ich habe mit ihm viele Siege gefeiert, wir waren oft zusammen frustriert nach Niederlagen, haben viele Sommer gemeinsam mit Holger Geschwindner trainiert. Natürlich würde es mich freuen, wenn es sich irgendwann zufällig ergibt, dass wir noch mal zusammenspielen. Aber darauf will ich mich nicht versteifen.

SPORT1: Sie kennen Nowitzki gut und sind in einem ähnlichen Alter: Glauben Sie, dass er von seiner Leistung her in drei Jahren noch eine Bereicherung für die Bundesliga wäre?

Greene: Auf jeden Fall. Wenn man sieht, wie viele Spieler auch mit 37 oder mehr Jahren noch auf extrem hohem Niveau in der NBA spielen - wie Steve Nash oder Ray Allen? Und die haben eine noch höhere Belastung mit 82 Saisonspielen und all den Flügen. Wenn man auf seinen Körper achtet, spielt das Alter keine so große Rolle.

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