Aufbau Günther (mitte) steuert in Spiel eins 16 Punkte, fünf Rebounds und vier Assists bei © getty

Die Distanzwurfexperten aus Ulm reisen zu Spiel zwei in den Hexenkessel nach Franken. Würzburgs Frazier verlässt das Team.

Von Florian Pertsch

München - ALBA Berlin bereits ausgeschieden, das Traditionsteam aus Bonn auch und Meister Bamberg trifft auf die schwächelnden Dragons aus Artland.

Die Playoffs der Beko BBL haben auf den ersten Blick ihre Reizpunkte verloren, aber eben nur auf den ersten Blick.

Denn das zweite Halbfinale zwischen ratiopharm Ulm und den s.Oliver Baskets Würzburg (ab 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) hat es in sich.

Das Duell ist ein Kampf der Philosophien, Ulm mit unzähligen Offensivwaffen und viel Spielwitz, Würzburg mit der härtesten und unangenehmsten Verteidigung der ganzen Liga.

Ulm erzielt im Viertelfinale 94 Punkte im Schnitt

Nicht, dass die andere Disziplin von Ulm respektive Würzburg vernachlässigt wird, aber die Stärken liegen klar auf der Hand.

In der ersten Runde der Playoffs kamen die Schwaben gegen Braunschweig auf 94 Punkte im Schnitt, Würzburg gelangen gegen ALBA fast 20 Zähler weniger (75,7).

In Partie eins der beiden Überraschungsteams hatte Ulm mit 77:65 die Nase vorn, wobei es phasenweise nach einer Klatsche für die Franken aussah (STENOGRAMME: Playoff-Halbfinale).

33:12 lagen die Spatzen Mitte des zweiten Viertels vorn, doch wie auch schon die Berliner musste Ulm erkennen, dass kleine Unkonzentriertheiten im Spiel von Würzburg gnadenlos bestraft werden.

Kapitän Jacobson vertraut auf Kampfgeist

Mit einem 19:0-Lauf kämpfte sich die Mannschaft von Trainer John Patrick heran und hätte, sofern der sensationelle Buzzerbeater von Chester Frazier gezählt hätte, auf drei Punkte Rückstand zur Pause verkürzen können.

"Wir haben anfangs schlechte Entscheidungen getroffen. Aber es ist die Geschichte dieser Mannschaft, dass wir nie aufgeben", sagte Kapitän Ben Jacobson in der "Main Post".

Deshalb glaubt auch SPORT1-Experte Stephan Baeck, dass es die Würzburger den Ulmern weiter schwer machen werden: "In dieser Serie liegen mehr als nur drei Spiele. Zu stark ist die Intensität der Würzburger und zu wild manchmal die Ulmer Offense."

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"Wir können ihn nicht zwingen, hierzubleiben"

Vor Partie zwei sorgt bei den Würzburgern wieder Kunstschütze Frazier für hochgezogene Augenbrauen, diesmal aber vor Verwunderung und nicht vor Verzückung.

Der US-Amerikaner verließ Knall auf Fall Deutschland und tritt umgehend den Posten als Co-Trainer an der Kansas State University an.

Coach Patrick zog ein nüchternes Fazit: "Ich war nicht dafür, aber wir können ihn nicht zwingen, hierzubleiben."

Statt groß zu lamentieren fordert der Trainer sein Team auf, Frazier zu ersetzen. "Chesters Abgang ist wie wenn sich jemand verletzt. Jetzt müssen andere Verantwortung übernehmen", forderte Patrick.

Ein Kandidat dafür könnte Chris Kramer sein, der mit einer extrem engagierten Leistung 22 Punkte in Spiel eins erzielte und damit doppelt sie viele Zähler wie durchschnittlich gegen ALBA auflegte (DATENCENTER: Die Playoffs).

Von Spielerabgängen oder sonstigen Ablenkungen ist aus Ulm nichts bekannt. Das Team hat in dieser Saison noch keine Playoff-Partie verloren und hat das auch so bald nicht vor.

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Ulms Trainer fordert volle Konzentration

"Wichtig ist, dass jeder von der ersten Sekunde voll konzentriert ist und jeder den unbedingten Willen hat, den Rebound zu bekommen", warnte Trainer Thorsten Leibenath in der Ulmer "Südwest Presse": "Im ersten Spiel gegen Würzburg war das so."

Die Würzburger Personalie Frazier sieht er auch nicht durchweg positiv: "Das ist eine Schwächung, aber vielleicht werden auch in der Mannschaft Kräfte frei gesetzt."

Defensiv vom Trainer zur Konzentration ermahnt, bleibt die Frage, ob im Angriff das lockere Händchen bei Isaiah Swann zurückkehrt.

Alex King erinnert an die ALBA-Serie

Im ersten Halbfinale fand nur einer von sieben Dreiern sein Ziel. Kapitän Steven Esterkamp glich Swanns schlechte Trefferquote aber wieder aus und verwandelte fünf von acht Würfen jenseits der 6,75 Meter.

Das ist laut Baeck genau die Stärke der Ulmer: ihre Ausgeglichenheit. "Neben dem MVP der Liga John Bryant, sind Spieler wie Isaiah Swann, Tommy Mason-Griffith oder Nankivil jederzeit in der Lage ein Spiel zu entscheiden, manchmal eben auch Per Günther und Steven Esterkamp."

Wenn bei den Spatzen also einer schwächelt, springt meist ein anderer in die Bresche.

Insgesamt nahmen die Ulmer 27 Dreier bei 24 Würfen aus der Nah- und Mitteldistanz, wobei MVP-Center John Bryant sich diesmal nur auf einen Versuch aus der Distanz beschränkte und ansonsten die kleineren Gegner in der Zone malträtierte.

Dass die Würzburger Daumenschrauben aber auch an den Ulmern nicht spurlos vorrübergehen, belegt der Fakt, dass in Spiel eins nur 77 Punkte auf der Anzeigetafel für Ulm standen und selbst der Niederlage kann Würzburgs Alex King noch etwas Gutes abgewinnen.

"Gegen Berlin haben wir auch die erste Partie verloren", erinnerte King und wie die Serie für ALBA ausging, ist ja hinlänglich bekannt.

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