Steffen Hamann, Jan Jagla und Demond Greene (v.l.) nach dem Aus der Bayern © getty

Kapitän Hamann nennt Gründe für das Viertelfinal-Aus der Bayern, spricht über das Duell mit Artlands Holston und zieht ein Fazit.

Von Florian Pertsch

München - Bereits in ihrer ersten Saison in der Beko BBL schnupperten die Basketballer des FC Bayern an der Sensation und dem Einzug ins Playoff-Halbfinale (DATENCENTER: Die Playoffs).

Doch ausgerechnet zu Hause verspielten die ansonsten so heimstarken Münchner im zweiten Duell mit den Artland Dragons die große Chance.

Durch eine 84:92-Niederlage gegen die Niedersachsen gaben die Schützlinge von Trainer Dirk Bauermann den Heimvorteil für die Best-of-Five-Serie aus der Hand, mussten stattdessen einmal mehr in die Quakenbrücker Drachenhöhle reisen.

Dort kassierten die Bayern am Donnerstag mit einem 73:79 (Bericht) die entscheidende dritte Pleite im fünften Spiel und verabschiedeten sich somit vorzeitig aus dem Titelrennen (Stenogramm: Das Playoff-Viertelfinale).

Bei SPORT1 spricht Kapitän Steffen Hamann über die Gründe für das Aus, das hitzige Duell mit Artlands David Holston und zieht ein Fazit über die Saison.

SPORT1: Herr Hamann, die Saison ist vorbei. Gegen Artland wurde die fünfte Partie in Quakenbrück knapp verloren. Wo lagen die Hauptgründe für das Aus?

Steffen Hamann: In Anbetracht der gezeigten Leistung in Spiel eins und dem großen Unterschied zur zweiten Partie, in der wir uns auch viel vorgenommen hatten, muss man sagen, dieses Spiel zwei tut uns besonders weh. Da hatten wir uns den Heimvorteil erspielt und auch wenn es in Spiel fünf knapp war, der Genickbruch war definitiv Spiel zwei.

SPORT1: Etwas präziser, war die Situation unter dem Korb ausschlaggebend oder eher auf den Außenpositionen?

Hamann: Weder noch. Ich denke, wir haben als Mannschaft ausgeglichen gespielt. Klar hat uns David Holston in einigen Situationen weh getan, aber grundsätzlich ist Quakenbrück wie wir eine sehr ausgeglichene Mannschaft.

SPORT1: An der Erfahrung dürfte es bei Bayern sicherlich nicht gelegen haben, oder?

Hamann: Nein, das war nicht unser Problem. Wir haben viele erfahrene Spieler in der Mannschaft und Robin Benzing als Playoff-Neuling hatte starke Schmerzen in der Hand. Ich glaube, wir sind schon als reife Mannschaft aufgetreten, gerade nach dem 1:2-Rückstand. Das Spiel vier war sehr stark von uns, und darum tut es natürlich weh, mit so einer abgezockten Truppe im letzten Spiel zu verlieren.

SPORT1: Kann die Playoff-Serie auf den Nenner gebracht werden: Zu Hause vergeigt?

Hamann: Auf jeden Fall. Wir hatten bis dahin genau ein Spiel zu Hause verloren, das war gegen ALBA. Da ist es natürlich sehr ärgerlich, dass wir den erarbeiteten Vorteil nicht nutzen konnten.

SPORT1: Klingt ein wenig nach Ironie des Schicksals. Eines der heimstärksten Teams der regulären Saison scheitert aufgrund eines Heimspiels in den Playoffs?

Hamann: Ja, ein wenig schon. Ich will nicht sagen, dass wir nach dem Auftaktsieg bei Artland überheblich waren, aber vielleicht lief es in Spiel eins doch ein wenig zu gut. Der Wille war auf jeden Fall immer gegeben im Team, aber dieses Spiel zwei hat es uns vermasselt.

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SPORT1: Eine Szene dieser Serie war natürlich der Schlag des Quakenbrückers David Holston gegen Sie. Auch unabhängig von diesem Vorfall, Sie sind einer der Spieler der Beko BBL, der stets polarisiert und die Fans entweder verzückt oder auf die Palme bringt. Woran, glauben Sie, liegt das?

Hamann: Richtig, das geht schon ein paar Jahre so und ich habe mich an die Situation gut gewöhnt. Seit ich in der Liga bin, spiele ich immer mit viel Emotionen, aggressiver Verteidigung und setzte mich auch immer ein Stück weit in den Köpfen der Gegenspieler fest. Dieses Bild verkörpere ich jetzt und auch wenn einige Fans meine Vergangenheit nicht kennen, springen sie halt auf den Zug mit auf.

SPORT1: Und die Geschichte mit Artlands Holston?

Hamann: Alles in bester Ordnung. Wir haben uns nach Spiel fünf umarmt, uns gegenseitig zu der Serie gratuliert, und ich habe ihm viel Glück für das Halbfinale gewünscht. Und genau so soll sowas laufen.

SPORT1: Sie können also klar zwischen auf und neben dem Feld trennen?

Hamann: Selbstverständlich. Während dem Spiel verteidige ich meine Farben, das Bayernwappen auf meiner Brust und Jungs wie J.J. Strasser oder David Holston machen das für Artland nicht anders. Wichtig ist, dass man sich danach wieder in die Augen schauen kann. Sicher ist es nicht angenehm, gegen den ein oder anderen zu spielen, aber hinterher muss das alles wieder vergessen sein.

SPORT1: Noch kurz der Blick auf das Projekt Bayern und die erste Beko-BBL-Saison im Ganzen. War es letztlich vielleicht sogar besser im Viertelfinale auszuscheiden, so dass nicht wieder die Stimmen laut werden "Bayern erkauft den Titel"?

Hamann: Als Spieler kann ich natürlich zunächst nichts Gutes finden am Ausscheiden. Die Mannschaft hätte das Halbfinale verdient gehabt. Welche Ansicht der Verein vertritt und was Basketball-Deutschland darüber denkt, weiß ich nicht.

SPORT1: Und wie fällt dann das Saison-Fazit aus?

Hamann: Wir sind enttäuscht über das Aus, aber wir sind auch stolz, wie wir die Saison gemeistert haben. Das war ein sehr nervenaufreibendes Jahr mit einigen Rückschlägen. Das Aus von Ruben Boumtje Boumtje, die Geschichte mit Ben Hansbrough und natürlich auch die intensiven Auswärtsspiele. Nimmt man all das zusammen, dann würde ich sagen, können wir auf diese Saison stolz sein.

SPORT1: Eine Frage noch zur kommenden Saison. Haben die Planungen bereits begonnen, sind Sie in solche Dinge als Kapitän involviert?

Hamann: Der Coach wird sich nun sicherlich Gedanken machen und wird mich diesbezüglich auch in den nächsten Tagen kontaktieren. Ihm ist meine Meinung schon wichtig, ich kenne die Spieler ja zum Teil auch persönlich etwas besser als er. Er wird sich da auch etwas Rat von mir holen, und das finde ich gut.

SPORT1: Wo sehen sie konkreten Handlungsbedarf?

Hamann: Um ehrlich zu sein, ich würde mit dieser Mannschaft sofort wieder in den Kampf ziehen. Die Vertragssituation ist natürlich die andere Seite, aber das muss letztlich der Verein regeln.

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