P. J Tucker spielt in den letzten sechs Jahren für insgesamt neun Teams in acht Ländern © imago

Vor Final-Spiel 1 spricht Bambergs P. J. Tucker über den Titel und seine Rolle im Team. Über Ulm weiß er "nicht viel".

Von Annette Bachert

München - Die Brose Baskets Bamberg sind seit Jahren in der Beko BBL das Maß aller Dinge.

Drei Pokalsiege und zwei Meisterschaften aus den vergangenen drei Jahren stehen für die Franken bisher zu Buche. Und auch die nächste Meisterschaft ist greifbar.

Headcoach Chris Fleming schafft es trotz aller Erfolge den Erfolgshunger in seinem mit Top-Spielern wie Casey Jacobsen, Julius Jenkins, Anton Gavel und Tibor Pleiß gespicktem Team zu bewahren.

Und obwohl immer wieder auf die Ausgeglichenheit des Kaders und die starke zweite Reihe verwiesen wird, sticht ein Akteur doch oft heraus: P. J. Tucker.

Der Forward ist mit durchschnittlich 16,2 Punkten zweitbester Scorer der regulären Saison, der zweit-effektivste Spieler und belegte bei der Wahl zum Most Valuable Player Rang zwei hinter Ulms John Bryant.

Vor Spiel 1 der Playoff-Finals (So., ab 15.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) spricht der 27-Jährige über die Serie gegen Ulm, Kontrahent Bryant, die Zukunft und seine Rolle im Team.

SPORT1: Im Halbfinale hat Bamberg die Artland Dragons dreimal mit durchschnittlich 25 Punkten Differenz abgefertigt. Haben die Brose Baskets ihre Höchstform vielleicht eine Runde zu früh aufs Parkett gebracht?

P. J. Tucker: Nein, das nicht. Wir glauben an uns und daran, zu was wir fähig sind. Wir verbessern uns stetig und zeigen zu 90 Prozent der Spielzeit, dass wir das beste Team in Deutschland sind. Wir gehen jedes Spiel raus und versuchen uns zu verbessern. Wir nehmen den Wettkampf an, suchen danach und wollen diese Meisterschaft gewinnen. Wir nehmen diese Herausforderung an und geben unser Bestes - jedes Mal. Wir stellen uns darauf ein, diese Meisterschaft zu gewinnen (STENOGRAMME: Playoff-Halbfinale).

SPORT1: Können die Brose Baskets im Finale noch eine Schippe drauf legen?

Tucker: Wir waren nicht schlecht in den letzten Spielen, haben immer mit etwa 20 bis 25 Punkten gewonnen. Aber es gibt noch Dinge, an denen wir arbeiten sollten. Uns ist klar, dass immer Platz für Verbesserung da ist.

SPORT1: Im Pokal-Halbfinale hatte Ulm die große Chance zum Sieg, konnte sie aber nicht nutzen. Haben die Ulmer daran noch zu knabbern?

Tucker: Das Pokal-Halbfinale ist eine Weile her. Auch wenn sie noch daran denken, haben sie sicher einen Schnitt gemacht und konzentrieren sich unter Garantie auf die Meisterschaft. Aber wir knabbern auch noch daran, weil wir ihnen eine Chance gegeben und eines unserer schlechtesten Saison-Spiele gemacht haben. Doch auch wir blicken auf das Spiel am Sonntag.

[kaltura id="0_6wrdtijr" class="full_size" title="Plei K nnen im Finale einen draufsetzen"]

SPORT1: Was ist der größte Unterschied zwischen den beiden Final-Teams?

Tucker: Das ist schwer zu sagen. Ich kann nur für uns sprechen. Wir sind einfach ein gutes Team. Wir spielen sehr gut zusammen und jeder für den anderen, wir sind uns alle einig. Ich weiß nicht so besonders viel über die anderen (DATENCENTER: Die Playoffs).

SPORT1: Der Ulmer John Bryant ist zum MVP gekürt worden. Viele sagen, Sie hätten diesen Titel mehr verdient gehabt. Wie sehen Sie das?

