Ademola Okulaja beleuchtet das Aus der Bayern und erklärt, was Bamberg in der Serie gegen Artland besser machen muss als die Münchner.

Hallo Basketball-Freunde,

ein Dank an Artland und Bayern für das spannende Spiel fünf und danke Stefan Koch für diesen seltenen Gefühlsausbruch und die Becker-Faust. So machen die Playoffs Spaß.

Doch zunächst der Blick auf die Verlierer. Ich würde das Ausscheiden der Bayern nicht an einer bestimmten Sache allein fest machen. Spiele sind immer durch Läufe bestimmt, das war in der fünften Partie sehr gut zu sehen.

Aber auf den letzten Dragons-Lauf hatten die Bayern keine wirklich Antwort mehr. Je'Kel Foster war in der ersten Halbzeit richtig heiß, doch in Halbzeit zwei ging fast gar nichts mehr bei ihm. Auch Jared Homan macht eigentlich ein geniales Spiel, aber dann packt er am Ende den Korbleger daneben.

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Es waren viele Kleinigkeiten, die bei Bayern nicht gestimmt haben, aber das größte Problem war das Gefälle in der Punkteverteilung. Homan (25 Punkte) und Foster (20), doch dann war Ebbe.

Sonst kam offensiv eigentlich nichts, keine Energie, nur eine große Lücke zu den Hauptakteuren. Chevon Troutman war durch seine Fouls gehandicapt und von den Deutschen kam sehr sehr wenig.

Gerade vom Starting Point Guard der deutschen Nationalmannschaft (Steffen Hamann, Anm. d. Red.) erwarte ich etwas mehr als zwei Punkte kurz vor Ende der Partie, gerade wenn über die Serie elf Zähler im Schnitt abgeliefert werden. In solchen Situationen zeigen sich große Spieler.

Demond Greene hat seinen Job defensiv stark erledigt und seine freien Würfe verwandelt. Robin Benzing war nicht wirklich existent, und Jan-Hendrik Jagla hat zumindest für seine Anteile in der Serie solide gespielt.

Letztlich fällt es mir schwer, mit dem Finger auf eine Sache als expliziten Grund der Pleite zu deuten, aber wenn, dann wohl auf die mangelhafte Unterstützung für Homan und Foster.

Jetzt geht es für Artland gegen Bamberg.

Das komplette Team ist angeschlagen, und nun müssen sie gegen die ausgeruhten Bamberger ran.

Der Meister ist ein Team von Beißern und Kämpfern, das wird verdammt hart für Artland. Aber so ist es nun mal in den Playoffs, das ist nicht zu ändern. Fertig aus, und hopp rein in die Frankenhölle.

Auf das Duell Anton Gavel gegen David Holston freue ich mich besonders, wobei auch der Defense Player of the Year nicht ohne sein Team kann. Die ganze Mannschaft muss Gavel gegen Holston helfen.

Tibor Pleiß könnte da ein Faktor sein, über ihn drüber zu werfen ist schon sehr schwierig, wobei Holston auch Jagla und Benzing nicht wirklich gestört haben. Trotzdem dürfte er es sich bei Pleiß doch etwas besser überlegen.

Doch ein Holston allein wird es in Freak City nicht richten, alle Dragons müssen ihre Leistung bringen. Darren Fenn, Nathan Peavy, Brandon Thomas, Bryan Bailey, alle sind gefordert. Die lange Bank Artlands ist da sehr hilfreich.

Leider verfügt Bamberg über den gleichen Luxus und so wird diese Serie auch zum Duell "Wer hat die bessere Bank?".

[kaltura id="0,0_kqtukcil" class="full_size" title="Bye bye Bayern Dragons im Halbfinale"]

Das zweite Halbfinale ist aber auch nicht ohne. Würzburg hat ALBA geschockt und die Ulmer spielen sowieso eine grandiose Saison.

Das sind zwei echte Kämpferteams und gerade bei Ulm wird sich Thorsten Leibenath als Trainer des Jahres bestimmt ein paar interessante Sachen für die Würzburger ausgedacht haben.

Einen Fehler dürfen aber beide Mannschaften nicht machen: an die Finals denken.

Die Ulmer haben mit John Bryant jedoch den größten Trumpf im Ärmel. Dem Center kann Würzburg nur Jason Boone entgegenstellen und theoretisch müsste Bryant eigentlich 25 Punkte und zwölf Rebounds auflegen.

Doch eines haben Playoffs dieses Jahr bereits gelehrt: deutliche Serien sind absolute Mangelware.

EuerAdemola Okulaja

Ademola Okulaja war acht Jahre Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Der Forward nahm an fünf Europa- und zwei Weltmeisterschaften teil, holte 2002 WM-Bronze in den USA. In der Liga spielte er für ALBA Berlin - wo er den Korac Cup 1995 und die Meisterschaft 2000 holte -, in Köln und zuletzt in Bamberg. 2010 erklärte er seine Karriere für beendet. Nun begleitet er für SPORT1 das Geschehen in der Beko BBL als TV-Experte und Kolumnist.

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