SPORT1-Kolumnist Stephan Baeck beklagt fehlendes Mannschaftsdenken bei Bayern. Die jungen deutschen Spieler begeistern ihn.

Hallo Basketball-Freunde,

große Teams mit großen Spielern können und sollen große Erfolge feiern.

So auch der FC Bayern München, der unbestritten von den Namen her ein solches Team zusammengestellt hat. Allein damit ist aber noch nicht getan.

Größtes Plus von Mannschaften, die ihrer Favoritenrolle gerecht geworden sind und viel gewonnen haben, ist die Rollenverteilung im Team und die große Verantwortung der Spieler, die diese immer und 100 prozentig auszufüllen.

Genügend Spielzeit an alle zu verteilen ist oft das Problem. Gelingt dies, kann man im Umkehrschluss den Spielern vermitteln, wie viel Anteil sie an dem gemeinsam errungenen Erfolgen haben.

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Serienmeister Bamberg aber auch Ulm gelten als bestes Beispiel hierfür.

Alle Spieler fühlen sich wichtig und kämpfen für die eigene Stellung, aber in erster Linie fürs Team. Sie machen was nötig ist, um zu gewinnen, egal wie viele Minuten, egal mit welchen Namen.

Am Ende hat man Großes geleistet, und alle Spieler sind zufrieden, haben das Gefühl ihren Anteil am Erfolg zu haben, dafür gibt es dann den verdienten Respekt.

Das fehlt im Augenblick noch bei den Bayern. Zu viele Spieler sind unzufrieden mit der eigenen Leistung und der Rolle im Team, fühlen sich missverstanden. Alle wollen... ja, aber denken auch sie können noch besser, wenn Sie nur mehr auf dem Feld stehen.

Hier haben Trainer und Umfeld noch eine große Aufgabe zu lösen. Aber auch die Spieler müssen natürlich Ihre Verantwortung tragen. Spieler wie Halperin, Homan und Rice müssen wissen, wann und wie sie am effektivsten spielen und diese Verantwortung dann auch auf dem Feld übernehmen.

Übrigens hat der FC Bayern einen Spieler, der bisher seine ganze Karriere so gespielt hat - Aleksander Nadjfeji!

Was Bamberg in den letzten Jahren geglückt ist, gelingt aktuell vor allem Ulm.

Man hat eine sehr gute Mischung im Team von hungrigen Spielern wie Phillip Schwethelm oder Daniel Theis, die sich in neuen Rollen beweisen und bestätigen wollen, sowie mittlerweile erfahrene und mit großem Selbstbewusstsein ausgestattete Spieler wie Per Günther und John Bryant, die sehr konstant gute Leistungen abliefern und das Team führen.

Diese klar strukturierte Mischung sorgt für gute Stimmung und befeuert den Erfolg in Ulm.

Gerade die deutschen Talente gefallen mir in dieser BBL-Saison sehr gut. Begünstigt durch die 6+6-Regel müssen die Teams auf den Nachwuchs setzen und werden aktuell auch mit starken Leistungen dieser Spieler und erfolgreichen Spielen entlohnt. Die eigenen Fans sind dazu begeistert.

Neben Daniel Theis halte ich vor allem vom gerade verletzten Würzburger Maximilan Kleber sehr viel. Beide haben in Deutschland eine große Zukunft vor sich und sind für mich neben Maik Zirbes die Zukunft auf der Position 4 und 5.

Nicht zu vergessen sind Phillip Neumann, der die Verletzungsprobleme unter dem Korb in Bamberg mit guten Leistungen für sich nutzen kann, und Bonns Jonas Wohlfarth-Bottermann.

Gegen Oldenburg hat er mit 18 Punkten auf sich aufmerksam gemacht. Er hat seine Chance exzellent genutzt, bringt körperlich alles mit, aber er muss das Spiel noch lernen. Für Ihn gilt nun diese Leistung von Spiel zu Spiel abzurufen und sich so noch mehr Aufmerksamkeit und Respekt zu erspielen.

In diesem Sinne,

EuerStephan Baeck

Stephan Baeck, 47, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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