Tucker: Das ist vorbei. Ich weiß nicht, was da erzählt wurde. Alle haben gesagt, ich sollte gewinnen. Aber das ist momentan das allerletzte, woran ich derzeit denke.

SPORT1: Was hat Bryant Ihnen möglicherweise voraus?

Tucker: Wir spielen komplett unterschiedlich. Er ist ein Five-Man, ich spiele nahezu alle Position on the floor. Ich bin ein bisschen flexibler und variabel einsetzbar. Er ist ein guter Center. Das kann man nicht vergleichen, weil wir ganz andere Rollen auf dem Feld haben. Wir spielen nicht wirklich gegeneinander, da wir nicht die gleichen Parts spielen.

SPORT1: Für die meisten Ihrer Mitspieler wäre es das dritte Double in Folge, für Sie das erste. Glauben Sie, dass Sie den Titel am meisten wollen?

Tucker: Nein. Natürlich will ich ihn, aber die anderen genauso. Wir alle haben so hart dafür gearbeitet. Es ist das dritte Mal und wir können Geschichte schreiben, das wollen wir alle. Aber ich kann sagen, dass einige den Titel etwas mehr wollen. Sie sind schon lange hier, haben viel Arbeit investiert, wie Casey Jacobsen und Tibor Pleiß. Aber alle wollen das so sehr und ich möchte einfach Teil davon sein (NACHBERICHT: Bamberg will das Triple-Double).

SPORT1: Sie hatten zu Beginn in Bamberg einige schwächere Spiele, Experten haben Ihnen Integrationsprobleme nachgesagt. Wie schwer war es, sich in ein gewachsenes Erfolgsteam zu integrieren?

Tucker: Für jeden, der in dieses Team kommt, ist es schwer. Es gibt einfach vier, fünf Spieler, die hier schon so lange spielen. Es ist schwer, dann seinen Platz zu finden, der noch nicht besetzt ist und ohne das Team zu verändern. Man will nur Teil davon sein und sein Können einbringen. Das hat eben ein wenig gedauert. Aber schon lange fühle ich mich voll integriert.

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SPORT1: Sie haben ihre Effektivität und ihren Punkteschnitt in der Rückrunde und nochmals in den Playoffs gesteigert. Wie hat sich Ihr Standing im Team verändert?

Tucker: Mein Ansehen im Team ist zu jeder Zeit und vom allerersten Tag an gleich geblieben. Jeder wusste von Anfang an, was ich kann ? im Team hat sich deshalb nichts verändert. Das ist eher eine Sache, über die sich alle anderen Gedanken machen. Aber so etwas beachte ich gar nicht.

SPORT1: Sie gelten als das Bamberger Erfolgsgeheimnis, sind sicher europaweit begehrt. Aus welchem Land kommt das attraktivste Angebot?

Tucker: Im Moment passiert so viel. Ich muss mir erst einmal alle Angebote ansehen. Ich weiß nicht, welches Land das beste Angebot gemacht hat. Aber es sind einige gute dabei. Zuerst konzentriere ich mich voll auf die Meisterschaft. Wie es weiter geht, steht noch in den Sternen. Das entscheide ich, wenn die Saison vorbei ist.

SPORT1: Besteht die Chance, dass Sie noch eine weitere Saison in Bamberg spielen?

Tucker: Auf jeden Fall, es besteht definitiv eine Chance. Wir haben darüber schon geredet. Aber ich will zu diesem Zeitpunkt auch nicht zu viel darüber reden. Alles, woran wir denken ist die Meisterschaft und dieses Spiel am Sonntag.

SPORT1: Was muss Bamberg tun, um Sie zu halten?

Tucker: Es gibt nicht diese eine Sache, die Bamberg tun müsste, um mich zu halten. Wir reden, verhandeln und es läuft gut.

SPORT1: Schafft Bamberg das Triple-Double?

Tucker: Aber sicher, daran zweifle ich keine Sekunde. Jede Partie, die wir spielen, können wir gewinnen. Wir würden nie antreten und denken, wir können nicht gewinnen - das wäre ja verrückt. Wir arbeiten sehr hart dafür und wollen unbedingt gewinnen.

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