Steffen Hamann wechslte 2010 von ALBA Berlin zum FC Bayern München © getty

Bayern-Kapitän Steffen Hamann spricht bei SPORT1 über das Hammer-Los Bamberg, seine Zukunft, und den einfühlsamen Pesic.

Von Florian Pertsch

München - Im Beko-BBL-Pokal wartet auf den FC Bayern gleich das Hammerlos.

Steffen Haman und Co. bekommen es in der Qualifikationsrunde fürs Top Four mit dem Sieger der letzten drei Jahre, den Brose Baskets Bamberg (Do., ab 20.15 Uhr im LIVESTREAM) zu tun.

Nach neun Siegen aus den vergangen zehn Spielen in der Beko BBL haben die Münchner genug Selbstvertrauen getankt, um der Übermannschaft aus Franken die Stirn zu bieten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im Zentrum des Lobes steht Trainer Svetislav Pesic, der dem Team nach einer kurzen Anlaufphase seine Handschrift verpasst hat.

Einer, der davon profitierte ist Kapitän Steffen Hamann. Der 31-Jährige war in den letzten Spielen ein wichtiger Faktor des Bayern-Erfolges. Beim letzen Sieg gegen die Fraport Skyliners steuerte der Ex-Bamberger 13 Punkte und acht Assists bei. (STENOGRAMME: 21. Spieltag)

Im Interview mit SPORT1 spricht der Spielmacher über das schwere Los Brose Baskets, Trainer Pesic und seinen persönlichen Höhenflug.

SPORT1: Herr Hamann, im Pokal muss der FC Bayern nach Bamberg. Hätte Ihnen die Losfee noch schlimmer mitspielen können?

Steffen Hamann: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es leichter ist, in Oldenburg oder Quakenbrück zu spielen. Klar ist, dass uns ein Heimspiel lieber gewesen wäre. Jetzt haben wir die sehr hohe Hürde gleich zu Beginn. Irgendwann wäre sie eh gekommen, warum also nicht jetzt?

SPORT1: Was muss Bayern denn machen, um die hohe Hürde Bamberg zu nehmen?

Hamann: Wir kennen ihre Stärken und müssen Anton Gavel und Bostjan Nachbar aus dem Spiel nehmen. Das sind die beiden tragenden Säulen, die uns in Bamberg sehr weh getan haben. Im Fastbreak dürfen wir uns nicht verstecken, und von den Fans dürfen wir uns nicht beeinflussen lassen. So wie Svetislav an die Sache rangeht, sind wir gut gewappnet.

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SPORT1: Wie geht Ihr Trainer denn an die Sache heran?

Hamann: Man merkt, wie wichtig ihm dieses Spiel ist. Er lässt uns natürlich wissen, wie schwer die Aufgabe ist. Gleichzeitig gibt er uns das Gefühl, dass wir stark genug sind, es zu schaffen.

SPORT1: Als ehemaliger Bamberger Spieler kennen Sie die hitzige Atmosphäre in Freak City. Für gewöhnlich sind sie in fremder Halle nicht gerade der Publikumsliebling. Was erwartet Sie bei Ihrer Rückkehr im Trikot des Rivalen?

Hamann: Ich denke, das hat sich normalisiert. Als ich das gelbe Trikot der Berliner anhatte, war das Publikum nicht ganz so nett zu mir. Mittlerweile haben die Fans verstanden, dass es ein sportlicher Schritt war, von Bamberg wegzugehen. Ich denke, die Leute wissen, dass ich noch ein Bamberger Junge bin und mich damals nicht gegen Bamberg, sondern für etwas anderes entschieden habe.

SPORT1: Sie gelten als guter Verteidiger. Ihr Gegenspieler Anton Gavel wurde nach der vorigen Saison zum besten gewählt. Was hat er Ihnen voraus?

Hamann: Er hat mir weniger voraus, sondern ist eher hinterher - und zwar beim Alter. Er ist da einfach etwas spritziger. Gemeinsam haben wir das große Herz, wir geben immer alles. Ich möchte bei der Gelegenheit aber auch den Karsten Tadda erwähnen, der, sobald er Basketballschuhe anhat, immer 100 Prozent gibt.

SPORT1: Persönlich läuft es für Sie gerade sehr gut. Saisonbestleistung gegen Braunschweig (18 Punkte, 4 Assists, d. Red.), ein starkes Spiel gegen Frankfurt. Lösen Sie gerade Tyrese Rice als Starting Point Guard ab?

Hamann: Zunächst mal tut mir die Arbeit unter Svetislav sehr gut. Er bringt mich nach meiner Knie-OP körperlich wieder nach vorn. Für Tyrese würde ich mich erstmal freuen, wenn er wieder gesund ist. In den Playoffs brauchen wir zwei fitte Aufbauspieler. Es geht also nicht darum, wie viele Minuten ich bekomme, sondern dass ich das Maximum raushole.

SPORT1: Pesic galt immer als harter Hund, aber bei Bayern fühlen sich alle pudelwohl. Hat er doch eine sanfte Seite, ist er gar ein Spielerflüsterer?

Hamann: Auf jeden Fall. Ich will ihm ja jetzt nicht seinen Ruf kaputt machen, aber er weiß schon, wie er mit jedem einzelnen Spieler umgehen muss. Er zeigt das nicht immer vor dem kompletten Team, aber er lobt auch und weiß, wie er uns kitzeln kann. Wenn es nicht läuft, ist er der harte Hund, ohne Frage, aber wenn du ihm alles gibst, dann gibt er dir auch alles.

SPORT1: Pesic hielt und hält Sie für einen wichtigen Baustein im DBB-Team. Wie sieht das der neuen Bundestrainer Frank Menz?

Hamann: Frank war hier in München, und wir hatten ein gutes Gespräch. Auch bei ihm soll ich eine tragende Säule sein. Er hat mir aber auch die Freiheit gegeben, mich selbst zu entscheiden. Er will mich nicht unter Druck setzen. Er will nur Spieler, die zu 100 Prozent im Sommer dabei sein wollen. Es ist immer etwas Besonderes, für Deutschland zu spielen. Ich freue mich, dass er mich dabei haben will.

SPORT1: Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Gibt es bereits Verhandlungen mit Bayern München?

Hamann: Ich bin kein großer Freund davon, so zeitig über einen Vertrag zu sprechen und den Verein unter Druck zu setzen. Mich würde es riesig freuen, und momentan kann ich mir nicht vorstellen, woanders zu spielen.

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