Patrick Femerling war 2008 Center des letzten Meisterteams von ALBA Berlin © imago

Vor dem Saisonauftakt spricht der neue SPORT1-Experte Patrick Femerling über seine Nehmerqualitäten, Trainerpläne und Favoriten.

Von Michael Spandern

München - Der Rekordnationalspieler wechselt ans Mikro: Patrick Femerling, der 221 Spiele für Deutschland bestritt und als Kapitän EM-Silber 2005 und WM-Bronze 2002 gewann, arbeitet nun als Co-Kommentator für SPORT1.

Die Beko BBL kennt er nach drei Engagements bei ALBA Berlin - das letzte endete 2011 - ebenso gut wie das europäische Parkett.

Mit dem FC Barcelona gewann der 2,15-Meter-Mann, der seine Sportsocken stets bis zu den Knien hoch zog, 2003 die Euroleague und wurde zweimal spanischer Meister. Auch in Griechenland sammelte er mit Olympiakos Piräus und Panathinaikos Athen Titel.

Im Interview spricht der neue SPORT1-Experte Patrick Femerling über seine Nehmerqualitäten, Trainerpläne und Favoriten. Bamberg brauche Zeit.

Außerdem gibt Femerling einen Tipp ab, welcher Sympathieträger 2013 den Pascal-Roller-Award abräumt.

SPORT1: Herr Femerling, da Sie ja für SPORT1 in langen Hosen kommentieren, verraten Sie uns: Werden Sie trotzdem kniehohe Strümpfe tragen?

Patrick Femerling: Kniestrümpfe trage ich nicht. Ich habe ganz normale Socken an. Es sei denn, der Winter wird sehr kalt und die Hallen werden nicht mehr beheizt.

SPORT1: Frank Buschmann, Michael Körner und Manni Winter nehmen Ihre Experten gerne auch mal auf die Schippe. Haben Sie sich schon Sprüche zurechtgelegt, um den Dreien Kontra zu geben?

Femerling: Da ist Spontanität wichtiger. Aber ich nehme mich selbst nicht so ernst, als dass ich damit nicht umgehen könnte.

SPORT1: Kurz vor Saisonstart hat der FC Bayern Trainer Dirk Bauermann entlassen. Hat unser Experte etwas geahnt?

Femerling: Ich habe für die Entlassung keine Anzeichen gesehen. Vor allem ist es so kurz vor dem ersten Saisonspiel eine ungewöhnliche Maßnahme.

SPORT1: Kann Yannis Christopoulos die hohen Erwartungen der Münchner erfüllen?

Femerling: Es wird sich zeigen, ob Christopoulos der richtige Mann dafür ist, je nachdem wie viel Zeit ihm die Bayern geben. Bayern ist ein Verein, der Erfolg will und auf Erfolg baut.

SPORT1: Der Erfolg war zuletzt in Bamberg zu Hause. In der letzten Hauptrunde sammelten die Brose Baskets 30 Siege, in der vorletzten 32. Wie viele werden es 2012/13?

Femerling: Ich traue den Bambergern sehr viel zu. Sie haben die letzten Jahre davon profitiert, eingespielt zu sein. Aber ich glaube, diesmal brauchen sie ein wenig Zeit, um sich einzuspielen. In Bamberg hat ein mittelgroßer Umbruch stattgefunden. Sie haben mit Anton Gavel, Casey Jacobsen und Goldsberry den Kern behalten, aber sie mussten daneben viel umbauen.

SPORT1: Bamberg, Berlin, Bayern und Oldenburg haben sich jeweils hochkarätig verstärkt. Wer am besten?

Femerling: Bayern hat sich mit hochkarätigen Namen aus europäischen Ligen verstärkt. Aber die Zeit muss zeigen, wie gut diese Spieler auch in die Mannschaft passen. Die vier Teams sind auf jeden Fall die Favoriten.

SPORT1: Welches Team kann verhindern, dass diese Vier im Halbfinale unter sich sind?

Femerling: Das Schöne am Basketball ist, dass er selten vorhersehbar ist. Wenn ein Team - so wie Ulm letztes Jahr - Feuer fängt, von seinen Emotionen und seiner mannschaftlichen Stärke lebt, dann kann viel passieren. Mal sehen, ob wir dieses Jahr ein zweites Ulm sehen, oder ob es die Ulmer selbst sind, die sich wieder ins Halbfinale und Finale spielen.

SPORT1: Sie kennen ALBA aus dem Nähkästchen. Ist der Druck in Berlin nach drei titellosen Jahren genauso hoch wie bei den Bayern unter Präsident Uli Hoeneß?

Femerling: Eine schwierige Frage. Der Druck bei Bayern ist immer sehr hoch. Egal in welcher Sportart. ALBA ist genauso ein Verein, der von Erfolg lebt und seit vielen Jahren viel in den Erfolg investiert. Aber ich würde sagen, bei Bayern ist der Druck noch etwas höher.

SPORT1: Mit Tibor Pleiß ist ein langer Finesse-Center nach Vitoria gewechselt, der ähnlich wie Sie das Spiel gut liest und seine Würfe hochprozentig verlässt. Wie sehr schmerzt der Verlust Bamberg und die Liga?

Femerling: Das ist für die Bundesliga natürlich sehr schade, dass Tibor weg ist. Bamberg hat mit Maik Zirbes einen Ersatz geholt, der sicher in Zukunft auch eine große Rolle spielen wird, aber Tibors Weggang zu kompensieren ist schwer. Er hat die letzten zwei Jahre spielerisch so große Schritte gemacht, er hat viel verändert. Für ihn selbst ist es der nächste logische Schritt, um an die NBA ranzukommen, indem er in eine etwas stärkere Liga nach Spanien wechselt, zu einem Klub, der sehr ambitioniert ist.

SPORT1: Sie kennen die meisten der Beko-BBL-Akteure noch aus den direkten Duellen. Auf wen tippen Sie als nächsten Pascal-Roller-Award-Gewinner als liebenswertester Spieler?

Femerling: War Pascal so liebenswert? (lacht) Darauf habe ich gar nicht geachtet, wer da der richtige ist. Yassin Idbihi vielleicht. Der spielt richtig gut und ist auch sehr sympathisch.

SPORT1: Stefan Koch führte die Artland Dragons im ersten Jahr nach seiner Tätigkeit als SPORT1-Experte in die Halbfinals der Beko BBL. Wie sind Ihre Karrierepläne als Trainer?

Femerling: Dann ist mein Weg ist ja vorgegeben (lacht). Nein, Scherz beiseite: Neben meiner Experten-Tätigkeit beginne ich im Oktober meine Ausbildung zum Diplom-Trainer an der Akademie in Köln, die drei Jahre dauert. Ich versuche, mich dort basketballerisch zu verwirklichen - in welcher Position wird sich zeigen.

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