SPORT1-Kolumnist Stephan Baeck hinterfragt die Einstellung einiger Berlin-Spieler nach dem Playoff-Aus und beleuchtet Problemherde.

Hallo Basketball-Freunde,

wo ist das Herz von ALBA Berlin geblieben?

Diese Frage stellt sich mir und sicherlich auch anderen ehemaligen ALBA-Spielern nach dem Ausscheiden gegen ein Würzburger Team, das bravourös und aufopferungsvoll gekämpft hat, in dem jeder Spieler bis zur letzten Sekunde wirklich alles für das Team gegeben hat.

Eigenschaften, die eigentlich immer zur ALBA-Philosophie gehört haben und lange als Berlins erste und beste Qualität galten.

Man läuft schnell Gefahr mit verklärtem Blick in die Vergangenheit zu schauen und "früher war alles besser" zu rufen. Natürlich hat sich die Zeit, das Spiel und das Umfeld geändert - aber eines muss gesagt werden:

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Eines der größten Verdienste von Marco Baldi und Dieter Hauert ist es zu jener Zeit gewesen, in absolut professioneller Struktur Arbeitsbedingungen und eine Atmosphäre zu schaffen, die geprägt war von Verbindlichkeit und Zusammenhalt.

Jeder einzelner Spieler war stolz darauf, zur ALBA-Familie zu gehören und auch nach der aktiven Zeit Teil dieser Familie zu bleiben. Es gab keinen Spieler, der diesen Stolz nicht auch auf dem Feld repräsentierte.

In diesen Zeiten ist das anders. Schon zum wiederholten Mal wurde bemängelt, das einzelne Spieler nicht mehr das repräsentieren, was ALBA Berlin ausmachte.

Scouting und Rekrutierung neuer Spieler, die auch die Klub-Philosophie verinnerlichen, sind immer auch ein Stück Glücksache - aber dort muss der Verein wieder ein besseres Händchen zeigen.

Bamberg hat Berlin mit Spielern wie John Goldsberry und Anton Gavel den Rang abgelaufen - Spieler mit Qualität und Herz. Die Entscheidung und Vision sich intensiv und an allererster Stelle um Tibor Pleiß zu bemühen, war eine weitere richtungsweisende Entscheidung der Bamberger.

Die Entscheidung und der Weitblick für ihn als größtes Talent im deutschen Basketball und mittlerweile zweifelsfrei besten Spieler unter dem Korb gab Bamberg die Möglichkeit und den Freiraum Spieler mit der Extra-Qualität eines Pedrag Suput, Kyle Hynes, P.J. Tucker oder Brian Roberts zu verpflichten und so ein Team von überragender Qualität und Moral zu etablieren.

Es waren die Würzburger Attribute wie Kampfbereitschaft, Willen und Herz, die Berlin am Aufsteiger hat scheitern lassen und dafür gebürt dem Würzburger Team und John Patrick großer Respekt.

Berlin ist nun erneut an diesen Eigenschaften gescheitert und die Enttäuschung ist abermals groß, denn die Vergangenheit zeigt, dass man ja eigentlich weiß wie es geht:

"Back to the future".

In diesem Sinne,

EuerStephan Baeck

Stephan Baeck, 47, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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