Dirk Bauermann führte den FC Bayern 2011 aus der Pro A in die Beko BBL © imago

Nach Dirk Bauermanns Entlassung machen die Bayern-Oberen mit markigen Worten klar, dass Disziplinfragen der Auslöser waren.

Von Martin Hoffmann und Katharina Blum

München - In der PR-Sprache klingen die Dinge immer sehr manierlich.

"Nach ausführlichen Diskussionen über mehrere Wochen haben sich unterschiedliche Auffassungen über die Führung und Weiterentwicklung der Mannschaft ergeben."

So stand es in der Pressemitteilung, mit der der FC Bayern Basketball die Trennung von Trainer Dirk Bauermann begründete (AKTUELL: Bayern feuert Bauermann).

So stehen dann auch tags darauf in den Zeitungen Sätze wie: "Von Seiten der Vereinsführung will niemand schmutzige Wäsche waschen." Ein Irrtum, wie sich nun zeigt (KOMMENTAR: Bayern-Bombe mit kurzer Zündschnur).

"Was treiben die sich auf der Wiesn rum?"

Überaus undiplomatisch macht Vizepräsident Bernd Rauch nun nämlich klar, was aus seiner Sicht unter Bauermann schief gelaufen ist.

"Was soll diese Disko-Scheiße?", mokiert er sich in der "Bild" über die Disziplinlosigkeit seiner Spieler:

"Was machen die in Berlin? Was treiben die sich auf der Wiesn rum? Warum trainieren die nicht um sieben oder acht Uhr morgens? Dann haben die abends keine Zeit zu saufen!"

Auch Sportdirektor Marko Pesic soll Rauchs Zorn abbekommen haben, die "Bild" zitiert ihn mit dem Ausbruch: "Haben Sie Ihren Laden nicht im Griff?" (DATENCENTER: Der Beko-BBL-Spielplan)

Nacht-Ausflüge in der Kritik

Bei einer Pressekonferenz am Freitag erklärte Rauch, dass er am Donnerstag zum ersten Mal in der Kabine war, bis dahin für ihn ein "Heiligtum": "Ich habe ihnen gesagt, was der Klub von ihnen erwartet. In Zukunft wird wohl früher trainiert als um 10 Uhr."

Von Bauermann-Nachfolger Yannis Christopoulos, bisheriger Assistent, fordert man nun "eine gerade Linie" (Pesic).

Die Spieler Jared Homan, Chevon Troutman und Tyrese Rice sollen nach einer Testspielniederlage gegen ALBA Berlin einen nächtlichen Ausflug unternommen haben. Zudem waren diverse Spieler am Montag nach dem letzten Platz beim BEKO Leagues Cup offenbar abends auf dem Oktoberfest unterwegs - obwohl Bauermann einen für den Tag geplanten Besuch auf dem Volksfest abgeblasen und stattdessen ein Training angesetzt hatte.

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Spieler dürfen einen Fehler machen

Homan war schon im Frühjahr mit einer Festnahme auffällig geworden, nachdem er in München in einer Disco-Schlägerei verwickelt gewesen sein soll.

"Spieler, für die wir uns entschieden haben, haben unsere volle Unterstützung, auch wenn sie mal einen Fehler gemacht haben", sagte Rauch. "Aber wenn jemand nach außen dauerhaft unseren Klub schädigt, lassen wir uns das nicht gefallen." Bei Homann wisse er aber nur von einer Verfehlung.

Bauermanns lange Leine

Der Bayern-Führung missfiel, dass Bauermann seine Schützlinge an der langen Leine ließ.

Der geschasste Coach hatte sich in der "Abendzeitung" vor sie gestellt und erklärt: "Unsere Spieler sind erwachsene Menschen." Bauermann sprach vom "Recht ein Privatleben zu haben", innerhalb gewisser "Grenzen" und "Leitplanken".

Ex-Trainer "völlig überrascht"

Bauermann hatte selbst nicht mit seiner Entlassung gerechnet, er erfuhr ebenfalls erst am Donnerstag von der Entscheidung des Vereins. "Sie hat mich völlig überraschend getroffen", sagte er am Tag danach.

"Ich muss mich erst mal sammeln und sortieren und meine Fassung wiederfinden." Im Besitz einer schriftlichen Beurlaubung sei er noch nicht. Der bisherige zweite Assistenztrainer, Denis Wucherer, muss ebenfalls seinen Platz auf der Bank räumen.

Satellit fern der Umlaufbahn

Spannungsreich war das Verhältnis zwischen Trainer und Kluboberen schon länger, wie diverse Berichte nun nahelegen.

Wobei es nicht nur um fachliche Debatten über Bauermanns Spielsystem ging, sondern auch um das menschliche Miteinander.

Unter der Hand fallen Worte wie "beratungsresistent", die "Süddeutsche Zeitung" zitiert einen Insider, der von Bauermann als "Satellit" sprach, der sich schon länger aus der Umlaufbahn des Klubs zu entfernen drohte.

Einmischungen ins Sportliche

Aus Bauermanns Sicht gab es offenbar Missfallen über das Einmischen der Klubführung in seine sportlichen Belange.

So berichtet die "Bild", dass Hoeneß treibende Kraft hinter dem Entschluss war, nicht in der EuroChallenge anzutreten - während Bauermann den Europapokalwettbewerb hätte spielen wollen.

Auch habe Hoeneß erfolgreich für die Vertragsverlängerung mit einem Spieler plädiert, den Bauermann gerne losgeworden wäre. Ironischerweise soll es sich dabei um Jared Homan handeln.

Einvernehmliche Lösung erhofft

Bauermann hatte bei den Bayern einen Vertrag bis 2014, die Trennung dürfte nach Basketball-Maßstäben teuer werden. Der Kontrakt läuft noch bis 2014 und soll mit geschätzten 500.000 Euro dotiert sein.

"Zum gegeben Zeitpunkt setzen wir uns zusammen und finden eine einvernehmliche Lösung. Da haben wir auch die Erfahrung aus dem Fußball", hoffte Rauch.

Christopoulos keine Notlösung

Zugleich waren die Bayern nachdrücklich um den Eindruck bemüht, dass der bisherige Co-Trainer Yannis Christopoulos keine Not- und Übergangslösung ist.

"Zu keinem Zeitpunkt gab es eine andere Option als Christopoulos. Er besitzt als Trainer und Mensch die Fähigkeiten, die Mannschaft zu diesem schwierigen Zeitpunkt zu übernehmen", sagte Pesic.

Und Rauch fügte an: "Ich kann in aller Deutlichkeit ausschließen, dass wir parallel nach nach einem anderen Trainer suchen."

Auch an seinen ambitionierten Zielen hält der Verein fest: "Ob es für die Meisterschaft reicht, weiß ich nicht. Aber das Potential haben wir", sagte Sportdirektor Pesic.

FCB dementiert Pesic-Gerücht

Erste Gerüchte, dass sich der FCB nach einem größeren Namen umsieht, sind dennoch schon aufgekommen.

Die "SZ" berichtet von Gedankenspielen über Bundestrainer Svetislav Pesic. Der Vaters des Sportdirektors wäre nach der EM 2013 verfügbar.

"Das war niemals überhaupt ein Thema. Nie", wies Rauch die Gerüchte zurück.

Auch eine mittel- oder langfristige Lösung dementierte der Vize-Präsident: "Bitte verabschieden Sie sich von diesem Namen", erklärte er. "Wir denken in völlig anderen Kategorien. Da etwas zu konstruieren ist abenteuerlich."

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