Thorsten Leibenath sitzt seit 2011 auf der Trainerbank von ratiopharm Ulm © getty

Vor der Partie in Bonn spricht Ulms Trainer Thorsten Leibenath bei SPORT1 über den Gegner und seine Ausbrüche an der Seitenlinie.

Von Michael Spandern

München - Er ist Ulms Erfolgsgarant: Seit Thorsten Leibenath im Mai 2011 den Trainerposten übernahm, hat sich ratiopharm Ulm in der Spitzengruppe der Beko BBL etabliert.

Erst in den Finals wurde der Höhenflug von Serienmeister Brose Baskets Bamberg gestoppt. Für diese starke Leistung wurde Leibenath er zum Trainer des Jahres gewählt.

Mit großem Engagement an der Seitenlinie lebt Leibenath seiner Mannschaft die Leidenschaft vor, die für solche Topleistungen vonnöten ist - auch wenn er sich dafür mal mit den Schiedsrichtern anlegen muss.

Auch in dieser Saison ist Ulm auf Playoff-Kurs, steht aktuell nach 20 Spielen auf dem zweiten Platz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vor der Partie bei den Telekom Baskets Bonn (Sa., ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM), die mit 20:20 Punkten auf Platz 7 liegen, spricht Thorsten Leibenath im SPORT1-Interview über Ulms Charakter, Bonns Knackpunkt, sein Temperament und das geplatzte Engagement von Center Cusworth.

Auf Starter Allan Ray muss er allerdings verzichten, da der Shooting Guard wegen einer Tätlichkeit beim Pokalsieg gegen Trier mit einer Sperre für ein Pflichtspiel sowie einer Geldbuße in Höhe von 2.300 Euro belegt wurde.

SPORT1: Herr Leibenath, Ihr Team ist souverän ins Pokal-Top-Four marschiert, hat die Bayern bezwungen und im Eurocup das mit Stars gespickte Galatasaray zerlegt. Was tun Sie, um die Spannung vor dem Auftritt beim Durchschnittsteam Bonn hoch zu halten?

Thorsten Leibenath: Zunächst einmal ist Bonn in unseren Augen kein Durchschnittsteam. Dass wir das Hinspiel verloren haben, wird bei uns genug Motivation freisetzen. Unsere Mannschaft ist auch so gestrickt, dass ihr egal ist, wer der Gegner ist.

SPORT1: Ihr Team hat gegen Ludwigsburg, in Frankfurt und in Gießen Pflichtsiege verpasst. Fällt die Heimpleite gegen Bonn auch in diese Kategorie?

Leibenath: So etwas wie Pflichtsiege gibt es für uns nicht, das wäre respektlos dem Gegner gegenüber. Diese Saison hat wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, dass jeder jeden schlagen kann. Die Heimniederlage hat uns geärgert, zumal nach Verlängerung, weil wir grundsätzlich eine sehr heimstarke Mannschaft sind.

SPORT1: So richtig heimstark ist Ihr Team aber in dieser Saison nicht, zumindest ist die Bilanz auswärts besser. Welche Bedeutung hat es da noch, Platz 2 - der den Heimvorteil auch im Halbfinale bedeuten würde - zu verteidigen?

Leibenath: Wir wollen uns erst mal für die Playoffs qualifizieren, da sind wir auf einem guten Weg. Zwischen Platz 2 und 6 ist es sehr eng ist. Wir haben in den Playoffs 2012, als wir ohne Heimniederlage in die Finals eingezogen sind, gemerkt, wie wichtig eine gute Platzierung ist.

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SPORT1: Wenn sie sich aussuchen könnten, welchen Bonner Ulms Abwehr am Samstag richtig entnerven würde, wer wäre das und warum?

Leibenath: Natürlich Jared Jordan. Das ist Bonns Dreh- und Angelpunkt, ihn müssen wir aus dem Spiel nehmen. Aber wir wissen, dass dies schwierig bis unmöglich ist. Im Hinspiel ist er nicht nur als Passgeber, sonder auch als Scorer in Erscheinung getreten. Wenn es uns gelingen sollte, eine von beiden Stärken einzuschränken, dann ist das gut.

SPORT1: Wie sehr kann Per Günther dabei helfen, der ja im vorigen Liga-Spiel in Trier umgeknickt ist und nach der Halbzeit nicht mehr zum Einsatz kam?

Leibenath: Ich gehe davon aus, dass die zwei Tage Pause nach dem Pokalspiel dazu beitragen werden, dass er wieder fit wird.

SPORT1: Sie sind einerseits Trainer des Jahres in der Beko BBL. Andererseits bekamen Sie im Dezember von der Liga eine 1500-Euro-Strafe aufgebrummt, weil sie laut Bericht beim Heimspiel gegen Bamberg wild gestikulierend auf das Spielfeld gerannt sind und im Kabinengang den Schiedsrichtern hinterher geschrien haben. Sind Sie der Jürgen Klopp der BBL?

Leibenath: Ich werde den Teufel tun, mich mit Jürgen Klopp zu vergleichen. Ich bin auch nicht der erste Trainer, der in dieser Form von der Liga abgemahnt wurde. Es war eine Entscheidung der Liga, die ich zu akzeptieren habe. Ich bin ein insgesamt emotionaler Trainer. Mir ist wichtig, dass ich die Leidenschaft, die ich von den Spielern einfordere, auch selbst an der Seitenlinie bringe.

SPORT1: Hat der Verein die Summe für Sie bezahlt?

Leibenath: Die Lösung, die wir bei der Strafe gefunden haben, möchte ich ungern preisgeben.

SPORT1: Keine zwei Monate später reden Sie im Spiel gegen die Bayern bereits nach vier Minuten so energisch auf die Schiris ein, dass es ein Technisches Foul setzt. Nach der Partie sagen Sie, die Refs hätten anschließend gut gepfiffen. Wie viel Wut und wie viel Kalkül steckt in ihrer Kommunikation mit den Refs?

Leibenath: Ich war mit der Vielzahl der Pfiffe nicht einverstanden und da ist es meine Aufgabe, dies zum Ausdruck zu bringen. Dass ich damit automatisch das Risiko eingehe, ein Technisches Foul zu kassieren, ist mir bewusst. Das nimmt man als Trainer aber bewusst in Kauf.

SPORT1: Am Mittwoch gab Ulm den völlig überraschenden Weggang von Center Brian Cusworth bekannt - sechs Tage nach seiner Verpflichtung. Welche Begründung hat er Ihnen gegeben?

Leibenath: Die war relativ einleuchtend: Er hat intensiv mit der Mannschaft trainiert und hat dann gemerkt, dass er wegen seiner Verletzung, die er zwei Jahre versucht hat auszukurieren, seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird.

SPORT1: Das für ihn verplante Geld hat Ulm ja nun eingespart. Wird der Klub es einsetzen, um bis Ende der Transferperiode am 28. Februar einen anderen Center zu verpflichten, oder für den Sommer zurücklegen, um John Bryant vielleicht noch eine Saison zu halten?

Leibenath: Wir beschäftigen uns in erster Linie mit der jetzigen Saison. Wenn wir das Gefühl haben, dass es eine sinnvolle Verstärkung gibt, dann werden wir diese auch tätigen.

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