Okulaja glaubt, dass Bambergs Center im Finale gegen Ulms MVP gegenhalten kann. Die "Spatzen" können den Meister parieren.

Hallo Basketball-Freunde,

nach zwei Sweeps in den Halbfinals dürfen wir uns auf ein packendes Finale in der Beko BBL zwischen Bamberg und Ulm freuen.

Auf der Verliererseite haben die Artland Dragons trotz des 0:3 eine geniale Saison gespielt, national ihre Siegquote sogar noch verbessert und international Vereinsrekorde gebrochen. In den Playoffs sind sie allerdings gegen die Mauer von Bamberg gefahren.

Zum jetzigen Zeitpunkt und so wie Bambergs Trainer Chris Fleming seine Mannschaft eingestellt hat, wäre das bei keinem anderen Team anders ausgegangen.

Artland war nach der harten und langen Serie gegen die Bayern aber auch physisch sehr ausgelaugt. Ich war selbst beim fünften Spiel und es war kurios: Jeder Spieler bei den Dragons hatte irgendetwas und war irgendwo bandagiert.

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Bei dem kurzen Spielrhythmus in den Playoffs ist es unheimlich schwierig, sich zu erholen. Normalerweise braucht man dafür Wochen. Zu diesem Zeitpunkt in der Saison zählt schon jeder Tag und jede Stunde. Wenn du weißt, du bist schon angeschlagen, und musst dann auch noch gegen Mike Tyson kämpfen - das ist natürlich schwierig.

Da konnte Coach Stefan Koch auch mit Motivation nichts mehr rausreißen, ihm kann man überhaupt keinen Vorwurf machen. Wenn ich einen Muskelfaserriss habe, habe ich einen Muskelfaserriss - da kannst du die beste Motivationsrede halten, die es gibt. Dem Coach und seinem Team kann ich nur zu dieser großartigen Saison gratulieren.

Warum Artlands Go-to-Guy David Holston allerdings in Spiel 3 mit nur drei Zählern so blass blieb, ist mir ein Rätsel. Ein Spieler wie er sollte diese Alles-oder-Nichts-Situationen lieben und er hat es auch schon oft bewiesen. Coach Koch hat direkt das erste System für Holston laufen lassen, um ihm einen Wurf zu kreieren, damit er gleich ins Spiel kommt, aber Holston hat nicht gezündet.

Wie Berlins DaShaun Wood im entscheidenden Spiel der ersten Runde gegen Würzburg hat Holston einfach keine Punkte geliefert. Das hat mich überrascht. Vielleicht war er auch angeschlagen, wollte das aber nach außen nicht zeigen.

Das schnelle Aus von Würzburg gegen Ulm kam nicht unerwartet. Es war schon eine Überraschung, dass Würzburg in der ersten Runde Berlin geschlagen hat - Hut ab nochmal für diese Leistung! Aber Ulm hatte die richtigen Mittel und war durch das Ausscheiden von ALBA vorgewarnt. Dadurch haben sie dieses Schicksal umgangen.

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Im Finale treffen jetzt mit Ulm und Bamberg die zwei besten Teams aufeinander. Vor allem das Pokalfinale hat gezeigt, dass Ulm die Bamberger parieren kann.

Thorsten Leibenath ist nicht umsonst Coach des Jahres geworden. Er wird sich etwas Schönes ausdenken. Ulm wird die Videos aus den Duellen mit Bamberg ganz genau anschauen und schauen, welche Schrauben man an verschiedenen Stellen enger oder lockerer machen muss. Das wird sicher eine spannende Serie, ich hoffe, dass es vier oder fünf Spiele gibt.

Beide haben großartige Spieler. Die beiden besten sind MVP Bryant und Vize P.J. Tucker. Bambergs Forward spielt in den letzten Wochen extrem guten Basketball auf höchstem Niveau, Bryant war aber über die gesamte Saison konstanter und ist deswegen auch der verdiente MVP. Beide Spieler sind aber professionell genug, um sich nicht mit aller Macht ein Privatduell zu liefern, sondern sie wollen die Meisterschaft. Bei Tucker bin ich gespannt, wer ihn verteidigen kann oder soll.

Das gleiche gilt für Center Bryant, da werden Tibor Pleiß und Marcus Slaughter alle Hände voll zu tun haben. Gerade Bryant und Pleiß werden sich ein sehr interessantes Duell liefern. Pleiß ist in dieser Saison spielerisch definitiv gewachsen. Ich traue ihm auf jeden Fall zu, dass er Bryant defensiv in Schach halten kann. Gegen Artland war Bambergs Defense so angelegt, dass sofort gedoppelt wird, wenn der Gegner den Ball unter den Korb bringt. Ich bin gespannt, was sich Fleming gegen Bryant einfallen lässt.

Auch im Vergleich der aktuell besten Deutschen in der BBL mit Per Günther sehe ich Tibor klar vorne. Es gilt "You can't teach hight" - man kann Größe nicht beibringen. Tibor ist einfach verdammt groß und noch dazu ein guter Spieler.

Günther hat über die gesamte Saison und gerade in den Playoffs bewiesen, wie gut er ist. Aber er wird es gegen Bamberg sehr schwer haben, denn da warten auf dem Flügel mit Anton Gavel, Bryan Roberts, Casey Jacobsen, Tucker und Karsten Tadda exzellente Verteidiger, die Bamberg auf ihn loshetzen kann. Pleiß kann nur mit ein oder zwei Leuten verteidigt werden.

Bei Ulm hängt viel davon ab, ob Isaiah Swann mit seiner Verletzung ganz raus ist oder ob die Physios ihn doch noch irgendwie hinzaubern können. Aber Ulm hat diese Saison sehr kreativen, guten Basketball gezeigt, daran müssen sie im Finale festhalten.

EuerAdemola Okulaja

Ademola Okulaja war acht Jahre Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Der Forward nahm an fünf Europa- und zwei Weltmeisterschaften teil, holte 2002 WM-Bronze in den USA. In der Liga spielte er für ALBA Berlin - wo er den Korac Cup 1995 und die Meisterschaft 2000 holte -, in Köln und zuletzt in Bamberg. 2010 erklärte er seine Karriere für beendet. Nun begleitet er für SPORT1 das Geschehen in der Beko BBL als TV-Experte und Kolumnist.

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