Gordon Herbert wechselte 2011 als Chefcoach von den Skyliners Frankfurt zu ALBA Berlin © imago

Nach dem Playoff-K.o. in Würzburg prasselt Kritik auf die Berliner ein. Manager Baldi verweigert ein Bekenntnis zum Trainer.

Berlin/München - "Peinlich!", "Söldner!", "Raus ohne Applaus!" - die Basketballer von ALBA Berlin bekamen nach dem blamablen Aus im Playoff-Viertelfinale der Beko BBL gegen die Baskets aus Würzburg von den Zeitungen der Hauptstadt ihr Fett weg.

Zurecht, denn der einstige Champion ist nur noch ein Schatten vergangener Tage und wartet seit drei Jahren auf einen Titel.

Das 60:66 (33:22) gegen Aufsteiger Würzburg war die dritte Niederlage in Folge für eine Mannschaft, die es zum wiederholten Male nicht schaffte, ihr Potenzial abzurufen (BERICHT: Würzburg kickt ALBA aus den Playoffs).

Konnten die Berliner das erste Spiel der Serie noch mit 75:67 für sich entscheiden, ging es danach stetig bergab. Mit 1:3 ging die Best-of-five-Serie verloren, erst das vierte Mal in 22 Jahren Playoffs verabschiedete sich ALBA bereits nach der ersten Runde.

Der "Teamspirit" macht's

Bundestrainer Svetislav Pesic, selbst viele Jahre Trainer in Berlin, sprach von einer großen Überraschung.

"Würzburg trat den Beweis an, wie eine Mannschaft erfolgreich spielt: mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und Defense. Nur mit Defense entwickelt man einen Teamspirit", meinte Pesic.

ALBA habe Potenzial, aber es fehle eben jener Teamspirit.

Eine Saison zum Vergessen

Mit dem frühzeitigen Scheitern in der Meisterschaft verpasste Alba nach dem Scheitern in der Euroleague-Qualifikation und dem Ausscheiden im DBB-Pokal auch das dritte und letzte Saisonziel.

Die Spielzeit 2011/2012 ist aus Sicht der Berliner eine zum Vergessen.

Die "Albatrosse" sind erneut unsanft auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Statt Halbfinale heißt es schonungslose Analyse.

Für die Verantwortlichen von ALBA Berlin wird es kein gemütlicher Sommer (DATENCENTER: Die Playoffs).

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Muss Herbert gehen?

Denn eine derartige Niederlagenserie in den Playoffs wie gegen Würzburg hatte es zuletzt vor fünf Jahren gegeben, im Mai 2007 hieß es 0:3 gegen die Artland Dragons. Damals musste Trainer Henrik Rödl gehen.

Ob der neuerliche sportliche Tiefschlag personelle Konsequenzen hat, ließ Geschäftsführer Marco Baldi direkt nach Spielende offen: "Wir werden alles genau analysieren, und eine Nacht drüber schlafen."

ALBA startet stark

Dabei war der Hauptstadtklub im Spiel um alles oder nichts seiner Favoritenrolle zunächst durchaus gerecht geworden.

Anders als in den Partien zuvor agierten die "Albatrosse" aggressiv und mit der nötigen Konzentration. Der Lohn: Eine klare 23:11-Führung nach dem ersten Viertel, auch zur Halbzeit lag der achtmalige Meister noch komfortabel vorne.

Nach der Pause war es mit der Berliner Herrlichkeit dann allerdings vorbei.

Führungsspieler nicht anwesend

Ein 0:12-Lauf zu Beginn der zweiten Hälfte leitete das ALBA-Debakel ein, Würzburg roch Lunte und spielte sich angetrieben von 3.040 Zuschauern in einen Rausch.

Den "Albatrossen", allen voran Kapitän DaShaun Wood, fehlten dagegen die von Torwart-Legende Oliver Kahn gerne zitierten "Eier", um das Aus noch abzuwenden.

Die ALBA-Stars Bryce Taylor (8 Punkte), Derrick Allen (7 Punkte), Kyle Weaver (2 Punkte) und Wood (6 Punkte) versteckten sich allesamt und wurden ihrem Ruf als Führungsspieler nicht gerecht (Stenogramm: Das Playoff-Viertelfinale).

Und so musste auch Trainer Gordon Herbert ernüchtert feststellen: "Wir waren ab dem dritten Viertel nicht mehr aggressiv genug und haben nur noch gespielt, um nicht zu verlieren. Würzburg dagegen hat ab der zweiten Halbzeit gespielt, um zu gewinnen."

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