SPORT1-Experte Patrick Femerling weiß: Beim neuen Bayern-Coach steht Disziplin an erster Stelle. Noch fehle der Teamgeist.

Hallo Basketball-Freunde,

den Trainer-Wechsel beim FC Bayern kann ich durchaus nachvollziehen, auch wenn ich die Profis nicht aus der Verantwortung für ihre enttäuschenden Leistungen, gerade bei der Heimpleite gegen Braunschweig, nehmen möchte.

Ein Trainer wird letztlich immer am Erfolg gemessen, und wenn sich dann Disziplinlosigkeiten der Spieler negativ auswirken, muss er es ausbaden.

Ohnehin war Yannis Christopoulos ja Head Coach auf Bewährung, so zumindest habe ich Uli Hoeneß verstanden.

Disziplin und Leistung gehen einher, und wem es an Disziplin mangelt, der bringt auch nicht tagtäglich die Opferbereitschaft mit, welche in Training und Spiel den Unterschied ausmachen.

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In meinen Augen ist jeder Spieler selbst gefragt, die Eigenmotivation aufzubringen, mit der 100-prozentigen Einstellung ins Spiel zu gehen, um dann als Team zu spielen und zu wirken. Und das haben die Bayern bis jetzt nicht geschafft.

Jeder muss zuerst an die Mannschaft denken. Klar ist, sie sind Profis und bekommen Geld dafür. Aber Basketball ist auch Herz und Leidenschaft - oder sollte es zumindest sein.

Warum Jared Homan suspendiert wurde, kann ich nicht genau beurteilen. Fakt ist, dass dies nur wieder Unruhe in die ohnehin schwierige Gemengelage der Bayern gebracht hat.

Ob es nicht vielleicht besser wäre, sich von ihm zu trennen, ist schwer zu beantworten. Das Konzept der Bayern ist auf einen großen Center zugeschnitten und so viele gibt es jetzt nicht, die unter dem Korb aufposten und Unruhe stiften können.

Zwar könnten sie es sich vom Finanziellen leisten, noch jemanden zu holen, aber die gibt es eben nicht wie Sand am Meer.

Dafür haben die Bayern mit Svetislav Pesic einen Head Coach gefunden, zu dem ich nur gratulieren kann.

Pesic ist einer der Top-Trainer in Europa. Er hat auch Valencia vor zwei Jahren in einer schwierigen Lage übernommen und noch ins Viertelfinale der Euroleague geführt.

Er ist ein Trainer, der von seinen Spielern vollen Einsatz und Disziplin abverlangt.

Das nächste Spiel gegen Berlin ist immens wichtig für die Münchner. Da geht es um viel Prestige.

Die Bayern müssen in Berlin zeigen, dass sie da hingehören, wo sie hingehören wollen.

ALBA ist da viel weiter. Das Team hat das Konzept von Obradovic verinnerlicht. Die Berliner spielen sehr aggressiv und intensiv in der Verteidigung.

Wenn man viel in der Euroleague und dann in der Beko BBL unterwegs ist, ist es wichtig, die knappen Spiele zu gewinnen. Das bringt viel für das Selbstvertrauen - und das wiederum haben die Bayern nicht.

Bis bald,

EuerPatrick Femerling

Patrick Femerling, geboren 1975, ist aktuell mit 221 Einsätzen von 1996 bis 2009 Rekordspieler in der deutschen Nationalmannschaft. Mit dem DBB-Team gewann er WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005. Er wurde Meister und Pokalsieger in Deutschland, Spanien und Griechenland.

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